1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Wetteroffizier Friend wird auf eine einsame Insel im Südatlantik gebracht, auf der fernab der üblichen Seerouten nur Leuchtturmwärter Gruner lebt. Doch bereits in der ersten Nacht macht Friend die Erfahrung, dass das einsame Eiland von geheimnisvollen Kreaturen aus dem Meer überfallen wird. Wer diese Wesen genau sind und was sie bezwecken, scheint gleichsam rätselhaft zu sein, denn Gruner hält zwar ein weibliches Exemplar gefangen, bleibt aber sparsam mit Erklärungen. Als die Angriffe immer brutaler werden, verschanzen sich Gruner und Friend im Leuchtturm...
Wenn Richard Mathesons „Ich bin Legende“ auf Guillermo del Toros „Shape Of Water“ trifft – so oder so ähnlich muss man sich „Cold Skin – Insel der Kreaturen“ von Xavier Gens vorstellen, der mit dieser franko-hispanischen Co-Produktion Hollywood erst einmal den Rücken kehrte, um quasi in Unabhängigkeit wieder zu einem Mehr an Möglichkeiten und Kreativität zurück zu finden. So steht dann sein über weite Strecken dialogarmes Drei-Personen-Existenzialismus-Schauer-Märchen mit Fantasy-Einfluss ganz in der Tradition des einstmals gefeierten, immer leicht schrägen Euro-Horrors, ist weitestgehend auch gegen übliche Horror-Konventionen gebürstet, in seiner Erzählweise mehr elegisch denn spannend und alles in allem viel gewöhnungsbedürftiger als es der Kurzinhalt anzudeuten vermag. Einiges wird hier nämlich nur angedeutet, gewisses gar nicht erst erklärt und das mysteriöse Gebrabbel / Verhalten Gruners ist doch allzu rätselhaft für Mainstream-Zuschauer, die es geradlinig und einfach mögen. So entwickelt „Cold Skin – Insel der Kreaturen“ einen ganz eigenen Charme (den man entweder mag oder nicht), der durch die wunderschön altmodische und ruhige Bildgestaltung fast schon poetisch zu nennend verstärkt wird. So wird aus dem anfänglich trotz FSK-12-Freigabe erstaunlich blutigen Horror-Actioner zum Ende hin gar eine ohne erhobenen Zeigefinger funktionierende Parabel über die negativen Seiten des Kolonialismus, über die menschliche Fähigkeit zur Co-Existenz und über die immerwährende Frage, die das Genre so gerne aufwirft: wer denn nun das eigentliche Monster ist. Fazit: sehenswert für alle, die mal abseits des Üblichen die Horror-Gefilde abgrasen wollen. Bildformat: 2,35:1. Mit David Oakes, Ray Stevenson, Aura Garrido, John Benfield u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin