Der Menschenschmuggel an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, der genauso von den Kartellen beherrscht wird wie der Drogenhandel, nimmt immer brutalere Züge an, denn auf diese Weise kommen sogar Terroristen mit Wissen der Hintermänner ins „gelobte“ Land. Aus diesem Grund wird Agent Matt Graver gerufen, der aufräumen und zwischen den Kartellen einen Krieg anzetteln soll. Dazu greift Graver wiederum auf Auftragskiller Alejandro Gillick zurück, der mit Kartellboss Carlos Reyes noch eine ganz persönliche Rechnung offen hat. Man entführt Isabel, Reyes Tochter, um die Kartelle gegenseitig aufzuwiegeln. Doch natürlich geht in einem Land wie Mexiko, an der an jeder Ecke neue Gefahren lauern, die höchst illegale Aktion irgendwie schief…
Und der grausame Krieg gegen die Drogen geht weiter! In „Sicario 2“ sogar verquickt mit der Handelsware Mensch und der Angst vor Terrorismus. Stefano Sollima, Sohn von Sergio „Brutale Stadt“ Sollima, überfrachtet damit aber keineswegs die Handlung sondern nimmt die Zugaben, die ihm das Drehbuch von Taylor Sheridan vorgab, ernst und packt sie gekonnt zusammen wie nur irgend möglich. So ist dann auch „Sicario 2“ ein sehr realistischer, harter Thriller aus der Grenzregion zwischen Mexiko und den USA geworden, der das dreckige Geschäft, welches hüben wie drüben jenseits jeglicher moralischer Regeln stoisch abgewickelt wird, nie auch nur ansatzweise zu einem Heldenstück geraten lässt. Nein, mit Ruhm bekleckert sich hier niemand – schon gar nicht die, die man vermeintlich die Guten nennt. Und während in Teil 1 mit Emily Blunts Rolle wenigstens noch so etwas wie Hoffnung aufglimmte, hat man in Teil 2 diese Figur kurzerhand herausgeschrieben. Gnadenlos konsequent, denn das Sicario-Universum ist im Amerika Donald Trumps angekommen, welches durch und durch unmenschlich ist und eigentlich nur Verlierer kennt. Das alles ist kongenial inszeniert worden: die sehr basslastige Soundkulisse ist umwerfend und die Actionszenen sind fein aber rar, denn ein solch spannender Stoff braucht kein aufgesetztes B-Movie-Gehabe mit ständiger Overkill-Unterhaltung. Zudem darf man sich wieder über Josh Brolin und Benicio del Toro freuen, die ihre angestammten Rollen weiterhin mit sehr realem Spiel erfüllen. Gerade die sehr zurückhaltenden Auftritte del Toros sind mitunter echte Magie (z. B. seine Unterhaltung in Gebärdensprache). Fazit: auch wenn „Sicario 2“ inhaltlich gänzlich andere Wege geht (Stefano Sollima – ganz seiner Vita entsprechend – und Taylor Sheridan bringen die DEA eindeutig mit mafiösen Verhaltensmustern in Verbindung) und alles noch viel pessimistischer geraten ist, so überzeugt doch der Film mit einem sehr hohen Grad an erstklassiger, fesselnder Crime-Unterhaltung, die keineswegs leicht zu verdauen ist. Immer noch bitter, immer noch in allen Fächern des Filmschaffens herausragend. Bildformat: 2,39:1. Des weiteren mit Isabela Moner, Catherine Keener, Manuel Garcia-Rulfo, Jeffrey Donovan u. a.
Ab 29.11.2018 auf Blu-ray, DVD und 4K UHD erhältlich.
© Selbstverlag Frank Trebbin