Franks Bewertung

starstarstar / 2

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

09.07.2018
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Review

von Frank Trebbin

Am 10. Juli 1973 wird der 16jährige John Paul Getty III in Rom entführt und in Kalabrien von der dortigen Mafia gefangen gehalten. Großvater J. Paul Getty, der berühmte Öl-Magnat und bis dato reichste Mann der Welt, weigert sich von Anfang an, die geforderten 17 Millionen Dollar Lösegeld zu zahlen und verkündet dies auch öffentlich. Pauls Mutter Gail, nur eingeheiratet und durch Scheidung inzwischen nicht mehr zum inneren Kreis des Getty-Imperiums zugehörig, versucht verzweifelt, ihren Sohn wiederzubekommen und verhandelt mit Hilfe von Gettys Sicherheitschef Fletcher Chace immer wieder mit den Entführern, die inzwischen damit drohen, den Jungen stückchenweise zurück zu schicken…

Ob der mitten im Dreh aufgrund der #MeToo-Kampagne vollzogene Wechsel von Kevin Spacey zu Christopher Plummer Segen oder Fluch für Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ war, lässt sich nie herausfinden, auf jeden Fall krankt dieser Entführungs-Thriller, der partout kein üblicher Entführungs-Thriller sein möchte, wohl kaum an den schauspielerischen Darbietungen. Diese sind nämlich durch und durch sehenswert und Christopher Plummer besitzt zudem eine schier unglaubliche Leinwand-Präsenz. Auch die Sets bzw. die üppige Ausstattung sind wie bei Scott so üblich hochwertig und die Bildgestaltung ist abgesehen von unverkennbaren Transferproblemen im Heimvideobereich (zu dunkel, Kontrast zu steil etc.) erstklassig. Doch leider würgt das Drehbuch, welches weniger den Kriminalfall an sich in den Vordergrund stellt sondern eher die beteiligten Personen porträtiert, jegliche (vordergründige) Spannung ab und konzentriert den Großteil der nicht uninteressanten Story, die in einigen wenigen, wichtigen Punkten deutlich von den wahren Begebenheiten abweicht, auf das dialogreiche Aufeinandertreffen der kämpferischen Mutter mit dem starrsinnig-gierigen Öl-Miliardär, der knallhart keinen Dollar für seinen Enkelsohn zahlen will. Innerfamiliäre Konflikte um Zins und Zinseszins anstatt „Kopfgeld“-Action. Das wirft zwar einen bezeichnenden Blick in die Welt der Reichen, unterläuft aber gleichzeitig viele, viele Zuschauererwartungen. So wird dann letztendlich auch „Alles Geld der Welt“ von den meisten Zuschauern als weder Fisch noch Fleisch angesehen werden, was für den technisch unzweifelhaft brillanten Film einfach nur schade ist. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Michelle Williams, Mark Wahlberg, Charlie Plummer, Romain Duris, Timothy Hutton u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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