Review

Jetzt ist es soweit, ich komme endlich in den Genuss von "A Star is Born", einem der Top Favoriten der Oscars 2019. Solche Filme gucke ich mir für gewöhnlich etwas abseits des Hypes an - umso unvoreingenommener und nüchterner geht man an einen solchen Blockbuster heran. Doch wieso überhaupt Blockbuster?

Was ist nur aus den Oscars geworden, frage nicht nur ich mich. Der Vorwurf nach ideologischen Motiven oder Zeitgeist Preise zu verschleudern steht ja schon ewig im Raum - okay, "A Star is Born" hat letztlich nur einen Award für den besten Song mitgenommen, aber trotzdem hat das ganze ein Geschmäckle, war Bradley Coopers Film doch insgesamt für 8 Oscars nominiert und sogar Sam Elliot, der im ganzen Film vllt. zehn Sätze spricht, wenn überhaupt. Von Lady Gaga, die im Grunde einfach nur Lady Gaga spielt, ganz zu Schweigen. Nach Preisen für den völlig belanglosen Bohemian Rhapsody machte sich bei mir schon ein Kopfschütteln breit, nach "A Star is Born" kommen weitere Zweifel an der Integrität dieses Preises auf. Aber genug dazu, mit was für einem Film haben wir es hier zu tun?

Coopers "A Star is Born" ist das x-te Remake des gleichnamigen Klassikers von 1937, ein oberflächlicher Mix aus Romanze und allen stereotypen Variationen eines typischen Musikerdramas. Ally, gespielt von Lady Gaga, ist eine unbekannte Sängerin, die gelegentlich in einer Travestiebar singt, in der sie vom durch Alkoholismus angeschlagenen Profimusiker Jackson Maine, dargestellt von Regisseur Bradley Cooper selbst, entdeckt wird. Der verliebt sich in sie, nimmt sie mit auf Tournee, sie wird Newcomer im Pop Business und der Alkohol, plus die neue Karriere seiner Freundin, entzweit beide. Im Grunde war es das auch schon. Lady Gaga spielt Lady Gaga, bzw. eine Lady Gaga, wie sie sie aktuell gerne hätte - die im Herzen immer sich selbst treu gebliebene Avantgardistin, die ein wenig im Business mitspielen muss, aber im Herzen immer der wahren Liebe verbunden bleibt, egal ob Partner oder echte Musik. Ihre Leistung ist okay, überraschend ja, aber so überwältigend, dass sie eine Oscar-Nominierung verdient hatte? Auf keinen Fall. Zu fern bleibt mir die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten, zu sehr überwiegt der Kitsch und die ausgelutschten Gesten. Allgemein bedient sich der Film viel zu vielen plakativen Stereotypen, obwohl er augenscheinlich ständig darum bemüht ist, genau das nicht zu sein. Man ringt förmlich um die richtige Darstellung von Drama und Außenseitertum, echte Gefühle sollen so echt präsentiert werden, dass sie unfreiwillig komisch werden. Ein Hollywood-Film der so plakativ Understatement betreiben will, wirkt dabei einfach lächerlich. Das beginnt schon bei den schwachen Eröffnungszenen der Figur Ally mit ihrem furchtbar nervigen und affektierten Freund Ramon rund um Job und Travestie-Bar und endet in der Begegnung mit Jack. Soll Ally nun schüchternes, unverstandenes Talent sein, was von äußerlichen Zurückweisungen schwer getroffen wird - oder dann doch die moderne, selbstbewusste, schon fast narzisstische Frau, die bei jeder sich ihr bietenden Gelegenheit singt und Schläge verteilt? Stringenz ist etwas anderes. Bei aller Ambivalenz jedoch schafft es Lady Gaga dennoch ihre Figur weitgehend eindimensional darzustellen, schwach.

Bradley Cooper inszeniert seinen Jack da doch glaubwürdiger, insgesamt ist es sowieso Jack, der den Film trägt. Abseits von dem ein oder anderen kitschigen Spruch und dem Versuch etwas billig zu emotionalisieren, bleibt Jack trotz Alkohol-Eskapaden und Entgleisungen der Sympathieträger des Films. Im Vergleich mit Jeff Bridges in "Crazy Heart" jedoch mindestens eine Klasse schlechter. Insgesamt lassen sich einige Parallelen in der Geschichte der beiden Filme feststellen, auch wenn sie ganz andere Schwerpunkte setzen. Aber dazu später. "A Star is Born" versteift sich so extrem darauf zu emotionalisieren, dass eigentlich selbst der unkritischste Zuschauer irgendwann genervt sein sollte: Emotionen am Reissbrett, die gepaart mit Vorhersehbarkeit einfach nicht wirken und keine Identifikation mit den Personen zulassen. Auch die Charakterentwicklung von Ally ist einfach nicht schlüssig - die anfangs ungewollte Ambivalenz als schüchterne Avantgarde-Chansonnette im Travestie-Etablissement weicht am Ende dann dem billigen Pop-Sternchen, dass nur noch in Nebensätzen so etwas wie Leidenschaft und Tiefe in Musik erkennt und die Probleme des Partners ausblendet. Dazu kommt die Gruppe um Allys Vater und seinen Freunden, vier ältere Männer, die immer mal wieder mit bedeutungslosen Einzeilern eingeblendet werden und irgendwie niedlich wirken sollen. Deplatziert und unnötig. Ultra unrealistisch und überzogen sind dann Jacks Zusammenbrüche, vor allem der bei den Grammys, auch die Reaktionen des Umfelds sind schlecht inszeniert.

Die stärksten Momente hat der Film, wenn nur die Musik sprechen darf. Obwohl der Soundtrack irgendwo zwischen Mariah Carey-Weihnachtsballaden und relativ eintönigem Pop-Rock rangiert, wendet sich hier wenigstens der Fokus in der Geschichte. Jetzt steht eindeutig Lady Gaga im Mittelpunkt, die natürlich im Gegensatz zu Bradley Cooper die deutlich talentiertere Musikerin ist. Aber auch Bradley Cooper macht seine Sache mehr als ordentlich. Leider ist auch hier im Vergleich mit Crazy Heart das Songmaterial zu gewöhnlich und belanglos. Rührend ist etwas anderes.

Ich habe generell kein Problem mit Liebesfilmen und auch kein Problem mit Musikdramen und emotionalisierenden Blockbustern, ganz im Gegenteil - beides zusammen kann richtig ergreifen, wenn es gut gemacht ist. Und da kommt wieder der Vergleich mit Crazy Heart, der dies fantastisch und vor allem sehr facettenreich und reif miteinander kombiniert.
"A Star is Born" ist hingegen nur ein abgespecktes, ruppig erzähltes "Crazy Heart" für anspruchsloses Mainstreampublikum, dem es schon reicht, Lady Gaga als singende Schauspielerin zu sehen. Ohne Bradley Cooper wäre der Film gar ein Totalausfall, aber so bleibt am Ende ein durchschnittliches Musik- und Liebesdrama mit allen Spotlights auf seinem Hauptdarsteller, ein Drama, dass nicht ohne Grund schon jetzt wie vergessen wirkt.

4/10

Details
Ähnliche Filme