England, 1912 – Ein Blick hinter die Fassade der selbstherrlichen englischen Upper Class im blühenden Industriezeitalter des frühen 20. Jahrhunderts: Die wohlhabende Familie Birling feiert eines Abends die anstehende Verlobung von Tochter Sheila mit dem Fabrikantensprössling Gerald Croft – eine Ehe, die zwei erfolgreiche Unternehmen zusammenführen soll. Doch die Feierlichkeiten werden jäh vom Überraschungsbesuch eines gewissen Inspector Goole unterbrochen. Er informiert die vier Anwesenden über seine Ermittlung im Falle des tragischen Freitods der jungen Eva Smith, einer früheren Angestellten in Birlings Fabrik, die sich vor einigen Stunden mit Desinfektionsmittel das Leben genommen hat. Obwohl zunächst alle beteuern, die Verstorbene nicht gekannt zu haben, deckt Goole durch seine unerbittlichen Befragungen nach und nach auf, dass jeder von ihnen seinen Anteil daran gehabt haben könnte, Eva Smith in den Suizid zu treiben… (Zitat: Pressetext Pandastorm Pictures)
Basierend auf dem anklagenden, schon einige Male für Film und Fernsehen adaptierten Theaterstück von J. B. Priestley wird der Zuschauer bei dieser neuerlichen TV-Verfilmung durch die BBC aus 2015 auf eine spannende Zeitreise in das England kurz vor dem Ersten Weltkrieg geschickt und mittels einer einfachen, aber in ihrem Ende höchst verblüffenden Handlung lehrreich über den damals wie auch heute so offenkundigen Spagat zwischen Arm und Reich aufgeklärt – ohne je den erhobenen Zeigefinder einer moralinsauren Botschaft zu erleben. Im lockeren Gewand eines klassischen Whodunit-Stoffes, bei dem zeitlich wie räumlich alles eng aufeinander abgestimmt ist (was eben auch auf die Herkunft aus dem Bereich des Theaters verweist), werden die sozialkritischen Themen locker aneinandergereiht und nach und nach abgehandelt – bis es halt zu jenem Ende kommt, das im Presse-Mailing zur HD-VÖ aus dem Hause Pandastorm Pictures zu der Tagline „Agatha Christie trifft auf The Twilight Zone“ ver- bzw. geführt hat. Diese Schlußpointe ist – wie gesagt – verblüffend und lässt einen noch mehr über des Gesehene sinnieren. Fazit: Genial gute Kammerspiel-Unterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern in einer feinen Inszenierung, die mittels Rückblenden die Steifheit der Theaterherkunft aufbricht und durchaus für Augenfutter punkto Kostüme und Drehorte sorgt. Bildformat: 1,78:1. Mit David Thewlis, Miranda Richardson, Ken Stott, Finn Cole u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin