Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

11.12.2018
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Review

von Frank Trebbin

Irland 1847. Der Ire Martin Feeney kommt als Deserteur aus Afghanistan, wo er für die britische Krone kämpfte, in seine Heimat zurück und muss feststellen, dass das Land von den britischen Besatzern so rigoros ausgebeutet wird, so dass seine Landsleute unendliches Leid ertragen müssen. Willkür, Misswirtschaft und Kartoffelfäule stehen auf der Tagesordnung. Auch seine Familie ist betroffen, denn der Bruder wurde zu Unrecht gehängt und Feeneys Mutter starb den Hungerstod. Martin Feeney lehnt sich auf und nimmt grausame Rache an der britischen Besatzungsmacht, die wiederum den nicht zimperlichen Inspektor Hannah, einst Feeneys Vorgesetzter in der Armee, auf ihn ansetzt...

Jedem Irland-Besucher wird gerne jene fatale Hungersnot geschildert, die, angetrieben durch die ausbeuterischen Handlungen der englischen / protestantischen Kolionalisten, zu verheerenden Verlusten unter der irischen / katholischen Landbevölkerung führte und jeder noch so kleine Ort auf der grünen Insel unterhält ein diesbezügliches Denkmal. Nun gibt es „Black '47“, ein Rache-Drama mit Anleihen beim Westerngenre, der dieses Thema aufgreift und mit entsprechenden Bildern unterfüttert, die man so schnell nicht vergisst. Getaucht in ständiges Zwielicht und im Winter spielend sieht man von der irischen Landschaft – gedreht wurde rund um Galway im heute noch sehr urwüchsigen Connemara – kaum jenes gepriesene Grün sondern nur eine Szenerie, die fast schon archaisch-apokalyptische Züge annimmt. In diesem Klima wächst kein Funken Freude oder gar Hoffnung mehr sondern nur unendliches Leid. So ist es dann auch nur logisch, dass die beiden Antagonisten Freeney und Hannah voller Wut und Zorn wie zwei führerlose Züge aufeinander zurasen und es zu einem großen Knall kommt. Das hätte wirklich ganz, ganz großes Kino werden können, wenn da nicht budgetbedingt ein paar allzu gekünstelt aussehende CGI-Bilder, die so manchen Mangel an Kulisse und Ausstattung wettmachen sollen, wären, die die von Regisseur Lance Daly gekonnt heraufbeschworene Atmosphäre immer wieder mal unterlaufen Dennoch: „Black '47“ ist eine sehenswerte, weil bittere Geschichtslektion über ein düsteres Kapitel unserer europäischen Nachbarn, dessen Auswirkungen quasi bis heute nachhallen und durch die Brexit-Verhandlungen und der damit verbundenen Frage nach dem Umgang mit der Grenze zwischen Irland und Nordirland wieder tagesaktuell werden. Bildformat: 2,35:1. Mit Hugo Weaving, James Frecheville, Freddie Fox, Stephen Rea u. a.

Ab 14.12.2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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