Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

27.12.2018
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Review

von Frank Trebbin

Die beiden Frauen Jackie und Jules wollen ihren ersten Hochzeitstag ganz romantisch feiern – und zwar in dem einsam an einem riesigen See gelegenen Haus von Jackies Familie. Alles scheint idyllisch, bis eine Nachbarin auftaucht und Jules erfährt, dass ihre Angetraute eigentlich Megan heißt und etwas mit dem Tod einer Jugendfreundin zu tun haben könnte. Tags darauf rastet Jackie / Megan aus und stürzt Jules einen Felsen hinunter. Für die Schwerverletzte beginnt ein brutaler Überlebenskampf, der noch einige Überraschungen parat halten wird...

Mit „Whats Keeps You Alive“ erlebt der geneigte Zuschauer die nächsthöhere Erfahrungsstufe des weithin als einen Teil des „The Vicious Brothers“-Duos bekannten Kanadiers Colin Minihan, denn dies ist sein bis dato handwerklich vortrefflichster (wenn auch immer noch B-)Film. Kamera, Schnitt und Musik sind nahezu perfekt und dass Minihan ein Händchen für Stimmungen und Bilder hat, konnte er ja auch bislang schon mehrfach unter Beweis stellen (vgl. z. B. „It Stains the Sands Red“). Hier nun ist es das laubgrüne Setting eines Backwoods- bzw. Survival-in-the-Woods-Thrillers, der die zwar in Details und Wendungen etwas hanebüchne, aber doch weitestgehend spannende Story trägt. „Whats Keeps You Alive“ allerdings in eine konkrete Subgenre-Schublade zu packen, ist ein schwieriges Unterfangen, denn die Motive, die hier verarbeitet wurden, sind recht breit gestreut: Psycho-Thrill mit „Misery“-Anleihen, Serienkillertum, Menschenjagd im angedeuteten „Hard Target“-Stil, aber auch Ausflüge in milde Splatter-Gefilde – das alles hat Minihan recht geschickt und punktuell miteinander verwoben. Am erstaunlichsten ist allerdings der Umstand, dass man ein lesbisches Paar in den Mittelpunkt stellt ohne dies irgendwie näher auszuschlachten. Homosexualität und Normalität – und das in einem Sujet (Horrorfilm), welches über Jahrzehnte eng mit Exploitation verbunden ist. Hut ab. Die damit verbundenen Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen geben dem Film erst so recht jene gewisse Klasse, die er sich insgesamt betrachtet doch redlich verdient hat. Kurzum: klein und minimal produziert, aber großes Kino. Bildformat: 2,35:1. Mit Hannah Emily Anderson, Brittany Allen, Martha Macisaac, Joey Klein u. a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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