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Staffel 1

In einem kleinen Städtchen in den französichen Ardennen wird die 16-jährige Jennifer Lenoir vermisst. Die Schülerin war nachts am Heimweg durch den nahen Wald, kam jedoch nicht mehr zuhause an. Als ihr Fahrrad im Dickicht gefunden wird, gehen Inspektor Gaspard Decker (Samuel Labarthe) und seine Kollegen von einem Verbrechen aus. Der Wald schlägt wieder zu - so denken einige Dorfbewohner, nachdem dort 10 Jahre zuvor schon einmal zwei junge Frauen spurlos verschwunden sind. Kurz darauf werden zwei weitere Schülerinnen als abgängig gemeldet, Maya und Océane, beide mit der verschwundenen Jennifer bekannt.  
Die Polizistin Virginie Musso (Suzanne Clément) ist darüber ganz außer sich, ist die afrofranzösische Maya doch ihre stets behütete Pflegetochter und Inspektor Decker hat große Mühe, die impulsive Mitarbeiterin, die ganz wild in alle Richtungen zu verdächtigen und zu ermitteln beginnt, zu bändigen. Doch das Schlimmste weiss Virginie noch gar nicht: ihr Ehemann Vincent (Frédéric Diefenthal) verheimlicht ein mehrmonatiges Verhältnis mit der verschwundenen Jennifer und Maya war ihrem Pflegevater draufgekommen - nun sind beide weg...
Auch die Deutschlehrerin Eve (Alexia Barlier) rätselt um das Verschwinden ihrer Schülerinnen, wobei die ledige Blondine ein ganz besonderes Verhältnis zum titelgebenden Wald hat, in welchem sie offensichtlich ihre ersten Lebensjahre verbracht hatte, bevor sie als Findelkind bei Dr. Mendel und dessen Frau aufwuchs. Wenig später werden die Befürchtungen zur Gewissheit: Jennifer wird in einer Erdhöhle, wie nach einem Ritual bestattet, tot aufgefunden. Die Untersuchungen ergeben, daß sie vergewaltigt und ermordet wurde...

Hinter dem wenig aussagekräftigen Titel La forêt verbirgt sich ein französischer Kleinstadt-Krimi, der mit den Geheimnissen der Bewohner spielt und dazu das angrenzende Gehölz als stets bedrohliche Hintergrund-Kulisse aufbaut - tatsächlich aber liegt der Schlüssel für alle Geschehnisse nicht etwa im Wald, sondern bei den Bürgern selbst. In 6 Folgen zu je etwas mehr als 50 Minuten beleuchtet Regisseur Julius Berg ein weit in die Vergangenheit zurückreichendes Beziehungsgeflecht zwischen einzelnen Dorfbewohnern, welches am Schluß in die logische Auflösung des Falles um die verschwundenen Mädchen mündet.

Der Weg dorthin ist durchaus unterhaltsam mitzuverfolgen, entbehrt jedoch nicht einiger kapitaler Logiklöcher, von denen das gravierendste die Beteiligung der stark befangenen Polizistin Virginie ist - in Wirklichkeit dürfte sie nie und nimmer in einer ihre engste Familie betreffenden Angelegenheit ermitteln. Dass sie es trotzdem tut (tun darf) und sich dabei ein ums andere Mal danebenbenimmt, bringt ihr erst spät einen Rüffel ihres Vorgesetzten ein, der sie aber auch dann nicht suspendiert. Dabei ist Chef-Inspektor Decker, gerade erst aus dem Ausland auf diese Dienststelle versetzt, ein bedächtiger Mann, den so leicht nichts aus der Fassung bringt. Er muß sich erst in die Gepflogenheiten vor Ort einleben, zu denen z.B. auch das ehemalige Findelkind Eve gehört, die ein mystisches Verhältnis zum Wald pflegt und ab und zu von einem weißen Wolf geleitet gewisse (Tat-)Orte findet. Den imaginären weißen Wolf in exakt derselben Funktionsweise als Hinweisgeber kennt man übrigens bereits aus der ebenfalls 2017 erschienenen, ebenfalls in/an einem Wald spielenden französischen Serie Black Spot, was allerdings die einzige Gemeinsamkeit der beiden Krimi-Serien bleibt. Denn La forêt setzt statt keltischer Mystik vielmehr auf eine bisweilen feinfühlige Charakterisierung seiner Darsteller und läßt, ganz klassischer whodunit, den Waldmenschen Manoa auftauchen, der natürlich sofort ins Visier der Ermittler gerät, sich aber schnell als unschuldig herausstellt. An Thierry Rouget (Patrick Ridremont), dem gewalttätig-alkoholabhängigen Vater der verschwundenen Océane, seit einer tödlichen Jugendsünde ein gebrochener Mann, läßt sich sogar eine (positive) Charakterentwicklung festmachen.

Trotz einiger Ungereimtheiten vermag La forêt, der keinerlei Gewaltszenen enthält, dafür aber Themen wie beispielsweise Prostitution übers Internet oder Jugend-Perspektivlosigkeit anschneidet, das einmal geweckte Interesse des Zuschauers bis zum Schluß konstant zu bedienen - lediglich für die exaltierte Polizistin Virginie, die schon nach kurzer Zeit extrem nervtötend auffällt, gibt es Punkteabzug. Macht summa summarum für den stets zwischen Drama und Krimi chargierenden Wald immer noch solide 6 Punkte.

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