Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses wechselt die junge, schon tablettenabhängige Polizistin Megan Reed ihren Job und arbeitet jetzt im Aufnahmebereich der Leichenhalle des Boston Metro Hospitals. Natürlich bekommt sie als Neuling die vermeintlich ruhigere Nachtschicht aufgedrückt, doch bereits in der zweiten Nacht geschieht Unheimliches: ein Mann, augenscheinlich ein Penner, dringt ein und versucht die übel zugerichtete Leiche der kurz zuvor eingelieferten Hannah Grace, die Megan eh schon einige Rätsel aufgegeben hat, zu verbrennen…
Dem Exorzismus-Subgenre Neues hinzuzufügen, scheint angesichts der doch recht limitierten Eckdaten inhaltlichen Zuschnitts schwierig zu sein. Wen wundert es also, dass “The Possession Of Hannah Grace” quasi mit der üblicherweise als Höhepunkt gesetzten Teufelsaustreibung einfach mal beginnt und danach versucht, ganz anderes Fahrwasser anzusteuern, um sich vom Rest abzuheben: die Frage des Was-passiert-eigentlich-nach-einem-missglückten-Exorzismus? und schlau kopierte Elemente aus „Nightwatch - Nachtwache“ und „The Autopsy Of Jane Doe“ bestimmen fortan Handlung und vor allem Stimmung, die durch die Nackter-Beton-Atmosphäre des bewusst kalt wirkenden Leichenhallen-Sets noch verstärkt wird. Dadurch wird “The Possession Of Hannah Grace” zwar nicht unbedingt origineller aber zumindest in der ersten Hälfte hinreichend unheimlicher als bei einem auf üblichen Weg erzählten „Der Exorzist“-Nachleger. Bis zur Mittelmarke hat Diederik Van Rooijen also alles richtig gemacht. Leider geht vieles davon in der zweiten Hälfte aber verloren, wenn der Dämon, der natürlich weiterhin in dem untoten Körper von Hannah Grace haust (dies ist kein Spoiler, dies ahnt man als Genre-Kenner schon sehr, sehr früh), so richtig loslegt, seine Kräfte entfesselt und den Kadaver laufen lässt. So ist dann “The Possession Of Hannah Grace” insgesamt betrachtet nur leidlich solides Mittelmaß mit einigen billig wirkenden Tricks geworden – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bildformat: 2,35:1. Mit Shay Mitchell, Grey Damon, Kirby Johnson, Nick Thune u. a.
Ab 13.6.2019 erhältlich auf Blu-ray, DVD und Video on Demand.
© Selbstverlag Frank Trebbin