Franks Bewertung

starstarstarstar / 2

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

11.12.2018
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Review

von Frank Trebbin

Die unscheinbare, zurückgezogen lebende Freya Becker arbeitet als Protokollantin im Berliner Morddezernat. Täglich muss sie die absonderlichsten Geständnisse und Berichte über grausame Taten abtippen. Dies und die Tatsache, dass vor elf Jahren ihre Tochter Marie unter merkwürdigen Umständen verschwunden ist, führen dazu, dass Freya ihren ganz eigenen Racheplänen nachgeht: sie „räumt“ quasi unter denjenigen auf, von denen sie glaubt, von der Justiz falsch behandelt worden zu sein. Die Situation spitzt sich gefährlich zu, als ein neuer Chef, Hauptkommissar Henry Silowski, seinen Dienst antritt und einer jener Verdächtigen, die für Maries Verschwinden verantwortlich zu sein scheinen, aus der Haft entlassen wird…

Was bitteschön ist eine High End Crime Serie (Werbezeile zu „Die Protokollantin) und wer befindet darüber? Bedeutet High End die Art der Ausstattung, das Maß an Action, an Psychologie oder gar an bloßer vordergründiger Spannung? Spätestens seit „Babylon Berlin“ sind auch deutsche TV-Serien international beachtet und Binge-Watching-fähig und so möchte ebenso ein öffentlich-rechtlicher Sender wie das ZDF ein Stück vom Kuchen abhaben – deshalb also der nicht ganz uneigennützige Hinweis darauf, dass „Die Protokollantin“ eine High End Crime Serie sei. Nun ja, mit dem prominent besetzten Fünf-Teiler erlebt man zwar keine ausstattungswütige, nach Hollywood schielende Reise in alte Zeiten oder gar ein fiebriges Eintauchen in die Neuköllner Clan-Szene wie in „4 Blocks“ aber glücklicherweise trotz des Selbstjustiz-Stoffes eben auch kein reines Kopieren niederer „Death Wish“-Motive mit hübscher Cliffhanger-Dramatik am Ende jeder Folge. Nein, gediegen-gehobene Krimi-Unterhaltung ist der ruhig, weil ohne Hektik und aufgesetzten Firlefanz gefilmte „Die Protokollantin“ schon, zumal Iris Berben, Peter Kurth und Moritz Bleibtreu sehr gut spielen, eine ungeheure Präsenz entwickeln und der ausgefeilten Charakterisierung ihrer Rollen eine greifbare Tiefe verleihen (was bei einem Eindampfen auf einem 90-Minuten-Format nicht funktioniert hätte). Und so sind es auch die zutiefst menschlich dargestellten Figuren, die die Sogwirkung von „Die Protokollantin“ entstehen lassen, denn die Geschichte selbst ist eigentlich bieder bis konventionell und so mancher kleine Kniff gar zu klischeebehaftet. So ist bei dem sich augenfällig nicht an heutige Sehgewohnheiten anbiedernden „Die Protokollantin“ zwar schnell ein Nebeneinander von (viel) Licht und (wenig) Schatten auszumachen, doch insgesamt überzeugt hier der Mut zur melancholisch vorgetragenen Tragödie im Krimi-Gewand. Sehenswert für alle, die die Edward-Hopper-Ästhetik in „The Equalizer“ mochten, denn auch der Drehort Berlin wird in „Die Protokollantin“ mal ganz anders genutzt. Bildformat: 1,78:1.

Ab 06. Dezember 2018 auf DVD und als Video on Demand

© Selbstverlag Frank Trebbin

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