Stockholm. Die sich unkonventionell gebende Hackerin Lisbeth Salander erhält von Frans Balder, der der NSA ein teuflisches Allmacht-Programm geschrieben hat, den Auftrag, seine Arbeit einfach mal wieder zu klauen. Klar, dass dieser Hack nicht so verläuft wie Lisbeth erst gedacht hat und nun die NSA hinter ihr her ist. Als Balder auch noch ermordet wird und Lisbeth mit dessen Sohn August fliehen muss, erkennt die Hackerin, dass der Junge der Schlüssel zu dem Programm ist, welches mittlerweile in den Händen einer ominösen Verbrecherorganisation gelandet ist, an deren Spitze jemand aus Lisbeths Vergangenheit steht…
Den filmischen Tonfall David Finchers zu treffen, dürfte wohl gar nicht so leicht sein. Darum versucht Fede Alvarez („Evil Dead“, 2013) bei dieser nach „Verblendung“ (2011) zweiten US-Adaption eines Lisbeth-Salanders-Stoffes erst überhaupt nicht, an die unterkühlte visuelle Genialität des Vorgängers anzuknüpfen. Nein, „Verschwörung“ geht andere Wege, um zu unterhalten und definiert sich weniger über einen psychologischen Spannungsaufbau sondern über eine Story, die auch locker im Universum eines James Bond oder Ethan Hunt spielen könnte. Klar, dass dabei mehr hanebüchene Details und Zufälle eine Rolle spielen – was allerdings auch an der erst nach Larssons Tod zum Nachklapp der „Millenium“-Trilogie erhobenen literarischen Vorlage aus der Feder von David Lagercrantz liegen mag (die mir bislang unbekannt ist). Und, ja, „Verschwörung“ ist dadurch weit, weit actionlastiger als „Verblendung“ geworden, was die einst smarte Hackerin zu einer toughen Kämpferin mit Hang zu schnellen Autos etc. mutieren lässt. Darüber darf man dann ruhig geteilter Meinung sein, ob diese Entwicklung der Figur gut bekommt. Weiterhin uneingeschränkt überzeugend ist aber der Umstand, dass man den Stoff nicht vollständig amerikanisiert hat sondern man sich weiterhin der Frische schneeverwehter skandinavischer Drehorte hingibt. Fazit: ein durchschnittliches Action-Spektakel, durchsetzt mit den teils recht bizarren Motiven aus Lisbeth Salanders Welt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bildformat: 2,39: 1. Mit Claire Foy, Sverrir Gudnason, LaKeith Stanfield, Sylvia Hoeks u. a.
Bereits erhältlich (Sony Pictures Home Entertainment)
© Selbstverlag Frank Trebbin