Franks Bewertung

starstarstarstar / 3

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

01.10.2019
411 Mal gelesen

Review

von Frank Trebbin

Berlin, 2001. Scheinbar ohne Grund richtet der 70jährige Italiener Fabrizio Collini den angesehenen Großindustriellen Hans Meyer in einem Hotelzimmer mit drei Schüssen hin und lässt sich danach ohne Widerstand festnehmen. Obwohl Collini hartnäckig schweigt, scheint der Fall sonnenklar zu sein. Ihm zur Seite gestellt wird Pflichtverteidiger Caspar Leinen, der erst seit drei Monaten seine Zulassung als Anwalt hat. Pikant an dieser Personalie ist, dass Caspar durch seine Jugendliebe Johanna, der Enkeltochter des Ermordeten, quasi im Hause Meyer ein und aus ging und das Opfer sehr gut kannte. Als Caspar herausfindet, dass Collini durch sein Schweigen eine schwere Tat Meyers aus längst vergangener Zeit verbergen möchte, ist der junge Anwalt hin und her gerissen…

Sieh an, sieh an. In Elyas M’Barek steckt ja ein ernstzunehmender Schauspieler, den man zukünftig gerne mal wieder in Rollen jenseits des „Fack ju Göhte“-Fachs sehen möchte. In „Der Fall Collini“ tritt er quasi in die Fußstapfen von Tom Cruise, der ja auch sein Rollenrepertoire mittels eines Anwalts („Im Namen der Ehre“) erheblich erweitern durfte, und überzeugt auf ganzer Linie mit einem nuancierten Spiel. Der nach den Mustern klassisch gestrickter Gerichtsdramen geskriptete und inszenierte „Der Fall Collini“ beweist einmal mehr, dass auch hierzulande Unterhaltungskino mit Anspruch möglich ist. Durch und durch kompetent gefilmt und teilweise mit richtig schönen Kinobildern, arbeitet sich Regisseur Marco Kreuzpaintner mit „Der Fall Collini“ an einem auch heute noch durchaus heiklen Thema ab: der Sühne von Kriegsverbrechen und wie sich die Bundesrepublik jahrelang schwer damit tat (während vordergründig Collinis Fall fiktiv ist, beruht die justiziable „Pointe“ – man verzeihe mir in diesem Zusammenhang dieses Wort – auf ernüchternd-erschreckender Realität). Basierend auf einem Buch von Ferdinand von Schirach wird daraus ein durchaus zu Hollywood konkurrenzfähiges Stück Spannungskino für die große Leinwand – große Gefühle, Fragen nach Recht und Moral natürlich inklusive. Was man dem Film jedoch ankreiden könnte, sind ein, zwei Längen und der Umstand, dass manches einfach zu konstruiert daherkommt, um vorgenannte Fragen auf den Punkt zu bringen. Dennoch: uneingeschränkt sehenswert. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Franco Nero, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach, Manfred Zapatka u. a.

Ab 02. Oktober 2019 auf DVD, Blu-ray und als Video on Demand

© Selbstverlag Frank Trebbin

Details
Ähnliche Filme