Im Oktober 1937 stehen die japanischen Streitkräfte, die das chinesische Festland im Norden überfallen haben, mitten in der großen Metropole Shanghai, die auch ein unter britischer Verwaltung stehendes Handelsviertel hat, welches jenseits des Flusses Suzhou liegt. Die 88. Division, die neben Soldaten überwiegend aus Bauern, Ex-Deserteuren und Kriminellen besteht, soll das große Sihang-Lagerhaus als letztes Bollwerk an der großen Brücke über den Fluss mindestens drei Tage lang halten, damit die internationale Gemeinschaft mehr oder weniger zum Eingreifen gezwungen wird...
Nach einem eher etwas holprig empfundenen Einstieg entpuppt sich „The 800“ als ein mit immensem Aufwand realisierter Erbauungsfilm über die Heldentaten einer (nun, ja, vielleicht mehr als nur) Handvoll Chinesen, die sich gegen die Übermacht der (bis heute verhassten und dementsprechend auch hier einseitig dargestellten) japanischen Invasoren mit Heimatliebe, Härte und hohem Blutzoll zu erwehren wussten. Ganz nebenbei, weil es eben chinesische Kräfte waren, die auch die internationale Zone Shanghais zu schützen gedenkten, empfiehlt sich die heutige Weltmacht China als eine Art Weltpolizist, auf die man sich angesichts des unter Trump verkündeten Rückzugs in dieser Sache verlassen könne. Ein einfältiger Pinsel, wer da nicht denkt, dass hinter heute in der Volksrepublik produzierten Unterhaltungsfilmen nicht auch mal bloße Propaganda stecken könnte (vgl. dazu auch einschlägige Artikel über die politisch motivierten Nachbearbeitungen des Films). Was allerdings „The 800“ über die pathosgeschwängerte Beliebigkeit eines üblichen heimatliebenden Kriegs-Actionfilms hebt, ist die Szenerie im quasi geteilten Shanghai selbst: auf der einen Seite das mit prallem Leben gefüllte, neonbeleuchtete internationale und Konzession genannte Viertel, wo man gerne mal parlierend am befestigten Flussufer steht und einen ach-wie-entsetzten Blick hinüber auf die Kampfhandlungen wirft, und auf der anderen Seite gänzlich zerstörte Straßenzüge, wo man wie in Stalingrad in Dreck, Schutt und Leichenbergen versinkt. Diese sorgsam inszenierten, absurd gegensätzlichen Bilder hallen lange nach und lassen über weite Strecken vergessen, dass es angesichts der vielen etablierten Figuren und der ständig wechselnden Scharmützel-Fronten eher schwierig ist, ein gewisses Maß an Übersicht zu wahren. Rein handwerklich betrachtet ist „The 800“ also schon sehr beeindruckend und auch das blutige Kriegshandwerk wird – wer es mag – detailreich und entsprechend hart intoniert. Ganz nachvollziehen kann man die komplette, zum Teilen verzwickte Handlung des monumental auftrumpfenden „The 800“ allerdings nur dann, wenn einem diese Episode des japanisch-chinesischen Krieges geläufig ist – was für ein hiesiges Publikum wohl kaum gelten dürfte. Bildformat: 2,35:1. Mit Zhi-zhong Huang, Hao Ou, Wu Jiang, Yi Zhang u. a.
Seit 11.02.2021 digital erhältlich.
© Selbstverlag Frank Trebbin