Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

12.07.2020
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Review

von Frank Trebbin

England. Früher einmal musste sich Michael Pearson als amerikanischer Oxford-Student die Finger dreckig machen, um im brutalen Drogengeschäft zu bestehen. Heute ist er ganz Gentleman und lässt quasi die Oberen Zehntausend für sich arbeiten, um die britische Insel mit seinem erstklassigen Cannabis zu überschwemmen. Und weil Michael sich nun zur Ruhe setzen und sein florierendes Gewerbe an den exzentrischen Milliardär Berger verkaufen möchte, ruft dies viele Neider auf den Plan und löst einen kuriosen Krieg aus, bei dem es weniger darum geht, mit Waffengewalt zu obsiegen sondern den selbsternannten „König des Dschungels“ fintenreich zu beerben...

Guy Ritchie kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Die Unterwelt Londons mit ihren skurrilen Typen, abgefahrene Story-Twists, heftige Cockney-Schimpf-Kanonaden (leider nur in der OF, weil wenig stilgerecht eingedeutscht) und immer einen scheelen Blick auf britische Schrulligkeiten. Ja, das ist „The Gentlemen“, Guy Ritchies Wiederbelebung seiner eigenen schwarzhumorigen Kleingangster-Komödien, die ihn als Straßenköter quasi erst für Hollywood hoffähig gemacht haben. Und, ja, „The Gentlemen“ funktioniert auch (fast) genau so, als wenn Ritchie nie dort gewesen wäre und sein erzählerisches Talent in solchen Big-Budget-Auftragsarbeiten wie Disneys „Aladdin“ verschwendet hätte. Mit Hilfe einer Rahmenhandlung, die so ganz nebenbei das Filmgeschäft an sich und die gute alte Zeit der körnigen 35mm-Filme in Tarantinoeskem Meta-Stil „erklärt“ und zeigen soll, dass Ritchie eben doch in Hollywood nichts verlernt sondern eher gut aufgepasst hat, lässt er mal wieder eine überlebensgroße, aber zwischen Vorstadt-Ghettos und verarmten Landadel ziemlich geerdet wirkende Story um Gangster, Gras und Moneten auf den Zuschauer los, die mit zunehmender Laufzeit ein illustres Figurengeflecht auffährt (Colin Farrell in einer Nebenrolle ist dabei derjenige, der vielen die Schau stiehlt) und inhaltlich immer mehr Haken schlägt. Das mag unaufmerksame Zuschauer überfordern, bietet aber genau jenen Spaß, den man von einem Guy-Ritchie-Film alten Zuschnitts erwartet. Hugh Grant überrascht dabei als schmieriger Privatdetektiv, dessen Figur stilistisch in den modebewussten Sixties angesiedelt ist. Sehenswert, weil „The Gentlemen“ eben auch zeigt, dass ein Krieg unter Gangstern auch subtil und ohne große Gewalt geführt werden kann. Bildformat: 2,39:1. Des weiteren mit Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Michelle Dockery, Eddie Marsan u. a.

Ab 10.07.2020 auf DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD Blu-ray erhältlich

© Selbstverlag Frank Trebbin

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