Franks Bewertung

starstarstarstar / 1

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

08.02.2021
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Review

von Frank Trebbin

Cincinatti 1998. Eher widerwillig und nur, weil er ein Bekannter seiner Großmutter aus dem ländlichen Parkersburg ist, nimmt sich der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Rob Bilott des Falles des Farmers Tennant an, dessen Vieh auf rätselhafte Weise verendet. Pikant wird die Angelegenheit, als Bilott schließlich auf einen unglaublichen Umweltskandal stößt, bei dem es um ein Werk der weltweit aufgestellten Firma DuPont geht, für den seine Kanzlei sogar selbst tätig ist. Über Jahre schon leitete DuPont einen PFOA-C8 genannten, zur Herstellung von Teflon dienenden Stoff in das Trinkwasser von Parkersburg, der zu ernsthaften Schäden an Mensch und Tier führt. Was folgt, ist ein jahrelanger, nervenzehrender Gang durch die Instanzen der Justiz...

David-gegen-Goliath-Stoffe sind schon seit jeher fester Bestandteil des Outputs der Hollywoodschen Traumfabrik – sei es nun in frühen Jahren im Gewand des Sandalenfilms (also tatsächlich mit den namensgebenden Protagonisten), als klassischer Western, bei dem mittags um Zwölf die Colts rauchten, oder in den 1970er-Jahren zunehmend innerhalb des Genres der Politthriller, wo sich Agenten wie Condor gegen Paranoia und Staat stemmen mussten. Heute bzw. spätestens seit Steven Soderberghs „Erin Brokovich“ geht es eher um Ökologie, Umweltsünden und Gesundheitsschutz. Doch immer noch ist es David, der weiter gegen Goliath antritt. „Vergiftete Wahrheit“ ist der neueste Vertreter dieser Gattung und schildert den tatsächlich so stattgefundenen, bis heute andauernden Kampf des Saulus-wird-zum-Paulus-Anwalts Bilott gegen den übermächtig erscheinenden DuPont-Konzern, für den er nämlich erst selbst arbeitete. Und wenn dann zur Halbzeit des leicht überlangen Films dieser seiner Frau erklärt, was überhaupt der eigentliche Skandal ist und wo man überall Produkte mit Kohlenwasserstoff-Ketten findet, dann lässt das keinen mehr kalt und das große Nachdenken setzt ein. Das ist der wirklich große Moment in einem eher auffallend biederen und durch und durch seriös-aufklärerischen Film. Ungeachtet also des Umstandes, dass „Vergiftete Wahrheit“ bei weitem nicht so glamourös und locker wie Soderberghs Julia-Roberts-Vehikel daherkommt und auch nur mäßig spannend, weil eben kaum überspitzt dramatisiert ist (die wenigen kurzen Thrill-Momente wirken eh irgendwie unpassend und aufgesetzt), darf man sich trotzdem an einem sehr wichtigen Film erfreuen, der das dreckige Geschäft des Chemie-Riesen ins Rampenlicht rückt und der ein eher leises, weil nachdenklich-bitteres Ende anbietet. Bildformat: 2,40:1. Mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Pullman u. a.

Ab 12.02.2021 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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