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Gamera gegen Barugon aus dem Jahr 1966, inszeniert von Shigeo Tanaka, ist ein durchaus spannender Sonderfall innerhalb der frühen Kaiju-Welle und hebt sich merklich von den übrigen Gamera-Filmen ab. Entstanden bei Daiei/Kadokawa als klare Antwort auf Tohos Godzilla, war die Gamera-Reihe grundsätzlich kindgerechter angelegt – mit jungen Hauptfiguren, einfachen moralischen Botschaften und einer insgesamt verspielteren Tonlage. Doch genau hier bildet dieser zweite Teil die große Ausnahme: Der Film ist deutlich ernster, erwachsener und stellenweise sogar überraschend düster.

Der Film selbst handelt von einer Gruppe skrupelloser Abenteurer, die in einer abgelegenen Region einen wertvollen, mysteriösen Opal stehlen. Was sie nicht ahnen: Der Edelstein ist eng mit dem schlafenden Monster Barugon verbunden – einem riesenhaften, drachenähnlichen Kaiju mit eiskalten Fähigkeiten und einer regenbogenartigen Energiewaffe. Durch den Raub wird Barugon erweckt und beginnt einen zerstörerischen Marsch, der ganze Landstriche verwüstet.

Parallel dazu tritt Gamera, die gigantische feuerspeiende Schildkröte, auf den Plan. Anders als in späteren Filmen ist Gamera hier noch kein eindeutiger Freund der Menschheit, sondern eher eine archaische Naturgewalt, die Barugon Einhalt gebieten soll. Der unvermeidliche Kampf der beiden Riesenviecher bildet den Höhepunkt des Films und sorgt für das, was Kaiju-Fans sehen wollen: Miniaturstädte, Explosionen und brachiale Zerstörung.

Geboten bekommt man den üblichen Monsterspaß: Zwei Riesenviecher – eine Schildkröte und ein Drache – zerstören alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Die Effekte sind dabei zwar deutlich unter Toho-Niveau angesiedelt, besonders im direkten Vergleich zu zeitgleichen Godzilla-Filmen, doch sie erfüllen ihren Zweck. Der Zerstörungsspaß funktioniert, auch wenn man die Gummianzüge und Miniaturen klar als solche erkennt. Gerade dieser leicht rohe Charme macht für Genre-Fans einen Teil der Faszination aus.

Interessant ist auch die ungewöhnlich verworrene deutsche Veröffentlichungsgeschichte. In den 1970er-Jahren erschien der Film hierzulande unter dem Titel GODZILLA – DER DRACHE AUS DEM DSCHUNGEL, wobei man versuchte, ihn dreist in die Godzilla-Reihe einzugliedern. Um die Verwirrung perfekt zu machen, wurde Gamera kurzerhand zu Barugon erklärt und Barugon zu Godzilla – Gamera selbst wurde schlicht unterschlagen. Spätere Wiederveröffentlichungen machten es nicht besser: Panik – Dinosaurier bedrohen die Welt, Dragonwars – Krieg der Monster mit typischem Godzilla-Cover – erst Cult Movie Entertainment stellte mit der Nutzung des Originaltitels (plus Frankenstein-Zusatz) wieder so etwas wie Ordnung her. Auch wenn Gamera gegen Barugon – Frankensteins Drache aus dem Dschungel zugegeben ziemlich gut klingt.

Gamera gegen Barugon ist ein solider, wenn auch nicht herausragender Kaiju-Film. Die ernstere Ausrichtung, das Fehlen nerviger Kinderdarsteller und die etwas härtere Grundstimmung tun der Reihe gut. Gleichzeitig bremsen die eher schwachen Effekte und die stellenweise zähe Menschenhandlung den Film aus. Für Fans japanischer Monsterfilme ist er dennoch absolut sehenswert – vor allem als frühes, ungewöhnlich ernstes Kapitel der Gamera-Reihe.

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