Review

Oh, ich muss es gleich vorweg sagen - "Befehl aus dem Dunkel" ist einer meiner absoluten Lieblings-Godzillas. Wenn ich diesen Film sehe, dann bin ich wieder irgendwas zwischen 7 und 10 Jahre alt. Ich gehe noch zur Grundschule, werde jeden Tag nach dem Unterricht von meiner Oma abgeholt, bei der es dann erst Mittag gibt, anschließend darf ich in ihrem Kinderzimmer etwas in meinen Comicheften (bevorzugt Spuk- oder Gespenstergeschichten) oder in Jerry Cotton oder John Sinclair Romanen schmökern. Und pünktlich zum Cafe holt der Opa dann eine seiner vielen Videokassetten aus dem Schrank und wir gucken einen Film, bis meine Mutter von der Arbeit und mich abholen kommt. Mal war es ein James Bond, oft ein Louis de Funès. Mal eine Folge Ekel Alfred oder einer von Pepes tollen Streichen. Oft war es aber auch ein Godzilla Film, und nebst einer Handvoll anderen war eben genau "Befehl aus dem Dunkel" einer dieser die da wieder und wieder über die Mattscheibe flimmerte und mein junges Gemüt in Verzückung versetzten. Ein Bund fürs Leben war geschmiedet.

Dabei spielen Godzilla und Co. In diesem Weltraumabenteuer eigentlich schon fast so etwas wie eine Nebenrolle. Zwar dürfen sie öfters mal auftreten und sich ein bisschen rumbalgen, aber diese Szenen sind doch immer nur recht kurz und der Schwerpunkt des Films liegt ganz eindeutig bei den menschlichen Akteuren und ihrem Kampf gegen die bösen Alien-Invasoren.
Selbige Geschichte ist dabei mal wieder der schönste Humbug und schert sich gewohnt wenig um störende Nebensächlichkeiten wie Logik und ähnlich überflüssiges.
Das beginnt bei solch fundamentalen Fragen wie warum die völlig überlegenen Alphamenschen sich überhaupt erst die Mühe machen um die Hilfe der Menschen zu bitten, statt sich gleich Godzilla und Radon einfach zu holen und anschließend die Erde zu besetzen. Oder warum beseitigen sie Tetsuo nicht einfach und zerstören seinen Taschenschreck, statt eine riesen Scharade aufzuziehen um ihm das Ding abzukaufen?
Natürlich werden auch alle Gefangenen unnötiger Weise am Leben gelassen, damit sie später schön fliehen können, usw., usw., wollte man jetzt alles aufzählen bräuchte man noch ein paar Seiten.
Das die Story trotzdem irgendwie funktioniert und den Film sogar über weite Strecken und brauchbare Monsteraction trägt liegt wohl vor allem daran das sie ordentlich Tempo macht und Schlag auf Schlag irgendwelche wichtigen Sachen passieren. Außerdem haben die Alphamenschen, trotzt seltsamer Anzüge und Fingerzeichen, mit ihren coolen Brillen und lustigen UFOs irgendwie einfach etwas. Ich weiß nicht ob hier die Nostalgie mein Hirn vernebelt, aber man ich mag sie einfach. Mit ihrer arroganten Überheblichkeit und ihrem überlegen kühlem Maschinenintellekt.
Natürlich ist genau der am Ende ihre größte Schwäche, also mal abgesehen davon das sie außerdem gegen Krach allergisch sind. Da haben sie sich mit der Erde aber auch total den falschen Planeten ausgesucht.

Nun, die meisten wollen bei Godzilla aber vermutlich eher wenig Metallic-Aliens und stattdessen mehr Monsterkeile sehen. Wie schon gesagt hat "Befehl aus dem Dunkel" davon nicht so viel zu bieten. Es gibt eine kurze Sequenz in der Ghidorah auf der kahlen Planetenoberfläche etwas Staub aufwirbeln darf. Dann ist erst mal ne weile Pause, bis Godzilla und Radon abgeschleppt werden und sich mit Ghidorah ein kurzes Scharmützel inklusive Steine werfen liefern dürfen. Das ist aber auch schnell vorbei und wir bekommen eine paar drollige Freudenhopser von Godzilla spendiert. (neben der berühmt-berüchtigten Flugszene aus "Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster" wohl eine der bizarrsten Godzilla Aktionen)
Schlussendlich werden die beiden zurück auf die Erde verfrachtet und dürfen ein bisschen Häuser platt trampeln und Brücken umreißen. Alles irgendwo in dünn besiedeltem Gebiet. Für Großstadt war nach all der Weltraum-Alien-Kulisse wohl kein Geld mehr übrig?
Dabei bekommen sie es natürlich auch mit dem Militär zu tun und schließlich mischt Ghidorah auch noch wieder mit. Diese Szenen sind ganz nett, aber auch nicht mehr.
Etwas mehr Stimmung kommt dann in die Bude, wenn die Menschen zum großen Gegenangriff blasen. Zur infernalischen Untermalung eines schmissigen Angriffs-Marsch gepaart mit dem Krach aus der Taschenschreck-Dose stoßen die neuen Strahlenkanonen vor und machen den Aliens den Gar aus. Das haut ordentlich rein.
Schlussendlich bleiben dann aber kaum noch fünf Minuten fürs große Monster-Brattle, das entsprechend dürftig ausfällt. Godzilla muss Ghidorah und Radon erst mal wach klopfen, bevor die drei ein bisschen rum plänkeln und mit ihren Strahlen rumfeuern um letztendlich verknäult ins Meer zu stürzen und Sang und Klanglos unterzugehen. Wieder raus kommt nur Ghidorah und verzieht sich auch gleich zurück ins All. Das war es.

Schwacher Abgang muss ich sagen und wahrscheinlich sollte die richtige Schlussfolgerung deshalb auch lauten schwacher Film. Aber ich habe es ja Eingangs schon erwähnt, bei "Befehl aus dem Dunkel" kann ich nicht realistisch bleiben. Zu sehr liebe ich diesen Godzilla und zu viele schöne Erinnerungen an glückliche Kindertage hängen daran. Ich wird diesen Film wohl noch in 50 Jahren anschauen können und immer noch meinen Spaß dabei haben und immer noch nicht merken wie blöd er eigentlich ist. "Befehl aus dem Dunkel", einer meiner Lieblings-Godzillas!

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