Review

ACHTUNG! SPOILER!

Um es gleich vorwegzunehmen: KAIJU DAISENO ist ein wunderschöner Film!

„A mysterious planet has been discovered beyond Jupiter, and earth has launched an exploratory spaceship." (US-Fassung) "196X: In der Milchstraße taucht der mysteriöse Stern X auf." (DF-Anolis) Mit dieser Schrifttafel (die in der alten, stark gekürzten deutschen Fassung fehlt und in der neuen Fassung von Anolis in japanischen Schriftzeichen belassen wurde) beginnt Kaiju Daisenso, der sechste Godzilla-Film. An Bord des besagten Raumschiffs, der P-1, befinden sich die Astronauten Glenn (Nick Adams) und Fuji (Akira Takarada), die unterwegs sind, um den fremden Himmelskörper zu erforschen, dem man den Namen „Planet X" (df: „Alpha 707") gegeben hat. Schon kurz nach ihrer Landung werden die beiden von den Bewohnern des Sterns entdeckt und vor den sogenannten „Controller" (df: „Nummer 1") (Yoshio Tsuchiya) gebracht. Von diesem erfahren sie, dass der Planet von einem riesigen Ungeheuer namens Monster Zero (auf der Erde bekannt als Ghidorah) terrorisiert wird. Um das Monster zu vernichten, wollen die Aliens die Erdenmonster Godzilla und Radon auf ihren Planeten bringen, damit diese Ghidorah im Kampf besiegen. Als Gegenleistung für die Hilfe der Erdbewohner, versprechen die Aliens den Menschen eine Formel zu überlassen, mit der sämtliche Krankheiten besiegt werden können. Obwohl den beiden Astronauten die ganze Sache nicht recht geheuer ist, fliegen sie zur Erde zurück und treffen mit den Vertretern der „Erdunion" alle Vorbereitungen für den Transport der Monster. Nachdem Godzilla im Myojin-See (df: Gelber See) und Radon im Washingasawa-Berg (df: Honigberg) lokalisiert worden sind, tauchen einige UFOs der Aliens vom Planeten X auf, und mit Hilfe von Magnetstrahlen befördern sie die beiden Ungeheuer auf ihren Planeten. Nach einem kurzen Kampf der Monster auf dem Planeten X scheint Ghidorah besiegt. Die Aliens übergeben daraufhin dem Wissenschaftler Dr. Sakurai (Jun Tazaki) ein Tonband, auf dem die Formel gespeichert sein soll. Auf der Erde aber erleben die Menschen eine böse Überraschung, denn nun zeigen die Aliens ihr wahres Gesicht. Sie fordern die Erdbevölkerung auf, sich zu ergeben und die Erde von nun an als Kolonie des Planeten X zu betrachten. Sie stellen der Menschheit ein Ultimatum von 24 Stunden, in denen diese sich zu ergeben hat. Als die „Erdunion" dieses Ultimatum verstreichen lässt, dirigieren die Aliens die unter ihrer Kontrolle stehenden Monster Godzilla, Radon und Ghidorah in Richtung Japan, wo diese mit ihrem zerstörerischen Treiben beginnen. Hilflos müssen die Menschen dem Wüten der drei Ungeheuer zusehen. Auch das Militär und die Wissenschaft erweisen sich als Machtlos, obwohl fieberhaft versucht wird, die Monster zu stoppen und die Aliens zu vernichten. Durch einen Zufall entdeckt man schließlich, dass die Aliens extrem lärmempfindlich sind. Da kommt den Wissenschaftlern die zuvor spöttisch als „Krawalldose" abgewertete Erfindung des jungen Tetsuo (Akira Kubo) gerade recht. Die Geräusche dieser Minialarmanlage gegen Handtaschendiebe werden auf Tonband aufgezeichnet und über riesige Lautsprecher und den Rundfunk im ganzen Land ausgestrahlt. Durch den unerträglichen Lärm verlieren die Aliens ihre Orientierung und schließlich auch die Kontrolle über ihre Flugmaschinen und die Monster. Eines nach dem anderen explodieren die Raumschiffe. Die Aliens sind besiegt. Die Monster hingegen, die nun wieder selbständig agieren, setzen ihren Kampf fort, bis Godzilla und Radon ins Meer stürzen und versinken. Ghidorah aber steigt auf und fliegt ins All zurück.

Dieser sechste Godzilla-Film ist eigentlich atypisch für die Filmserie, denn die Monsterkämpfe stehen nicht unbedingt im Mittelpunkt der Handlung. Das hat dem Film aber durchaus gut getan. Der Streifen ist eine bunt-naive, effektreiche Space- und Monster-Oper geworden, die mit viel Liebe zum Detail eine herrlich abstruse und versponnene Geschichte erzählt, von der man allerdings keine Logik erwarten sollte. Es handelt sich hier schlicht und ergreifend um ein modernes Märchen. Die Darsteller sind veritabel, und vor allem Nick Adams agiert mit einer frappanten Hemdsärmeligkeit. Bei jeder passenden oder auch nicht so passenden Gelegenheit reißt er sein Jackett auf, zieht seine Hose am Gürtel hoch, stemmt seine Arme in die Hüften und demonstriert den Aliens, oder wem auch immer, seine Entschlossenheit. Diese Angewohnheit kommt schon beinahe einem Runnig Gag gleich. Die Monsterkämpfe sind, wie schon angedeutet, kurz aber heftig und die Vermenschlichung der Monster wurde im Vergleich zum Vorgänger „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah" zum Glück stark zurückgenommen, einmal abgesehen von Godzillas Freudentanz („Godzilla-Jig") nach dem Sieg über Ghidorah. Der ganze Film wirkt deutlich weniger infantil. Die Aliens sehen in ihrer seltsamen Montur wunderbar schrill aus und der großartige YoshioTsuchiya als deren „Nr.1" (Zitat: „Die Zahl bezeichnet den Grad der Intelligenz.") verfügt über eine markante, geschmeidige Körpersprache, durch die seine Fremdartigkeit betont wird. Die Raumschiffe sehen aus wie aus Porzellan, alles ist schön bunt und die Zerstörungsorgien der Monster sind ziemlich aufwendig (allerdings wurden auch Zerstörungsszenen aus Radon (1956) verwendet). In dem ganzen Tumult findet der Film dann aber auch noch Zeit für eine tragisch endende Liebesgeschichte zwischen Nick Adams und Kumi Mizuno in der Rolle der „Madame Nishikawa" vom Planeten X. Kaiju Daisenso ist alles in allem wohl einer der aberwitzigsten, unterhaltsamsten und sehenswertesten Filme der Godzilla-Serie.

Die alte deutsche Fassung des Films, für die Trashfilmer Manfred R.Köhler verantwortlich zeichnete, wurde nicht nur um rund 15 Minuten gekürzt, sondern es wurden auch einige inhaltliche und formale Änderungen vorgenommen. Das fängt schon damit an, dass auf dem Originalplakat der „Constantin-Film" und auch im Vorspann des Films unter dem geheimnisvoll klingenden Titel Befehl aus dem Dunkel vermerkt ist, der Film sei entstanden „Frei nach Motiven von Hans Dominik"(!). Zwar hat der deutsche Science-Fiction Autor Hans Dominik im Jahre 1933 tatsächlich einen Roman mit dem Titel „Der Befehl aus dem Dunkeln" veröffentlicht, doch mit diesem Buch hat der Film nun wirklich nichts zu tun. Etwas rätselhaft, was sich der deutsche Verleih damals dabei gedacht hat. Bei der Übersetzung der japanischen Dialoge nahm sich der Autor zudem zahlreiche Freiheiten heraus (das trifft aber auch auf die US-Fassung zu) was zu diversen kleinen Unstimmigkeiten beim Vergleich mit der Originalfassung führt. Außerdem wurde auch noch die prächtige Vorspannmusik von Akira Ifukube gegen irgendwelches elektronisch erzeugtes Gezirpe ausgetauscht.
Der Film, der in Japan am 19.12.1965 uraufgeführt wurde, erlebte am 12.2.1967 seine deutsche Premiere. 2001 ist der Film in der lieblosen „CinePlus - Die Godzilla Monstercollection" in der alten deutschen Fassung auf DVD veröffentlicht worden. Die US-DVD von „Simitar" kam 1998 auf den Markt. Die neue, ungekürzte DF (mit der alten deutschen Synchronisation) kam 2015 bei „Anolis" heraus (Hardbox Series No.12). Die bisher in der deutschen Fassung fehlenden Szenen sind in japanischer Sprache mit deutschen Untertiteln in den Film eingefügt, der Vorspann wurde unverändert aus dem japanischen Original übernommen.

Aus der Werbung:

Das phantastische Zukunftsabenteuer!
Die ganze Menschheit im Banne eines fremden Planeten
Ein Farbfilm-Abenteuer aus der Zukunft der Erde
...Alpha-Raumschiffe greifen Erde an...Godzilla, Gidorra und Radon vernichten Städte...Nr.1, der Herrscher von Alpha 707, will die Erde vernichten...
Ein neuer Planet „Alpha 707" ist entdeckt! Schrecken und tödliche Gefahren aus dem All drohen der gesamten Menschheit.
...neuer Planet entdeckt..."Alpha 707"...Astronauten Glenn und Fuji zur Erkundung unterwegs im All...Alpha 707 bewohnt...Monster Gidorra bedroht Alpha 707...
Gefährliche Abenteuer im unvorstellbar riesigen Weltall. Der Erde droht schreckliche Vernichtung!

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