GODZILLA No. 09
FRANKENSTEIN UND DIE MONSTER AUS DEM ALL
Ishirô Honda, Japan 1968
(KAIJÛ SÔSHINGEKI)
Achtung – das folgende Review beinhaltet SPOILER!
Nachdem Godzilla 1967 Nachwuchs bekommen hatte (ob als Mutter oder als Vater, könnte weiter diskutiert werden – nehmen wir Letzteres an), verging wie inzwischen üblich wieder genau ein Jahr bis zu seinem nächsten, im Folgenden betrachteten und bislang neunten Leinwandauftritt. Für die Tōhō-Studios, die seit den späten Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts auch eine Reihe von Riesenmonsterfilmen ohne die Beteiligung ihres großen Stars produziert hatten (wie die Solo-Auftritte von Rodan, Varan und Mothra), war es jedoch insgesamt bereits der 20. Kaijū Eiga. Damit, so meinte man in der dortigen Führungsetage, sei eigentlich alles erzählt, was man im Genre respektive Subgenre erzählen kann, und so sollte Frankenstein und die Monster aus dem All (im Original Kaijȗ Sôshingeki, zu Deutsch etwa „Angriffsmarsch der Monster“) zum krönenden Abschluss der Kaijū-Eiga-Ära werden (heute wissen wir, dass er es ausgerechnet aufgrund seines Erfolgs nicht wurde). Und wie es sich für einen krönenden Abschluss gehört, wurde noch einmal so ziemlich jedes Ungeheuer eingeladen, das im Kaijū-Universum Rang und Namen hatte ...
Wir schreiben das Jahr 1999 – zur Entstehungszeit des Films war das noch die Zukunft, wenn auch nicht die allerfernste. Wie fern aber auch immer – es gibt jedenfalls bereits eine Forschungsstation auf dem Mond, die täglich (!!) angeflogen wird. Zum Beispiel von Captain Katsuo Yamabe, einem Draufgänger, der die Rakete „Moonlight SY-3“ steuert und gerade wieder einmal auf dem Mond eintrifft. Auf der Erde gibt es derweil ebenfalls eine wichtige Forschungsstation – sie wurde unterirdisch auf einer der Ogasawara-Inseln (auch wenn es in der deutschen Synchronisation schon mal „Osagawara“ heißt) eingerichtet, und zwar nicht auf irgendeiner, sondern auf der „Monsterinsel“. Hierhin hat man nämlich sämtliche Riesenmonster der Erde, von Godzilla bis zum Gorosaurus, verfrachtet und gewissermaßen in Sicherheitsverwahrung genommen. Vor Ausbrüchen schützen Giftgas und ein starkes Magnetfeld. Allerdings will gar keiner ausbrechen – die Monster fühlen sich offenkundig wohl in ihrer gemeinsamen Heimat.
Doch es naht Ärger: Eines Tages dringt gelber Nebel durch die Türen der Insel-Forschungsstation und die Mitarbeiter verlieren das Bewusstsein ... Kurz darauf treffen Katastrophenmeldungen aus aller Welt ein: Rodan greift Moskau an! Baragon (im Bild ist allerdings der Gorosaurus) bringt den Arc de Triomphe in Paris zum Einsturz! Manda zerstört London! Mothras Larve wütet in Peking! Und Godzilla persönlich lässt es sich nicht nehmen, New York zu attackieren. Von wegen sichere Verwahrung ...
In Japan nimmt man die Ereignisse mit Entsetzen zur Kenntnis und möchte gern einmal auf der Monsterinsel nach dem Rechten sehen – was liegt da näher, als Captain Katsuo Yamabe vorbeizuschicken, auch wenn der sich gerade auf dem Mond herumtreibt. Yamabe findet diese Idee indes nicht abwegig und macht sich mit seiner Crew umgehend vom Mond aus (!!) mit der Moonlight SY-3 auf den Weg zur Monsterinsel. Dort trifft er das Personal der Forschungsstation (darunter übrigens seine Freundin Kyoko) in einer Art hypnotisiertem Zustand an, und Stationsleiter Dr. Otani macht ihn mit einem sonderbaren Gast bekannt: Es ist eine schmucke junge Frau, die sich als Königin der Bewohner eines „Kilaak“ genannten Planeten vorstellt und das Recht der Ihren einfordert, auf der Erde leben und eine „wissenschaftliche Zivilisation“ errichten zu dürfen. Kilaak, so erklärt der offenbar fremdbestimmte Dr. Otani, gehöre zu den „Millionen von Planeten“, die sich zwischen Mars und Jupiter (!!) befänden. Als Demonstration ihrer Stärke und weil nun mal „Opfer gebracht werden“ müssen, wenn eine wissenschaftliche Zivilisation errichtet werden soll (!), haben die Kilaakianer (oder besser Kilaakianerinnen, denn es treten ausschließlich Frauen in Erscheinung) die irdischen Monster per Fernsteuerung in ihre Gewalt gebracht und auf diverse Großstädte losgelassen. Katsuo Yamabe ist allerdings nicht der Typ, der sich auf irgendwelche Verhandlungen mit Außerirdischen (und schon gar nicht mit Frauen ...) einlässt – er greift lieber zum bewährten Mittel der Gewalt und kann nach einer wilden Schießerei immerhin einige Mitarbeiter der Forschungsstation einsammeln und mit der Moonlight SY-3 nach Tokio bringen. Während einer dort stattfindenden Befragung stürzt sich Dr. Otani allerdings unvermittelt aus dem Fenster und in den Tod. Bei der Obduktion seiner Leiche findet man einen kleinen hinter dem Ohr eingepflanzten Sender beziehungsweise Empfänger – und weiß nun, wie die „Fernsteuerung“ bei den Menschen (und vermutlich auch bei den Monstern) funktioniert. Kyoko trägt diesen Empfänger allerdings in ihren Ohrringen, die ihr Freund Katsuo daher brutal (und mit blutigen Folgen!) herausreißt. Indessen wird es höchste Zeit, dass auch Tokio einmal angegriffen wird, und so bekommt die japanische Metropole unangenehmen Besuch von Godzilla, Rodan, Manda und der Mothra-Larve. Und als würden allein sie nicht schon genug Schaden anrichten, ballert das Militär auch noch aus allen Rohren auf die vier in der Innenstadt wütenden Monster – weshalb sich am Ende eigentlich niemand darüber wundern muss, dass Tokio nahezu vollkommen zerstört ist. Die Ungeheuer sind selbstredend nicht zerstört – sie machen sich nach getaner Arbeit auf den Weg nach Izu, wo eine Art Zentrale der Kilaakianerinnen angelegt sein soll. In der Gegend von Izu werden Godzilla und sein Begleitpersonal nochmals vom Militär angegriffen, aber erwartungsgemäß erneut ohne Erfolg (was nicht wunder nimmt, wenn manche Panzer regelrecht gezielt unter Godzillas Füße rollen ...). Captain Katsuo Yamabe steckt mit der Moonlight SY-3 mitten im Kampgetümmel, wird aber zurückgeschlagen und nimmt daher wieder einmal Kurs auf den Mond, um sich dort nützlich zu machen. Das kann er auch: Er findet in einem geheimen Höhlensystem den Hauptsender der Kilaakianerinnen und zerstört ihn. Nunmehr stehen Godzilla und seine Kumpels wieder unter irdischer Kontrolle beziehungsweise schlagen sich ganz von selbst auf die Seite der Menschen.
Die finden unterdessen heraus, dass die Kilaakianerinnen irgendwo unterhalb des Fujiyamas ihr irdisches Hauptquartier haben, weil dort Temperaturen von 100.000 (!!) Grad herrschen und ihnen das gut tut (war es dort, wo sie sich bisher überall aufhielten, auch so warm ...?) – auf Kälte hingegen reagieren sie, so weiß man nun, allergisch und sehr merkwürdig: Sie verwandeln sich bei solcher nämlich in kleine Würmer, kriechen unter knapp fußballgroße Stein- oder Metallklumpen und verschmelzen offenbar mit diesen. Es handelt sich bei ihnen also gewissermaßen um lebendiges Metall, das nur der besseren Kommunikation halber die Gestalt hübscher irdischer Frauen annimmt. Oder so ähnlich beziehungsweise eventuell so ähnlich – es stelle in dieser Sache um Himmels willen niemand Fragen ...
Das irdische Militär macht sich angesichts der neuen Erkenntnisse sogleich an die Vorbereitung eines Angriffs mit „Untertemperatur“, aber noch besser scheint schließlich eine Offensive unserer vereinigten Monsterbande zu sein – und so marschieren sie denn begleitet von einem gewaltigen Medienrummel auf, um den anmaßenden Aliens deren Grenzen zu zeigen: Godzilla, Rodan (gut, der marschiert nicht, sondern fliegt herbei), Baragon, Manda, die Mothra-Raupe, Angilas, der natürlich keinesfalls fehlen darf, der Gorosaurus, Varan (der auch nicht marschiert und nicht einmal fliegt – er sinkt nur steif vom Himmel), der eher nutzlose Minilla und, sehr viel besser, sogar Spiega! Da kann doch eigentlich nichts schief gehen ... doch die Kilaakianerinnen, die sich nun als armselige Befehlsempfänger eines Oberbösewichts namens Frankenstein outen (meine Nerven – was für ein Quatsch!), haben dank seiner Unterstützung noch eine Trumpfkarte im Ärmel: King Ghidorah! Der güldene Dreikopf saust auch schon vom Himmel und fällt über unsere irdische Monsterheldentruppe her, aber da hat er sich doch grob fahrlässig überschätzt – es dauert nicht allzu lange, bis ihn Godzilla und sein Gefolge blutig niedergemacht haben. Ende gut, alles gut? Leider nicht: Die Kilaakianerinnen hören nicht auf zu nerven und schicken noch ein „brennendes Ungeheuer“ beziehungsweise einen „Feuerdrachen“ ins Rennen, der allerlei Schäden anrichtet, sich zu guter Letzt aber als läppisches UFO entpuppt und in die Luft gejagt werden kann. Jetzt Ende gut, alles gut ...? Jawohl.
Frankenstein und die Monster aus dem All (in Deutschland wollte man wieder einmal nicht auf den publikumswirksamen Namen der Shelley’schen Horror-Ikone verzichten und hat wie erwähnt mithilfe der Synchronisation sogar einen vollkommen blödsinnigen Handlungsbezug zu einer fiktiven Frankenstein-Figur hergestellt), Frankenstein und die Monster aus dem All also war bisher mein Lieblings-Godzilla-Streifen ... was so klingt, als wäre er es nun nicht mehr. Schwer zu sagen. Natürlich ist Ishirô Hondas Tōhō-Jubiläums-Monstersause unbestritten ein Fest für jeden Kaijū-Eiga-Freund, aber in meiner Wahrnehmung hat der Streifen doch ein paar Federn lassen müssen. Das liegt in erster Linie daran, kommen wir gleich zum Punkt, dass hier zwar zahlreiche (obgleich bei Weitem nicht alle bisherigen) Monster aus dem Tōhō-Universum auflaufen, aber ihre Screentime insgesamt doch kaum größer ist als üblich – wenn überhaupt (es gab im Rahmen der Godzilla-Reihe schon bessere Monster-Mensch-Koeffizienten als hier). Das heißt, dass nun für jedes einzelne Monster schlichtweg weniger Zeit zur Verfügung steht, was sich in einigen Extremfällen widerspiegelt und mit Blick auf Varan sogar als Etikettenschwindel gewertet werden muss: Der nämlich wird hier wirklich nur ganz kurz als kleine Gummipuppe (ein Kostüm gab es also gar nicht) vom Miniaturlandschaftshimmel herabgelassen. Auch von Baragon ist wenig zu sehen (sein Kostüm war schon so mitgenommen, dass er beim Angriff auf Paris vom Gorosaurus vertreten werden musste, der nun wirklich nicht unterirdisch aktiv sein sollte ...), und Spiega sowie Manda machen sich gleichfalls rar – schön allerdings, dass sie überhaupt vorbeischauen (Manda hat immerhin eine ikonische Szene). Im Gegenzug, sonst würde die Rechnung nicht aufgehen, haben die menschlichen (und gelegentlich kilaakianischen) Mitwirkenden viel Zeit für ihr Treiben, das freilich davon nicht besser wird. Was Frankenstein und die Monster aus dem All inhaltlich anbietet, ist selbstredend vollendeter Schwachsinn – das beginnt schon beim ständigen Hin-und-Her-Gefliege mit der Moonlight-SY-3-Rakete (in der Katsuo und seine gelb gekleideten Leute immer wie in einem Bus sitzen) und wird mit der Zeit immer absurder (ich sage nur 100.000 Grad Celsius) – mit einer Selbstverständlichkeit, die sogar im Kontext eines alten Gummimonsterheulers mehr als einmal für Erstaunen sorgt. Nun hat natürlich kein Mensch erwartet, dass die hier geschilderten Ereignisse auch nur halbwegs durchdacht sind, aber ein gewisses Interesse hätten sie beim Betrachter doch gern auslösen dürfen. Das aber ist hier so wenig der Fall wie in kaum einem anderen der vorangegangenen Godzilla-Streifen. Als menschlicher Protagonist muss Captain Katsuo Yamabe herhalten, und der mag zwar ein Draufgänger sein („Auf geht’s – entweder wir verrecken oder kriegen einen Orden!“), ist aber noch mehr eine Großklappe („Die im Leitstand sollen bloß die Schnauze halten!“) und eben ein Unsympath, der seiner Freundin die Ohren zerreißt. Die Figur Kyokos bleibt unterentwickelt und die Wissenschaftler mit ihrem wichtigsten Vertreter Dr. Yoshido unterhalten sich emotionslos über Sachen, die ohnehin schon bekannt sind. Die Kilaakianerinnen haben hingegen überhaupt kein Profil – nicht die Bohne. Ihre „Königin“ faselt quasi im Alleingang etwas von einer „wissenschaftlichen Zivilisation“ oder einem mysteriösen Frankenstein im Hintergrund, aber was oder wie ... ach, Schwamm drüber. Fest steht, dass dieser ganze Kram (der übrigens nicht wie gewohnt von Shin‘ichi Sekizawa, sondern von Ishirô Honda persönlich und Takeshi Kimura ersonnen wurde) ein gutes Stück weit am Betrachter vorbeirauscht und somit doch ein paar Längen entstehen. Ich will dabei noch nicht von langer Weile reden, aber feststellen, dass einem die monsterfreien Passagen in Frankenstein und die Monster aus dem All reichlich schnuppe sind. Dafür gefällt die Monsteraction, so sie denn da ist, umso mehr. Erfreulich ist hierbei, dass die entsprechenden Szenen auch wirklich für diesen Film gedreht wurden und nicht versucht wird, dem Publikum Stock Footage aus älteren Produktionen der Reihe unterzujubeln. Als Ausnahme ist auf den ersten Blick nur die aus Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah entlehnte Ankunft von King Ghidorah zu erkennen, aber das ist kein Problem. Die einleitenden Auftritte der Monster in den Hauptstädten sind leider sehr kurz geraten (jeweils ein paar Sekunden, das ist eigentlich enttäuschend), doch im Mittelteil, wenn Godzilla, Rodan, Manda, die Mothra-Larve und dummerweise auch das japanische Spielzeug-Militär Tokio zerlegen, wird es schon etwas ausführlicher, und im Finale gibt es dann die große Monsterklopperei, die man sich hier von vornherein versprechen durfte. Sie findet zwar leider wieder einmal nur in der freien Natur statt, ist aber stark ins Bild gesetzt worden und darüber hinaus verblüffend hart: Ghidorah beginnt irgendwann aus einem seiner Hälse zu bluten und wird am Ende von den anderen wirklich aufs Übelste niedergemacht und getötet. Bislang, sprich in Vorgänger-Filmen mit seiner Mitwirkung, konnte er sich immer wieder ins Weltall zurückziehen, wenn’s nicht so gut lief (und es lief eigentlich nie so richtig gut) – hier jedoch ist Schluss mit lustig. Ohnehin ist Frankenstein und die Monster aus dem All vergleichsweise ernst geraten (gerade wenn der Vergleich mit dem infantilen Vorgänger Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn gezogen wird), was mitunter recht derb mit den Albernheiten kollidiert, die es hier natürlich dennoch gibt – allerdings nur unter den Monstern, denn die „Invasions“-Handlung und ihr gesamtes Personal sind durch und durch humorlos.
Optisch gefällt Frankenstein und die Monster aus dem All sowohl durch das feine Tohoscope-Format als auch durch Bilder, die für eine mehr als fünfzig Jahre alte Produktion sehr ordentlich, sprich klar und farbenfroh aussehen. Mir liegt allerdings auch die liebevoll restaurierte DVD-Fassung aus der „Kaiju Classics“-Reihe von Anolis vor – besser dürfte es kaum noch gehen. Gänzlich ohne Beschädigungen haben die Masterbänder aber auch in diesem Fall die Zeit nicht überstanden: Hin und wieder kann man Streifen erkennen, und das sind keine Drähte, an denen etwas hängt. Damit sind wir eigentlich auch schon bei der Tricktechnik – und interessieren uns natürlich zunächst für die Monster. Godzilla bekam hier sein neues Sôshingeki-Kostüm, das er vier Filme lang tragen sollte (zuletzt im 1972 erschienenen Frankensteins Höllenbrut) – es gehört zu den etwas albernen Outfits des Großen Grünen, ist also weitaus eher sympathisch als bedrohlich. Großartig sieht derweil King Ghidorah aus: Detailverliebt gestaltet und golden wie nie wirft er sich ins aussichtslose Getümmel, wobei er etwas kleiner ist als bei seinen vergangenen Auftritten, um den Tricktechnikern die Arbeit zu erleichtern. Auch Rodan hat ein schmuckes neues Kostüm erhalten und wirkt darin nicht ganz so lächerlich wie früher, was ebenso für Angilas gilt. An beiden hat man definitiv wieder eine Menge Freude (Angilas hat sogar seinen todesmutigen und aggressiven „Charakter“ beibehalten und stürzt sich als Erster ohne Bedenken auf den physisch eigentlich deutlich überlegenen Dreikopf). Baragon wird derweil wie schon erwähnt geschont, die Mothra-Raupe reißt traditionell keine Bäume aus und Minya ist im gleichen durch und durch infantilen Anzug unterwegs wie im Vorgängerstreifen. Sehr gut hat mir der Gorosaurus gefallen (der „Saurier des 20. Jahrhunderts“, wie uns ein Off-Sprecher eingangs aufklärt), und den eindrucksvollsten Auftritt von allen hat wieder einmal Spiega, die wirklich grandios als Marionette umgesetzt wurde – leider hat sie nur wenige Takes (bei denen ich mit Blick auf den damit verbundenen Aufwand etwas unsicher war, ob sie nicht doch aus „alten Beständen“ stammen). Ein ernsthaftes Problem zeigt sich schließlich bei Manda: Grundsätzlich ist das Design mit dem winzigen Vorderfußpaar sehr gelungen (es handelt sich demnach wohl eher um einen Riesen-Grottenolm als um eine Schlange), aber mit ihren Bewegungen waren selbst Eiji Tsuburayas Effekt-Spezis überfordert – in der Mitte gibt’s immer wieder einen heftigen Knick. Die Szene, in der sie sich um eine Autobahnbrücke wickelt, ist dennoch unvergesslich. Manda und auch Baragon standen übrigens bislang noch nicht gemeinsam mit Godzilla vor der Kamera, sondern sind „Neuzugänge“ aus ebenfalls von Ishirô Honda in Szene gesetzten Parallelproduktionen der Tōhō-Studios: Die Riesengrottenolmschlange stammt aus dem 1963 gedrehten Sci-Fi-Abenteuer Atragon (aka U 2000 – Tauchfahrt des Grauens) und Baragon aus dem zwei Jahre später entstandenen Monsterstreifen Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht.
Vergessen kann man derweil den unbeweglichen Varan aus der Schleich-Tier-Abteilung – sein „Anflug“ dauert kaum eine Sekunde, blamiert ihn aber für eine halbe Ewigkeit. Man hätte auf seine Mitwirkung unbedingt verzichten sollen, zumal es ja offenkundig ohnehin nicht um Vollzähligkeit ging, da schließlich auch Ebirah, die Gottesanbeterinnen oder der Giant Condor aus Vorgängerproduktionen fehlen. Fabelhaft ist derweil auch hier ein Großteil der eingesetzten Modellbauten. Es ist immer wieder umwerfend, mit wie viel Liebe und Detailversessenheit sowohl Städte als auch „natürliche“ Landschaften erschaffen wurden und wie echt sie mitunter aussehen –tatsächlich sind sie wieder des Öfteren sogar den CGI-Effekten in heutigen Großproduktionen überlegen. Man kann das gar nicht genug würdigen. Ein paar Explosionen sehen ebenfalls ziemlich gut aus, was vermuten lässt, dass da etwas „Richtiges“ explodiert ist, also etwas, das einen Feuerball erzeugt, und nicht nur die einschlägige Silvester-Pyrotechnik. Zu guter Letzt darf natürlich auch hier der Militärfuhrpark aus dem Spielzeugladen nicht fehlen, und er hat nichts von seinem gewohnten Charme eingebüßt.
Darstellerisch, und nun soll von den menschlichen Mitwirkenden die Rede sein, steht Akira Kubo als Moonlight-SY-3-Pilot Captain Katsuo Yamabe im Zentrum des Geschehens, der den Betrachter nicht wirklich für seine Figur begeistern kann. Dass dies in erster Linie an seiner unvorteilhaften Rolle liegt, zeigt sich daran, dass er schon als Krawalldosenerfinder Tetsuo in Befehl aus dem Dunkel und als fröhlicher Fotoreporter Goro Maki in Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn zu sehen war und dort jeweils sehr sympathisch gewirkt hat. Dauerhaft präsent, aber nur als weitgehend defensiver Wissenschaftler Dr. Yoshido, ist weiterhin der von mir hoch geschätzte Jun Tazaki, der bereits in kleineren Rollen als Dr. Sakurai in Befehl aus dem Dunkel, General Shinzo in King Kong vs. Godzilla oder Chefredakteur Murata in Godzilla und die Urweltraupen zu sehen war. Noch gar nicht zu sehen war bislang zumindest in einer Tōhō-Produktion Yukiko Kobayashi, die als Yamabes „Freundin“ Kyoko eine solide Vorstellung abliefert, und auch Kyôko Ai betritt hier als „Kilaak Queen“ Neuland. Sie hat mir, auch wenn sie nur in einer Reihe von Close-ups zwielichtig in die Kamera grinst, sehr gut gefallen. Eine nennenswerte Karriere als Schauspielerin kann sie mit insgesamt drei Filmauftritten jedoch nicht vorweisen – wer weiß, woran es lag. Nicht vergessen werden sollen schließlich auch jene Mitwirkenden, die in ihren Monsterkostümen im Studioscheinwerferlicht schwitzen und Schwerstarbeit verrichten mussten – Godzilla sowie kurz auch Baragon wurden von Haruo Nakajima verkörpert, der zusätzlich auch noch ohne Monsterkostüm als Mitglied der militärischen Führungsriege zu sehen ist, als Rodan durfte Teruo Nigaki herumflattern, Yû Sekita übernahm Angilas, den Gorosaurus und eine kleine menschliche Rolle als Arzt im Hospital, im jämmerlichen Minya-Kostüm steckt wieder „Little Man“ Machan und die Darstellung King Ghidorahs oblag (in den nicht „drahtgesteuerten“ Körperpartien) Susumu Utsumi. Der Score stammt zu guter Letzt jubiläumswürdig vom großen Akira Ifukube persönlich und wurde eigens für diesen Streifen komponiert (was natürlich eine zukünftige Verwendung nicht ausschloss). Die Musik, vor allem ihr als gewohnt wuchtiger Marsch daherkommendes Leitmotiv, ähnelt allerdings sehr stark den schon aus dem Ur-Godzilla bekannten Klängen – und ist damit definitiv unverwechselbar.
So bleibt ein wunderbarer alter Kaijū Eiga mit ausnehmend uninspirierter Handlung, aber einer großen Zahl an mitwirkenden Monstern – nie zuvor traten in einer Tōhō-Produktion derartig viele von ihnen auf, und auch in der Zukunft sollte eine solche Menge nur noch einmal erreicht und sogar überboten werden, nämlich 2004 in Godzillas großer Abschieds-Sause Final Wars (die, wie wir seit Hideaki Annos Shin Godzilla wissen, dann doch noch kein Abschied für immer war ...). Allerdings haben einige der Ungeheuer hier nur mehr oder weniger kleine Gastrollen – die entscheidenden Akzente setzen am Ende doch wieder die üblichen Verdächtigen, sprich King Ghidorah, Rodan, Angilas und natürlich der Große Grüne selbst. Sei’s drum – auch wenn es an Godzillas neuntem Auftritt wie inzwischen hinreichend getan das eine oder andere zu meckern gibt und dieser Film bei mir persönlich einen kleinen (wirklich: kleinen) Teil seiner Reputation eingebüßt hat, gehört Frankenstein und die Monster aus dem All natürlich für jeden aufrechten Kaijū-Eiga-Fan zum Pflichtprogramm. Ohne jede Einschränkung.
Subjektiv ungefährdete 8 von 10 Punkten, ansonsten 6 von 10 – mit Filmen wie diesem kann man vermutlich sogar neue Trash-Freunde gewinnen.
(02/24)