Moskau. Polina und Igor haben vor drei Jahren ihren Sohn verloren, der nicht mehr vom Spielen zurück gekommen ist. Aus diesem Grund suchen sie ein ländliches Waisenhaus auf, um ein Kind zu adoptieren. Als Polina zufällig einen im Keller eingesperrten, ziemlich verwahrlosten Jungen entdeckt, der sie an ihren verschwundenen Wanja erinnert, nehmen sie ihn kurzerhand mit. Doch dieser „neue“ Wanja ist irgendwie sehr, sehr unheimlich...
Schon wenn man in den ersten paar Filmminuten das Waisenhaus, prächtiger Mittelpunkt eines jeden Haunted-House-Streifens, und den ziemlich gruseligen Jungen sieht, der mehr Zombie als Kaspar-Hauser-Imitat zu sein scheint, ahnt man, wohin die Reise mit dem russischen „Evil Boy“ gehen mag: Kinder des Teufels müssen nicht immer nur durch die eintätowierte Zahl 666 identifiziert werden sondern dürfen auch gern schon auf den ersten Blick gruselig sein. Olga Gorodetskaya, die den hinreichend vorhersehbaren Stoff recht zielgerichtet umgesetzt hat, verzichtet weitgehend auf jene Subtilität, die in „Das Omen“ noch das Zaudern der Eltern erklärbar machte, und lässt eher den Holzhammer für sich sprechen. Standardsituationen werden nach und nach kompetent abgehandelt und so hat man als Zuschauer durchaus das Gefühl, fair und genregerecht unterhalten zu werden, zumal szene-motivisch auch bei „Der Exorzist“ und „Poltergeist“ Anleihen genommen werden. Freundet man sich dann noch mit der immer wieder durchblitzenden, typisch russischen Schwermütigkeit an, kann man für sich für „Evil Boy“, der zudem durch einen ziemlich wilden Schluss überrascht, durchaus erwärmen. Bildformat: 2,35:1. Mit Elena Lyadova, Eveniy Tsyganov, Mikhail Safronov, Sevastian Bugaev, Vladimir Vdovichenkov u. a.
Ab 16.07.2020 digital erhältlich und ab 06.08.2020 auf DVD und Blu-ray.
© Selbstverlag Frank Trebbin