Abruzzen, Frühjahr 1944. Nach der Schlacht am Monte Cassino gilt es für die vorrückende US-Armee, das bergige Gelände nach flüchtenden, versprengten deutschen Soldaten zu durchkämmen. Nach einem kritischen Zwischenfall, bei dem ihr Platoon-Sergeant eine wehrlose Gefangene erschossen hat, wird Soldat Robert Marson, bevor dieser den Vorfall melden kann, mit noch drei anderen Männern auf Erkundungsgang in die verschneiten Wälder geschickt. Als die vier den alten Angelo gefangen nehmen, der ihnen anbietet, sie zu führen, wissen sie nicht, ob er Freund oder Feind ist...
Kriegsfilme haben es heute schwer: als reine Testosteron-geschwängerte Männer-Abenteuer sind sie nicht mehr salonfähig; als kritische Anti-Kriegsfilme müssen sie sich mit Landmarken wie „Apocalypse Now“, „Der Soldat James Ryan“ etc. messen, die unerreichbar zu sein scheinen. Und in genau dieser Lage taucht nun das Drama „Leave No Man Behind – Der Feind in den eigenen Reihen“ auf, bei dem man sich keinesfalls von der deutschen, ziemlich sperrigen Eintitelung in die Irre führen lassen sollte: pathetische Wir-lassen-keinen-Kameraden-zurück-und-treten-den-Krauts-in-den-Arsch-Action sucht man hier nämlich vergebens. Die sogenannten Helden entpuppen sich als zerstrittene Schwätzer, die sich gegenseitig am liebsten an den Hals gehen würden, und mittendrin spielt Franco Nero einen alten undurchsichtigen italienischen Gefangenen, der grummelnd und kopfschüttelnd das Herumstolpern des Befreier-Haufens in seiner Heimatsprache kommentiert. Die farbentsättigte Bildgestaltung sowie die winterlich-unterkühlte Kulisse – British Columbia doubelte hierbei Italien – verstärken die Tristesse dieser exemplarisch-sinnlosen Kriegsmission, die Robert Ports auf einem Tatsachenroman beruhendes Spielfilmdebüt ebenso inhaltlich sehr glaubwürdig und authentisch wirken lässt. Die üblichen Zugeständnisse an das Genre oder gar an ein Action-verwöhntes Publikum werden fast vollständig umschifft, moralische Fragen werden mit zunehmender Laufzeit immer deutlicher aufgeworfen. Fazit: komplett unkonventionell und ganz stark in seiner Aussage. Sehenswertes, bewegendes Kino. Bildformat: 2,35:1. Des weiteren mit Alexander Ludwig, RJ Fetherstonhaugh, Chris Brochu u. a.
Ab 30.10.2020 auf Dvd und Blu-ray erhältlich.
© Selbstverlag Frank Trebbin