Review

Nachdem ein geldgieriger Schlingel von einer Insel das Mini-Zwillingspaar für eine Musikschau gestohlen hat, setzt sich die Riesenraupe Mothra in Bewegung Richtung Tokio, um die beiden zu befreien und zieht dabei eine Spur der Zerstörung mit sich.

In diesem Film aus dem Jahre 1961 von Ishiro Honda, der ja auch 1954 Godzilla das Zerstören beibrachte, erlebte Mothra ihren ersten Leinwandauftritt im TOHO-Universum. Bei uns lief der Streifen unter dem Namen "Mothra bedroht die Welt" leider nur einmal auf Kabel 1 und wartet seitdem vergeblich auf eine weitere Ausstrahlung geschweige denn eine deutschsprachige DVD-Veröffentlichung. So blieb mir nur ein Griff zur japanischen DVD, da ich den Film unbedingt sehen wollte und ich muss sagen, der Griff hat sich gelohnt.
Im Vergleich zu den üblichen Monsterfilmen haben wir es bei Mothra nicht mit einem skrupellos zerstörenden und tötenden Wesen zu tun, sondern mit einem an sich friedlichen Wesen, welchem lediglich die Rettung ihrer Schützlinge auf dem Herzen liegt.
Aber bis Mothra ihren ersten Auftritt hat, vergeht etwas Zeit mit Menschenhandlungen, was meist in Japanmonsterfilmen für Leerlauf sorgt, hier aber durchweg zu unterhalten weiß.
Der Film beginnt mit der Entdeckung einer Insel, auf der trotz dort vorherrschender Radioaktivität (ein bekanntes Motiv des Kaiju Eiga) unversehrte Gestrandete aufgelesen werden, die zudem noch von Eingeborenen berichten, was eine Expedition zur Folge hat, die sich die Sache mal aus der Nähe anschauen sollen. Diese besteht neben den üblichen Experten auch aus einem, wie sich später herausstellt, sehr finsterplänigen Kerl namens Nelson und dem sich heimlich eingeschleusten Reporter, der die Hauptfigur einnimmt und zudem für Humoreinlagen sorgt. Diese Insel ist dann sehr farben- und phantasievoll gestaltet und neben bunter Flora und Geräuschkulisse gibt es eine geheimnisvolle Kristallhöhle mit Schriftzeichentafel, deren Entzifferung gegen Ende noch von Bedeutung sein soll, einen Angriff blutsaugender Pflanzen, einen Eingeborenenpulk (der in gewohnter Manier aus braunbepinselten Japanern besteht) und die ebenfalls in den späteren Filmen mit Mothrabeteiligung vorkommenden Mini-Zwillinge, auf die es unser Herr Nelson abgesehen hat, was ihn dazu veranlasst, später nochmal mit seinen Jungs zurückzukehren, um diese zu stibitzen und einen Großteil der Eingeborenen abzuballern.
Und das ist es dann auch, was unsere Mothra auf den Plan ruft, denn während die Zwillinge gezwungen werden, für Nelson in einer Musikshow aufzutreten, in der diese ihren klassischen Mothra-Song, den ich sehr schätze und einige ebenfalls hörenswerte Liedchen zum Besten geben, werden telepatische Strahlen versendet, die praktisch als Ortung für die Riesenraupe dienen, welche zwischenzeitlich mal durch eine Erfindung in Form eines abschirmenden Materials unterbrochen werden.
Jedenfalls beginnt hier dann, nach ca. der Hälfte der Laufzeit, der Monsterpart, bei dem sich die Riesenraupe erst durchs Wasser raupt und einen kreuzenden Kreuzer entzweit, dann an Land Gebäude einreißt und selbst die Waffen der Armee sie nicht aufhalten können. Umgesetzt wurde das Ganze, wie auch schon bei "Godzilla" und in späteren Japanmonsterwerken durch Miniaturbauten von Stadtteilen, die zerstört werden und Spielzeugpanzer, die sich ein Gefecht mit dem Monster liefern, was meiner Meinung nach sehr überzeugend geworden ist und eine unglaubliche Freude beim Zuschauen macht.
Nach dieser ersten Zerstörungswelle macht es sich die Raupe dann an einem Turm gemütlich, um sich dort zu verpuppen und in Form eines Riesenschmetterlings weiterzuziehen und allein durch die Flügelschläge Dächer abzudecken, Autos wie Blätter im Wind durch die Gegend zu wirbeln und ganze Gebäude einreißen zu lassen, wie man es bereits aus dem zuvor gedrehten und ebenfalls sehr sehenswerten "Rodan" kennt. Auch hier ist die Umsetzung gelungen und freudebringend für Fans dieser Machart.
Die musikalische Untermalung stammt diesmal nicht von Akira Ifukube, dessen Klänge ja meist in den Filmen unter der Regie von Ishiro Honda Verwendung finden, sondern von Yuji Kuseki, dessen Melodien ebenfalls sehr schön zum Geschehen passen, wobei ich mir aber vor allem bei dem Auftritt des Militärs die klassische Marschmusik vermisse.

Insgesamt ist "Mothra bedroht die Welt" eine durch und durch unterhaltsame Mischung aus Abenteuer, Fantasy und Monsterfilm ohne nennenswerte Längen und ein schöner Kaiju Eiga, der eine deutschsprachige Veröffentlichung mehr als verdient hätte.

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