KING-KONG – FRANKENSTEINS SOHN
(KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ)
Ishirô Honda, Japan 1967
Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!
Mit Blick auf das japanische (und sogar koreanische) Riesenmonsterkino bin ich schon mehrfach auf das Jahr 1967 zu sprechen gekommen, in dem der Kaijū Eiga geradezu einmalige Trash-Blüten trieb (siehe Guila, Gappa, Yongary, Gamera vs. Gaos und Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn). Aber es gibt sogar noch ein weiteres Monster, das sich im genannten Jahr in haarsträubenden Nippon-Leinwandunfug verwickeln ließ: King Kong, der allseits bekannte Riesenaffe. Ich mag zumindest seine klassische Inkarnation nicht besonders, aber der King Kong aus dem Hause Tōhō ist ein ganz spezieller Fall und hat nicht nur mir schon in Ishirô Hondas King Kong vs. Godzilla (hierzulande Die Rückkehr des King Kong) viel Freude bereitet. Und auch sein hiesiger Auftritt hat sehr wohl Interesse verdient, denn King-Kong – Frankensteins Sohn (weiß der Kuckuck, was der Bindestrich im Namen soll, aber so steht’s geschrieben) ist keine Randnotiz des Genres, sondern sogar ein echtes Highlight, auch wenn man einen Herrn „Frankenstein“ in ihm selbstredend nie zu Gesicht oder auch nur zu Gehör bekommt ...
Irgendwo im Pazifik: Hier taucht das von den Vereinten Nationen ausgesandte Hightech-U-Boot „Explorer“ herum, um, ähm ... dies und jenes zu machen – bis die Besatzung nach einiger Zeit den Auftrag erhält, nach Erdölvorkommen zu suchen. Mit an Bord sind unsere drei Protagonisten: Commander Carl Nelson, der US-amerikanische Kommandant der „Explorer“, sein Stellvertreter Lieutenant Commander Jiro Nomura und die (ebenfalls amerikanische) Krankenschwester im Offiziersrang Lieutenant Susan Watson. Nelson und Nomura sind jedoch nicht nur hochrangige U-Boot-Kapitäne, sondern auch Hobby-Zoologen und -Paläontologen, die sich beispielsweise für einen 20 Meter hohen Riesenaffen interessieren, der auf der einsamen pazifischen „Mond-Insel“ herumlungern soll. Krankenschwester Susan respektive Lieutenant Watson hängt sich in ein Gespräch der beiden hinein und teilt ihnen ihre Skepsis bezüglich solcher Legenden mit, wird aber so nachdrücklich belehrt, dass sich in ihr die Neugier regt – sie würde am liebsten sofort zur Mond-Insel fahren und dort einmal nach dem Affen sehen. Doch leider geht der Dienst vor: Man soll schließlich Erdöl für die UNO suchen und keine anonymen Riesenprimaten. Und so sucht man.
Anderenorts ist derweil bereits etwas gefunden worden, und zwar das sehr wertvolle „Element X“ – weshalb wir uns umgehend in die Arktis begeben. Dort hat der geheimnisvolle „Doctor Who“, seines Zeichens unser stets mit Dracula-Gedächtnis-Umhang herumturnender Mad Scientist (oder Mad Irgendwas – Hauptsache mad und evil) und Entdecker der Element-X-Lagerstätte, eine riesige Station errichtet, um ebendiesen seltsamen Rohstoff abzubauen und an eine gleichermaßen geheimnisvolle junge Frau zu verscherbeln, die ihn für ihr „unbedeutendes Land“ benötigt. Element X ist nämlich ein hoch radioaktiver Stoff, mit dem man prima Nuklearwaffen bauen kann – welche wiederum dafür sorgen sollen, dass ihr „unbedeutendes Land“ bald nicht mehr unbedeutend ist. In dieser Sache gibt sie sich ganz unverblümt und verkündet, dass nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Geschäfts ein „neues Kapitel in der Geschichte der Eroberungen“ beginnen würde.
Um nun das gefährlich strahlende Superelement bergen zu können, hat sich der geniale Doctor Who etwas Geniales einfallen und einen riesigen mechanischen Affen (!!) bauen lassen, der die anstehende Drecksarbeit machen soll und offenbar nach einem lebenden Vorbild erschaffen wurde (warum zum Kuckuck baut man zum Erzabbau einen mechanischen Affen – warum nur?). Sei’s drum – der Affen-Roboter (in der Tōhō-Terminologie und im Folgenden auch hier „Mechanikong“ genannt) macht sich ans Werk ... Heftiger Schnitt.
Wir sind wieder an Bord der „Explorer“, in deren Nähe sich gerade ein Seebeben oder ein unterirdischer Bergrutsch ereignet. Das U-Boot und seine Besatzung kommen mit dem Schrecken davon, aber ein paar kleinere Schäden müssen doch repariert werden. So taucht man erst einmal auf – und zwar unmittelbar vor der geheimnisvollen Mond-Insel. Zufälle gibt’s ...
Wenn man aber schon einmal da ist und etwas Zeit hat, kann man natürlich auch zu einer kleinen Erkundungstour aufbrechen, und so machen sich Nelson, Nomura und die neugierige Krankenschwester mit einem kleinen Flug-Schiffchen auf den Weg. Am Strand angelangt, lassen die Männer Susan einsam und allein beim Landefahrzeug zurück (alles andere sei zu gefährlich für sie ...) und beginnen mit der Erforschung des Inselinneren (Himmel, wozu wurde das Mädel dann mitgenommen?). Der Ärger folgt freilich auf dem Fuß: Susan wird von einem Gorosaurus angegriffen! Ihr Fluchtversuch scheitert daran, dass sie das Kunststück fertigbringt, nach nur einem gelungenen Schritt zu Boden zu stürzen. Da sich Nelson und Nomura bereits in sicherer Entfernung befinden, hilft Susans Quietschen nun auch nicht mehr ... oder?
Natürlich hilft’s, denn davon erwacht der ziemlich derangiert wirkende Titelheld und torkelt zum Ort des sich anbahnenden Dramas. Glücklicherweise erscheint er dort noch rechtzeitig, um die Tötungsabsichten des Gorosaurus zu durchkreuzen – und wir haben unseren ersten kurzen, aber schön anzusehenden und auch herrlich blöden Monsterkampf (der Gorosaurus springt Kong mehrfach mit den Füßen voran an). Erwartungsgemäß gewinnt Kong (nennen wir ihn einmal so) – und schnappt sich Susan, der also doch nicht wirklich geholfen zu sein scheint ...
Aber wir wissen ja, dass der Riesenaffe ein netter Kerl ist und sich zudem gern blitzartig in Menschenfrauen verliebt, und da Susan allemal schmuck genug für so etwas ist, tut er’s auch hier. Die Nurse in Distress kann Kong jedoch mit warmen Worten überreden, sie wieder abzusetzen, was er auch tut – um gleich darauf vom wieder zu sich gekommenen Gorosaurus in den Fuß gebissen zu werden. Somit gibt‘s die nächste Klopperei zwischen den Ungeheuern, und diesmal macht Kong keine Gefangenen: Der Gorosaurus verendet mit gebrochenem Kiefer und ein paar Zentnern Schaum vor dem Mund.
Inmitten der Kampfeswirren ist es jedoch den inzwischen eingetroffenen Männern (Susan: „Gut, dass ihr kommt!“ – einfach herrlich) und ihrer „Begleiterin“ gelungen, sich per Flugboot auf den Rückweg zur „Explorer“ zu machen. So hatte sich der verliebte Kong das freilich nicht vorgestellt, aber bevor er richtig sauer werden kann, haben er und die Menschen den nächsten Ärger an der Backe: Eine riesige Seeschlange taucht auf (laut Godziklopedie ist es aber nicht Manda), bringt das Flug-Schiffchen in Bedrängnis und lädt Kong damit zum nächsten Monsterkampf ein. Auch den gewinnt natürlich Kong, aber hernach muss er feststellen, dass sich seine Angebetete und ihre Begleiter inzwischen ins U-Boot-Innere zurückgezogen haben. Daraufhin schaukelt er (bis zum Bauch im Wasser stehend) die noch nicht fertig reparierte „Explorer“ so lange hin und her, bis die Menschen eine Entscheidung getroffen haben, wer von ihnen sich nun verbal um eine Deeskalation bemühen soll. Natürlich ist das auf eigenen Wunsch Susan, die ohne Zweifel den besten Draht zum Affen hat. Und ja, es gelingt ihr, Kong zu beruhigen und dafür zu sorgen, dass er zwar traurig, aber friedlich zu seiner Insel zurückkehrt. Unsere Helden können derweil wohlbehalten nach New York reisen, wo Nelson vor der UNO-Vollversammlung seinen Bericht erstattet.
Vor Ort hält sich auch die geheimnisvolle Frau aus dem „unbedeutenden Land“ auf (die übrigens nie namentlich angesprochen, in den Credits aber als „Madame Piranha“ geführt wird!) und übermittelt Doctor Who nach der Pressekonferenz die aufgeschnappten Neuigkeiten. Der freut sich über die Entdeckung Kongs und will den Affen umgehend kidnappen, damit dieser nach dem fehlgeschlagenen Versuch mit Mechanikong nun endlich das Element X für ihn bergen kann. Ähm ... fehlgeschlagener Versuch? Davon wissen wir rein gar nichts, erinnern uns aber an den groben Schnitt am Ende der ersten Doctor-Who-Sequenz. Nun wissen wir’s: Mechanikong hat offenbar versagt. Am Rande bemerkt wissen wir auch bald, dass Doctor Who diesen Mecha-Affen nach Plänen und Entwürfen von Nelson und Nomura gebaut hat (wo zum nächsten Kuckuck hat er die denn her und wozu wurden sie überhaupt gemacht??)! Egal – Doctor Who und seine Truppen machen sich hurtig auf zur Mond-Insel, betäuben Kong mit Gasgranaten und fliegen ihn an vier skurrile Hubschrauber gehängt zum Schiff des Schurken, das den Titelhelden zur Arktis bringt. In der Who’schen Station lässt er sich hypnotisieren, begibt sich durch einen Tunnel brav ins Innere des arktischen Vulkans, der das Element X beherbergt, und rupft dort ein paar bedrohlich grell leuchtende Kristalle aus dem Felsen. Irgendwann bekommt er davon jedoch Kopfsausen, und auch die Hypnose erweist sich als eher kurzlebig, sodass er zurückstürzt und gerade noch durch ein eilig heruntergelassenes Gitter von folgenschweren Gewalttaten abgehalten werden kann.
Inzwischen haben ein paar Handlanger des Schurken ganz mühelos unser Heldentrio entführt und ebenfalls in die Station gebracht. Nelson, Nomura und Susan sollen Doctor Who wohl irgendwie dabei behilflich sein, Kong zum willfährigen Bergarbeiter zu machen, aber sie spielen da natürlich nicht mit, obgleich ihnen Böses angedroht wird und Nomura und Susan schon bald in einer Polarluftkammer dem Kältetod entgegenfrieren. In der Folge wird das Treiben etwas unübersichtlich, da sinnvolles und nachvollziehbares Handeln vor allem der Antagonistenfraktion nahezu vollkommen abgeht und genau genommen auch schon immer abging. Kong befreit sich selbst mit roher Gewalt und empfiehlt sich danach auf dem Wasserweg in Richtung Tokio (was liegt näher ...?), während Doctor Who per Schiff mit dem bislang lediglich stumpfsinnig vor sich hin glotzenden Mechanikong und seinen Gefangenen hinterhereilt. Dummerweise (für ihn) wechselt die geheimnisvolle Madame Piranha nun aber blitzgeläutert die Seiten, verhilft unseren Helden zur Flucht und gerät anschließend auf Leben und Tod mit Doctor Who aneinander. Kong erreicht indes bald darauf Tokio und schaut sich ein wenig die Stadt an, bis er mit Truppenteilen der japanischen Armee konfrontiert wird, die auf ihren Angriffsbefehl warten. Zum Glück kann Nelson dem befehlshabenden General gerade noch rechtzeitig klarmachen, dass ein Angriff unklug wäre und den Affen nur unnötig reizen würde (logisch, irgendwie). Es gäbe da einen besseren Weg, um Kong aus dem schlechteren Weg zu räumen ... und ja, natürlich ist es wieder einmal Susans Aufgabe, den Tag (und halb Japan) zu retten.
Sie rettet auch fleißig los, aber nach ein paar romantischen Momenten in Kongs Riesenhand wird sie auch schon wieder beiseite gestellt, denn jetzt kommt mitten durch ein gewaltiges Haus ... Mechanikong angewalzt! Der kann den echten Affen kurz mit Strahlen aus seinen Augen blenden, Susan schnappen und mit ihr den Tokio Tower hinaufklettern (es mag sinnfrei sein, aber wir sehen hier nun einmal einen King-Kong-Film, und demnach ist das Pflicht). Der echte Affe macht sich hinterher und packt den blechernen am Fuß, woraufhin diesem die mitgeführte Susan entgleitet und in die Tiefe stürzt ... in der sie natürlich nie ankommt, weil sie vom Fleisch-und-Blut-Kong aufgefangen und auf einem Stahlträger hinterlegt wird. Von dort herunterzukommen, ist freilich auch noch eine Sache für sich, aber Nomura nähert sich bereits von unten und kann letztlich mit mehr Glück als Geschick helfen. Die beiden Affen beziehungsweise der Affe und seine Blech-Ausführung zoffen sich derweil über ihnen noch ein wenig, bis die Spitze des Tokio Towers abbricht und samt Mechanikong in die Tiefe stürzt. Und der kommt dann auch wirklich in der Tiefe an und endet als Schrotthaufen. Der echte Kong, Nelson, Nomura und Susan haben indes noch eine Kleinigkeit zu erledigen – und so stürzen sie Doctor Who und seinem Schurkenpack hinterher, die per Schiff das Weite suchen wollen. Dass von diesem Schiff bald nur noch ein paar Trümmer übrig sind und das unselige Who’sche Wirken ein Ende hat, darf dabei nicht angezweifelt werden ...
Tatsache: King-Kong – Frankensteins Sohn reiht sich ganz wunderbar in all den Unfug ein, den die Tōhō’schen Monsterheuler der Sechziger- und Siebzigerjahre verzapft haben. Und das ist ein Kompliment. Die Geschichte, die uns Ishirô Honda und sein Skriptautor Takeshi Kimura (als Kaoru Mabuchi geführt) hier andrehen, basiert auf dem bekannten King-Kong-Motiv rund um die Liebe des Riesenaffen zu einer (weißen) Frau und wurde um eine haarsträubende Rahmen- oder Grundhandlung erweitert, die uns mit dem Treiben eines exemplarischen Erzschurken wahlweise irritiert oder belustigt – allein Doctor Whos Ansinnen, sein gewinnträchtiges „Element X“ mit der Hilfe eines mechanischen Riesenaffen (!!) abzubauen, ist derart hirnrissig, dass man einfach nicht glauben mag, was der Leinwand seinerzeit allen Ernstes anvertraut wurde.
Erschwerend kommt hinzu, dass die ohnehin mit zahlreichen kolossalen Logiklöchern gestrafte Handlung in der vorliegenden, gegenüber dem Original um kühne zwanzig Minuten gekürzten deutschen Kinofassung durch ebendiese Schnippelei noch chaotischer und holpriger wird – als Beispiel sei nur das komplette Fehlen jener Sequenz genannt, die Mechanikongs Scheitern beim Element-X-Abbau belegen (die US-amerikanische Fassung des Streifens ist übrigens ebenfalls gekürzt, aber „nur“ um zehn Minuten).
Über die idiotische Metallaffen-Idee hinaus hat Kimuras Skript mit der Figur Madame Piranhas immerhin noch eine Spur, ähm ... „Agententhriller“ eingebaut, aber die entsprechenden Szenen bleiben isoliertes Stückwerk und sorgen am Ende auch ihrerseits noch für Verwirrung, da der Sinneswandel der Frau, die Nuklearwaffenangriffe auf andere Länder zunächst echt knorke fand, nicht wirklich nachvollziehbar und scheinbar auch etwas instabil ist. Na ja – vielleicht kann man Letzteres freundlich unter „Spannung“ buchen.
Aber im Kern haben wir ohnehin unsere Affenliebesgeschichte, und die profitiert nicht nur in meinen Augen davon, dass mit der niedlichen Linda Miller eine Susan-Darstellerin gefunden wurde, der man gern zusieht. Dass Schauspiel so gar nicht ihr Ding ist, bleibt dabei zweitrangig – ihr Verehrer Kong spielt schließlich noch um neun Klassen schlechter. Dieser Kong respektive King Kong (wobei es hier eigentlich keinen Grund gibt, ihn mit „König“ anzureden, aber ich will ihm von nun an diese Ehre erweisen), dieser King Kong ist also im vorliegenden Streifen bekanntermaßen kein Leinwandneuling mehr und durfte sich bereits fünf Jahre zuvor mit Godzilla höchst persönlich prügeln. Tatsächlich könnte man auch hier schon zu Beginn meinen, dass er gerade von einer handfesten Prügelei kommt. Abgesehen vom ohnehin völlig entgleisten Design (sein Gesicht gleicht dem von Homer Simpson, sagt Jörg Buttgereit, und da hat er Recht) sieht auch sein Fell beziehungsweise sein Monstersuit wieder extrem mitgenommen, sprich regelrecht zerlumpt aus – einen lächerlicheren und heruntergekommener anmutenden King Kong hat es wohl weder vorher noch nachher je gegeben (abgesehen vielleicht von irgendwelchen Amateur-Gurken). Dabei wird kolportiert, dass für King-Kong – Frankensteins Sohn noch ein zweiter Anzug nachgefertigt werden musste, aber der Affe sieht immer im gleichen Maße räudig aus. Wenn er plötzlich schick und gepflegt aufgekreuzt wäre, hätten wir freilich noch einen groben Anschlussfehler mehr gehabt ...
Sei’s drum – erfreulich ist bei alledem, dass der Titelheld auch eine Menge Screentime bekommt. Klar: Als Titelheld steht ihm unbestreitbar auch eine Menge Screentime zu, aber dafür, dass die Produzenten dieser moralischen Verpflichtung auch nachkommen, gibt es keine Garantie. Als böses Beispiel sei der Riesenaffenheuler Ape vs. Monster aus dem Hause Asylum genannt, in dem der namensgebende Ape insgesamt keine drei Minuten lang im Bild ist. Tōhō-Kong, ähm ... Tōhō-King-Kong aber darf sich ausgiebig bestaunen lassen, und dies naturgemäß (wir sprechen von der Natur des Kaijū Eiga) nicht nur in „romantischen“ Szenen, sondern auch während einiger Kloppereien. Zunächst muss er den nervigen Gorosaurus ausschalten, danach die Riesenseeschlange und schließlich und vor allem sein mechanisches Ebenbild – wobei „Ebenbild“ tatsächlich auch bedeutet, dass Mechanikong genauso bescheuert aussieht wie sein biologisches Vorbild. Ehrlich gesagt ... sieht der Blechaffe sogar noch lächerlicher aus als der echte. Einen wirklichen Kampf im Sinne einer Prügelei liefern sich die beiden jedoch nicht – Mechanikong klettert mit der geklauten Susan den Tokio Tower hinauf (was übrigens auch nicht wirklich sinnig ist, wenn ihn sein befehlshabender Schöpfer für den Stärksten hält) und King Kong zupft ihm lediglich ein wenig am Fuß herum – das Duell wird letztlich durch die nicht für Riesenmonsterkämpfe ausgelegte Statik des Turms entschieden. Aber auch die Kämpfe King Kongs gegen den Gorosaurus und die Seeschlange währen nur kurz – eine volle Breitseite Kaijū-Action gibt’s in King-Kong – Frankensteins Sohn nicht. Umso schöner, dass man sie nur selten vermisst, denn der Tōhō-Affe muss sich nicht herumprügeln, um für Stimmung zu sorgen: Zumindest ich war schon hellauf begeistert, wenn er nur debil dreingeschaut hat oder silly-walks-mäßig seiner Wege geschlurft ist. Herrlich.
Alles andere als herrlich ist indes die Optik des Streifens, so man sie mit herkömmlichen Maßstäben misst (damit sollte man hier allerdings vorsichtig sein): King-Kong – Frankensteins Sohn kommt erwartungsgemäß im feinen Tohoscope-Format daher, bringt aber Bilder mit, die zumindest im Fall der vorliegenden DVD aus der „Trivialfilm-Kollektion“ von Media Target echt grottig aussehen und mitunter wirken, als würden sie aus der Pionierzeit des Kinos stammen. Ungeachtet dessen ist es schön und dankenswert, dass sich die Leute von Media Target eines Films wie King-Kong – Frankensteins Sohn überhaupt angenommen haben, da es in Sachen Verfügbarkeit bei den alten Kaijū Eiga mitunter doch frustrierende Leerstellen gibt. Den Publishern stand für die vorliegende Scheibe lediglich eine alte Archivkopie der deutschen Kinofassung aus den frühen Siebzigern zur Verfügung – viel konnten sie daraus nicht machen. Daher sehen wir zwar sehr scharfe Bilder, vor allem aber völlig ausgeblichene, mitunter sogar halb in andere Töne „gekippte“ und während der „Arktis“-Studioaufnahmen kaum noch anwesende Farben (sicher, in der Arktis ist’s nicht kunterbunt, aber eben auch nicht ausschließlich Dunkelmatschbraun-Weiß). Und wir sehen Beschädigungen und Verschmutzungen. Ohne Ende. Wenn man einmal ein beliebiges Bild einfrieren und die darauf vorhandenen Kratzer und weißen Flecken zählen würde (nein, ich habe es nicht gemacht), dürfte man durchaus an die Hundert herankommen – und das ist wirklich keine Übertreibung. Ich habe Filme aus den Zwanzigern gesehen, die wesentlich sauberer waren. Eine gründliche Restaurierung ist freilich nicht zuletzt auch immer eine Frage der Zeit und des Geldes, weshalb ich jetzt nicht mehr an den gegebenen Bildern herummäkeln will – ich persönlich bin mit ihnen ohnehin nicht nur klar gekommen, sondern habe sie auf ihre Weise gerade als reizvoll empfunden.
Na ja, und tricktechnisch ist King-Kong – Frankensteins Sohn natürlich ebenfalls reizvoll. Über den verlausten King Kong ist schon genug gesagt worden, und über seinen mechanischen Blechaffenkollegen eigentlich auch: Er sieht eben schlichtweg zum Brüllen aus. Selbst die Rolle, die Takeshi Kimuras Skript für ihn vorsieht, ist zum Brüllen – mir will die Frage keine Ruhe lassen, wie man sich so etwas nur einfallen lassen konnte. Im Hause Tōhō war man aber von der Mecha-Monster-Idee nachweislich begeistert, denn obgleich Mechanikong (leider, leider!) keinen weiteren Film mehr mit seiner Anwesenheit zieren durfte, ist er doch so etwas wie der Urvater all der irgendwann fast lästig werdenden Mechagodzillas, die in späteren Jahren durch die Godzilla-Streifen tobten.
Wesentlich, wirklich wesentlich „seriöser“ als der Blechaffe kommt da schon der Gorosaurus daher, was sowohl für sein gar nicht einmal so übles und vergleichsweise glaubhaftes Aussehen als auch für sein Gebaren gilt. Für mich persönlich ist er an herkömmlichen Kriterien gemessen eins der besten Tōhō-Monster und könnte hier schon fast ernst genommen werden – aber das vermasselt er sich spätestens mit seinen albernen Sprüngen. Die Seeschlange sieht derweil gestalterisch und in ihrer tricktechnischen Umsetzung Manda sehr ähnlich, scheint es aber nicht zu sein, zumal Manda ja auch keine Seeschlange ist, sondern eine, ähm ... Schlange. In den Einstellungen, in denen man ihren leicht missglückten Kopf nicht sieht, macht sie keine schlechte Figur, und die anderen sind schnell vorbei. Offensichtlich war die Umsetzung von Gummi- oder Marionetten- oder anders getricksten Schlangen schwierig und aufwendig, denn Manda bekommt man bei ihren Auftritten auch nur in kurzen Gastrollen zu sehen. Schade eigentlich. Ansonsten sind auch hier wieder allerliebste Modellbauten zu sehen (von arktischen Landschaften über die Studio-Mond-Insel bis hin zu Doctor Whos Hubschraubern), Susan wird in einigen Szenen unübersehbar von einem Püppchen gedoubelt, Rückprojektionen sehen aus zehn Meilen Entfernung wie Rückprojektionen aus und die japanische Armee rückt mit ein paar besonders drollig durch die Gegend kullernden Spielzeugpanzern an. Erstaunlich echt wirken hingegen ein paar vom Titelhelden ausgerissene und nach nervenden Hubschraubern geworfene Bäume, und die Sequenz, in der King Kong am Ende Doctor Whos Schiff zerlegt, verdient ehrlichen Beifall – Hut ab vor Tōhōs Effekt-Guru Eiji Tsuburaya und seinen Leuten.
Mit den menschlichen Mitwirkenden darf man ebenfalls zufrieden sein. Da King-Kong – Frankensteins Sohn eine Koproduktion mit der US-amerikanischen Zeichentrickbude Rankin/Bass Productions ist, begegnen wir hier in vorderster Front mit Rhodes Reason und Linda Miller auch zwei Amerikanern respektive einem Amerikaner und einer Amerikanerin. Der eher unbekannte Rhodes Reason ist als Commander Carl Nelson in der nominell führenden Heldenrolle zu sehen, hat darin aber kaum mehr zu tun als flotte Sprüche zu klopfen und steht des Öfteren herum wie bestellt und nicht abgeholt. Man kann mit ihm leben. Wesentlich mehr, genau genommen sogar eindeutig am meisten hat die bereits erwähnte Linda Miller als Lieutenant Susan Watson zu tun. Nichts zu tun hat sie allerdings mit jener gleichnamigen Darstellerin, der man gemeinhin in der Filmliteratur begegnet (wahrscheinlich gibt und gab es in Amerika Dutzende von schauspielernden Linda Millers). Unsere Linda Miller heißt etwas präziser Linda Jo Miller und ist in Sachen Schauspiel ein nahezu unbeschriebenes Blatt. King-Kong – Frankensteins Sohn war für sie, die damals mit ihrer Familie in Japan lebte und dort als Model ihr Geld verdiente, der erste Filmauftritt – und sollte auch fast schon der letzte sein: Im Anschluss gab es nur noch eine winzige Rolle (als Krankenschwester ...) in Kinji Fukasakus Sci-Fi-Trash The Green Slime (aka The Green Slime Is Coming aka The Battle of Space Station Gamma aka After the Destruction of Space Station Gamma: Big Military Operation aka Battle Beyond the Stars aka Death and the Green Slime aka Gamma #3 Big Military Space Operation – warum habe ich den eigentlich noch nicht gesehen?). 1968 ist sie mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt und hat’s dort noch einmal unter dem Namen Leslie Michaels (Linda Miller gab’s eben schon) mit der Schauspielerei versucht – aber mehr als ein kurzer Gastauftritt in einer Episode der TV-Serie My Three Sons war nicht zu holen. Sie hat dann vorwiegend als Bankerin im Hypotheken-Geschäft gearbeitet und wurde erst 2014 von den Kaijū-Eiga-Fans wiederentdeckt – seitdem schaut sie immer mal gern auf entsprechenden Veranstaltungen vorbei. Wirkliches Talent, ich hab’s schon erwähnt, lässt sie auch tatsächlich nicht erkennen, aber sie ist angenehm und ansehnlich und wird King-Kong – Frankensteins Sohn in ihrer exponierten Position zu einer echten Hilfe. Ein kleines Stück Filmgeschichte hat sie also einst doch geschrieben. Ich habe gerade ein schönes, fast fünfzig Jahre nach den Dreharbeiten aufgenommenes Bild von ihr und dem verdienten Tōhō-Stammdarsteller Akira Takarada gesehen, der hier ebenfalls mit an Bord ist – als Lieutenant Commander Jiro Nomura liefert er eine tadellose Vorstellung ab. Er ist mir vorher bereits als Ogata im Ur-Godzilla, als Profi-Einbrecher Yoshimura in Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer, als Journalist Sakai in Godzilla und die Urweltraupen und als Astronaut Fuji in Befehl aus dem Dunkel begegnet. Auch die schöne Mie Hama, die als Madame Piranha (auch Madame X oder Madame Sin) zu sehen ist, hatte bereits Kaijū-Erfahrung und kannte den Titelhelden sogar persönlich: In King Kong vs. Godzilla aka Die Rückkehr des King Kong spielt sie die arg gebeutelte Fumiko. Ihre Karriere lässt sich übrigens sehen – immerhin hat sie’s bis zur prestigeträchtigen weiblichen Hauptrolle in einem James-Bond-Film gebracht! Als Erzbösewicht Doctor Who liefert derweil Hideyo Amamoto (unter Eisei Amamoto geführt) mit schlechtem Gebiss ein beträchtliches, in Arbeiten wie King-Kong – Frankensteins Sohn jedoch gut aufgehobenes Overacting ab. Wenn ich mich nicht verhört habe, wird er in der vorliegenden deutschen Fassung übrigens von Gerd Martienzen synchronisiert, der später Klaus Kinski im Jahrhundertwerk Aguirre – Der Zorn Gottes seine Stimme lieh. Nicht minder wichtig sind schließlich auch hier die Männer in den Monstersuits: „Kingukongu“ wird vom routinierten Godzilla-Darsteller Haruo Nakajima (dreizehn Jahre zuvor schon im Ur-Godzilla mit von der Partie) verkörpert, während Yû Sekita den Gorosaurus übernommen hat und auch im „Blech“-Anzug Mechanikongs steckt. Für den Score war sich zu guter Letzt wieder einmal Meister Akira Ifukube nicht zu schade und hat die Sache eindeutig ernst genommen – seine Musik ist abwechslungsreich, beinhaltet sowohl vertraut martialische Kaijū-Eiga-Klänge als auch emotionale Passagen und ein paar kleine Experimente: Das beständige Piepsen, das Mechanikongs Auftritte begleitet, kann durchaus dem Score zugeordnet werden.
Damit haben wir also ganz eindeutig einen der schönsten Godzilla-Filme ohne Godzilla: Ishirô Hondas King-Kong – Frankensteins Sohn ist ein wunderbarer alter Kaijū Eiga, der mit brauchbaren menschlichen Mitwirkenden, genügend Zeit für seinen Titelhelden, einem der beklopptesten Tōhō-Monster ever (Mechanikong ...), viel Charme und einer beglückend absurden Handlung für beste Unterhaltung sorgt – so man denn solchem alten Nippon-Trash aufgeschlossen gegenübersteht. Es wäre schön gewesen, die japanische Originalfassung, also den ungeschnittenen Film zu sehen, aber man kann nicht alles haben – die Freude darüber, überhaupt eine Fassung dieser Kaijū-Perle sehen zu dürfen, und sei es nur eine der gekürzten, war zumindest bei mir noch immer groß genug. Unabhängig davon gilt: Die Welt wäre ärmer ohne Unfug wie King-Kong – Frankensteins Sohn.
Gute 8 von 10 Punkten aus subjektiver Sicht, objektiv müssen gute 5 reichen.