GUILA, FRANKENSTEINS TEUFELSEI
aka THE X FROM OUTER SPACE
Kazui Nihonmatsu
Japan 1967
Vorsicht, die folgende Kritik enthält Inhaltsangaben, die man als SPOILER interpretieren könnte!
Der japanische Monsterfilm, in seiner Heimat Kaiju Eiga genannt, erlebte in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts seine große Blütezeit. Das Filmstudio Toho produzierte fast jährlich einen Godzilla-Streifen und darüber hinaus eine ganze Reihe anderer Genreklassiker, wie Frankenstein, der Schrecken mit dem Affengesicht oder Mothra bedroht die Welt. Konkurrenzunternehmen Daiei etablierte derweil erfolgreich die Riesenschildkröte Gamera. Ihren Scheitelpunkt erreichte die Monsterwelle im Jahr 1967, als auch die anderen bedeutenden Studios versuchten, sich ihren Anteil am immer noch einträglichen Geschäft zu sichern. Nikkatsu wartete in Gappa - Frankensteins fliegende Monster mit gigantischen Vögeln auf und Shochiku schickte das im Folgenden etwas näher beschriebene Ungetüm Guilala ins Rennen. Selbst in Südkorea versuchte man sich an einem entsprechenden Projekt und schuf mit Yongary einen denkwürdigen Trash-Heuler. Aber gerade die in diesem Jahr veröffentlichten Filme läuteten letztendlich den Niedergang des Kaiju Eiga ein, trieben sie doch nicht nur die allgemeine Qualität des Genres, sondern auch die Anzahl und das Durchschnittsalter der Kinobesucher rasant in den Keller. Altmeister Godzilla hatte in Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn den wohl infantilsten Auftritt seiner fünfzigjährigen Karriere und die Daiei-Schildkröte begann in Gamera gegen Gaos ihren Abstieg zum gutherzigen Kinderfreund. Der Kaiju Eiga war fast vollends zum grotesken Kaspertheater verkommen.
Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet ist diese Entwicklung jedoch kein Anlass zu Ärger und Verbitterung. Wer eine Schwäche für unfreiwilligen Humor und Trash der sympathischen Art hat, sollte den meisten der oben genannten Werke sogar mit aufrichtiger Freude begegnen. Das skurrilste und amüsanteste unter ihnen ist neben der erwähnten Godzilla-Posse Kazui Nihonmatsus Guila, Frankensteins Teufelsei, der erste und bezeichnenderweise auch letzte Monsterfilm, den das Studio Shochiku auf die arglose Menschheit losließ.
INHALT: Die Weltraumbehörde FAFC hat im erdnahen Kosmos, genauer gesagt auf dem Weg zum Mars, bereits mehrere Raumschiffe verloren, wofür vermutlich ein paar UFOs verantwortlich sind, die sich in dieser Gegend ungestört herumtreiben. Das hindert allerdings niemanden daran, ein weiteres Raumschiff mit dem originellen Namen AAB Gamma (in der deutschen Synchro AB Gamma) auf den Weg zum Roten Planeten zu schicken, bestückt mit dem neuen atomaren Supertreibstoff XTU 249 und vier offenbar lebensmüden Astronauten. Der Chef der Weltraumbehörde versichert diesen noch, dass er gerade nachgeschaut hat, ob die Kabine durch das neue Wunderantriebsmittel eventuell radioaktiv verseucht ist (man kann ja nie wissen bei diesen neuen atomaren Treibstoffen ...), und schon geht die Reise los.
Während die AAB Gamma bereits bedenklich schlingernd ihren Kurs verfolgt, macht man sich im Kontrollzentrum noch einmal ganz entspannt ein paar Gedanken darüber, warum die Vorgängermissionen so verlustreich gescheitert sind. Waren es vielleicht Konstruktionsfehler (könnte man ja bei Gelegenheit mal überprüfen ...) oder doch die UFOs?
Nun, der Film wäre kein „utopischer Thriller der Superklasse" (Werbeslogan aus der Zeit der deutschen Kinoveröffentlichung), wenn die Reise der AAB Gamma reibungslos verlaufen würde. Die Bordbiologin stellt schon bald eine erhöhte Radioaktivität im Weltall fest und der Funker berichtet mit einem Telefonhörer in der Hand, dass die Verbindung zur Erde zusammengebrochen ist. Kurz darauf taucht ein matt leuchtendes Stück Kleingebäck neben dem Raumschiff auf. Im Gegensatz zum entgeisterten Zuschauer identifizieren es die Marsreisenden ohne größere Verwunderung als UFO. Sie empfinden die unerwünschte Annäherung der Aliens als Affront und beschließen einhellig, den Störenfrieden ein besseres Benehmen beizubringen. Man nimmt Kurs auf das fremde Flugobjekt, welches daraufhin aber einen Gang hochschaltet und in den Tiefen des Universums verschwindet. Da die AAB Gamma bei ihrem tollkühnen Angriff auf die Außerirdischen vom rechten Weg abgekommen ist und sich der Bordarzt nach all dem Stress nicht mehr wohlfühlt, entschließt man sich zu einer Notlandung auf dem Mond, der glücklicherweise gleich in der Nähe ist und der Besatzung ausreichend Gelegenheit bietet, sich ein wenig zu erholen. Nach dem Genuss stark überdimensionierter „Mondäpfel", einem Bad in „künstlichem Wasser" sowie dem Austausch des Bordarztes steht man wieder für neue Heldentaten zur Verfügung.
Solche scheinen auch nötig zu sein, denn seitens der FAFC drängt man zur Fortsetzung der Mission, obwohl man unverhohlen einräumt, dass es Schwierigkeiten in Form von „Störungen durch Meteore" geben wird. Ein nennenswertes Interesse an der Gesundheit der Astronauten ist also nach wie vor nicht zu erkennen.
Diese kommen während des Weiterflugs auch nicht einmal dazu, einen gerade begonnenen Disput über die Qualität der Bordmahlzeiten auf epische Länge auszudehnen, sondern sehen ihr Raumschiff sehr bald durch zahlreiche kleine Lichtpünktchen gefährdet, bei welchen es sich um die angekündigten Meteore handeln soll. Einer von ihnen hinterlässt ein faustgroßes Loch in der Bordwand, welches aber mithilfe eines prähistorischen Schweißgeräts (aus dem Bordmuseum?) wieder hinlänglich verschlossen werden kann. Die Aufregung hat sich noch nicht gelegt, als schon wieder eins der lästigen Törtchen, die den Außerirdischen als Raumfahrzeuge dienen, aufkreuzt. Dieses Mal werden die Aliens sogar frech und spielen ein wenig mit elektromagnetischer Kraft herum. Die AAB Gamma wird von ihnen angezogen und ist manövrierunfähig. Lange macht das aber auch keinen Spaß, und so verschwinden die kosmischen Schelme bald wieder in Richtung Mars. Der Funkkontakt zur FAFC ist inzwischen auch wieder einmal abgebrochen und man macht sich auf dem Mond Gedanken über die Entsendung einer Rettungsmannschaft, wobei man immerhin in Betracht zieht, dass das eventuell noch mehr Opfer fordern könnte.
Zu allem Überfluss stellt man unterdessen auf der AAB Gamma einen Triebwerksschaden und eine Fehlfunktion der Treibstoffzufuhr fest. Fast im gleichen Augenblick entdeckt die stets aufmerksame Bordbiologin am Heck des Raumschiffs eine rasierschaumartige Masse, die dort nicht hingehört und folglich außerirdische Materie sein muss. Als hätte man gerade keine anderen Sorgen, begeben sich Kommandant und Biologin sofort hinaus und holen eine Probe davon, die aussieht wie ein Thüringer Kloß mit eingebautem Glühlämpchen, an Bord.
Inzwischen hat man sich auch auf dem Mond über alle Bedenken hinweggesetzt und eine Rettungsrakete auf die Reise geschickt. Die furchtlosen Helfer erreichen im Handumdrehen ihr Ziel und können der Besatzung der AAB Gamma einen Blechkoffer mit neuem XTU 249 übergeben. Da sich die Schäden an Triebwerk und Treibstoffzufuhr in der Zwischenzeit offenbar von selbst behoben haben, kann man unverzüglich die Rückreise zur Erde antreten. Hier wird die eingesammelte fremde Substanz zur eingehenden Untersuchung in ein Labor gebracht.
Bevor man aber irgendetwas untersucht, wird Bilanz gezogen. In deutlicher Verklärung der Tatsachen wertet die FAFC das Unternehmen als Erfolg, und ein solcher muss natürlich entsprechend gefeiert werden. Während man kurz darauf gemütlich bei dem einen oder anderen Gläschen und entspannter Konversation zusammensitzt, macht die außerirdische Materie derweil, was außerirdische Materie eben so macht, wenn sie gelangweilt in einem japanischen Labor herumliegt: Sie verwandelt sich in ein Monster. In diesem Fall handelt es sich um einen sechzig Meter hohen, von Beginn an übel gelaunten und unaufhörlich brüllenden graugrünen Koloss, der zumindest im oberen Körperbereich frappierend an ein frisch gerupftes Suppenhuhn erinnert und sich ohne Umschweife daranmacht, den Film nun vollends der Lächerlichkeit preiszugeben ...
Das Riesenechsen-Huhn, welchem ganz beiläufig der seltsame Name Guilala verliehen wurde, kennt sich in Japan scheinbar recht gut aus, denn es bewegt sich geradlinig und energisch auf das zumindest für Monster mit destruktiven Absichten interessanteste Ziel des Landes zu: Tokio. Auf dem Weg dorthin zerstört es Dörfer, Städte, Industriegebiete und Hafenanlagen, wobei es sich von Angriffen mit konventionellen Waffen nur mäßig beeindruckt zeigt. Es müssen also außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen werden, um das Ungeheuer zu stoppen. Hilfe verheißen die Reste der außerirdischen Substanz, die noch im Labor verblieben sind und nun eingehend auf ihre Monsterabwehrkräfte untersucht werden sollen. Die Normalsterblichen auf ewig verborgene innere Logik des Films verlangt allerdings, dass derartige Forschungsarbeiten auf dem Mond durchgeführt werden müssen. Folglich bekommt der Erdtrabant erneut Besuch von der AAB Gamma ...
Während Guilala weiterhin fleißig Düsenjäger vom Himmel pflückt, Autobahnen schreddert, Hochspannungsmasten entwurzelt und größere Frachtschiffe in Fabriken wirft, gelingt der nimmermüden Biologin unter Nutzung der entdeckungsfördernden Mondbedingungen die Synthese des „Elements" Guilalanium (!), welches nicht nur das gute alte Periodensystem aufs Originellste ergänzt, sondern auch dem irdischen Hühnerechsenspuk ein Ende bereiten soll. Praktischerweise finden sich auch gleich größere Mengen davon im Mondgestein (das vorher sicherlich noch nie von irgendjemandem untersucht wurde ...). Hurtig ist eine Blechkiste damit gefüllt und es geht zurück zur Erde. Zwar stört das Guilalanium unterwegs die Funktion wichtiger Bordsysteme, was durch Messungen mit einem „Guilameter" (!) bestätigt wird, aber man erreicht trotz dieses neuerlichen Ungemachs wohlbehalten den Heimatplaneten, wo nunmehr alle Zutaten für einen groß angelegten Showdown vorhanden sind.
Wird es gelingen, dem Treiben des ungebetenen Gastes Einhalt zu gebieten? Immerhin geht es um die Zukunft eines Landes, dem die Menschheit Filme wie diesen zu verdanken hat ...
KRITIK: „Japans Trickzauberer schufen wieder ein Super-Monster mit echten Schocker-Qualitäten!" Mit diesen vollmundigen Worten wurde Guila, Frankensteins Teufelsei anlässlich der deutschen Kinopremiere im Sommer 1972 angekündigt. Dass die Zuschauer nach der Vorstellung diese Ansicht teilten, ist kaum anzunehmen. Vielmehr dürfte ein Großteil derer, die sich schlotternd und zähneklappernd in die Dunkelheit der Vorführungssäle wagten, ziemlich verärgert oder mit Lachtränen in den Augen wieder herausgekommen sein, denn der Streifen ist nichts anderes als eine Trash-Granate gewaltigen Kalibers.
Der Unfug beginnt schon beim deutschen Titel: Das Monster heißt nicht Guila, und mit Frankenstein hat das Ganze natürlich absolut nichts zu tun. Die Verleihfirmen vertraten zur damaligen Zeit die Ansicht, dass die bloße Erwähnung dieses Namens die Menge der zahlenden Zuschauer mindestens verdoppelt und brachten ihn kaltblütig in jedem wehrlosen Filmtitel unter. Auch im vorliegenden Fall schreckte man nicht davor zurück, das muntere Treiben in ein völlig falsches Licht zu rücken und mit Werbesprüchen wie „So schön hat Frankenstein selten gegruselt" sogar noch einmal kräftig nachzulegen.
Den ersten schweren Dämpfer bekommt der gänsehautlüsterne Betrachter bereits bei der unglaublichen Titelmusik. Das mit viel Schwung zum Vorspann geträllerte Lied lässt eher an eine ausgelassene Komödie denken als an den möglicherweise erwarteten nächtlichen Grusler. Aber so abwegig ist dieser Gedanke gar nicht, denn was man hier knapp neunzig Minuten lang vorgesetzt bekommt, ist in der Tat überwiegend schreiend komisch und zu keinem Zeitpunkt auch nur halb so beängstigend wie ein durchschnittliches Märchen der Grimm-Brüder. Im Bonusmaterial der Anolis-DVD kommt eine japanische Verehrerin der Hühnerechse zu Wort und plaudert aus ihrer Kindheit. So berichtet sie, dass ihre Eltern ohne Rücksicht auf pädagogische Grundwerte die Guilala-Kassette in den Videorecorder geschoben haben, sobald sie einmal traurig war. Daneben erfährt man, dass es kein außergewöhnlicher Anblick war, wenn im Kindergarten schon die Kleinsten mit Guilala-Kostümen durch die Gegend gerannt sind. Allein das spricht Bände ...
Der Haken daran ist, dass es so eigentlich nicht gemeint war. Guila, Frankensteins Teufelsei folgt einem durchaus ernst angelegten Konzept, das aber fast pausenlos durch gravierende Logikfehler, schwachsinnige Dialoge und lächerliche Bilder ausgehebelt wird. Vor allem über das Skript hätte man bei Shochiku einmal in Ruhe reden müssen. Der Handlung mangelt es über weite Strecken an brauchbaren Einfällen und vieles dreht sich im Kreis. Allein daran, dass sich manche Situationen fast deckungsgleich wiederholen, kann man erkennen, mit wie viel Mühe der Film auf die notwendige Länge gedehnt wurde. Wenn aber doch einmal eine frische Idee aufkreuzt, dann ist sie zumeist derart absurd und jenseits aller Vernunft, dass leise Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit ihrer Urheber aufkeimen. Man muss sich gewiss nicht für jeden massentauglichen Monsterschinken von drei Nobelpreisträgern und einer Busladung hochkarätiger Filmwissenschaftler beraten lassen, aber für ein paar nüchterne Überlegungen im Vorfeld hätte schon ein Stündchen übrig sein sollen.
Der Unterhaltungswert des Streifens wird freilich gerade durch all diese Unzulänglichkeiten ganz enorm erhöht. Im Grunde genommen sollten sie sogar herzlich willkommen sein, denn aus der Sicht des Kaiju-Eiga-Fans krankt der Film an einem wirklich ernsten Problem: Er hält sich viel zu lange bei der Vorrede auf. Es dauert geschlagene 45 Minuten, bis man das sehnlichst erwartete Monster endlich einmal zu Gesicht bekommt. Das wäre angesichts der dürftigen Weltraumhandlung eine halbe Ewigkeit, wenn man nicht durch das reichhaltige Angebot an unfreiwilliger Komik bestens bei Laune gehalten würde. Ob es bemitleidenswerte Trickeffekte, bizarre wissenschaftlich-technische Details oder abenteuerliche Wortwechsel sind - es gibt fast unablässig etwas zum Staunen und Lachen, wenn man an Missgriffen dieser Art Gefallen findet.
In der zweiten Hälfte folgt das Werk ziemlich geradlinig seinen Vorbildern. Guilala ist ein klassisches Man-in-Suit-Monster, dessen Gummikostüm ganz gewiss zu den lächerlichsten Schöpfungen der gesamten Kaiju-Eiga-Geschichte zählt. Hervorstechend ist die Gestaltung des Kopfes mit Hühnerschnabel, ausladenden Wangenbereichen, rot leuchtenden Plastik-Facettenaugen, holzkullergekrönten Antennen und einer Art Tröte auf der Stirn. Die Gliedmaßen wirken etwas unproportioniert und sind so ungeschickt gestaltet, dass man in manchen Szenen den Eindruck hat, sie würden jeden Moment abfallen. Auf diese Weise von den Requisiteuren ausgerüstet stürzt sich das Monster unverzüglich auf eine ganze Reihe genretypischer Modellbausiedlungen und zerlegt sie in handliche und problemlos zu entsorgende Einzelteile. Ausufernde Monsterprügeleien wie in den Godzilla-Filmen dieser Ära kann man leider nicht bewundern, da Guilala keine anderen Gegner als die menschlichen hat und sich weitgehend mit Spielzeugpanzern und -flugzeugen die Zeit vertreiben muss. Von diesen wird er jedoch ausreichend beschäftigt und hat wahrlich alle Pranken voll zu tun, sich des leidigen Silvesterfeuerwerks zu erwehren, mit dem sie unablässig gegen ihn vorgehen. Vor langer Weile muss man sich also nicht fürchten.
Die eingesetzten Landschafts- und Städtemodelle erreichen nicht ganz den Detailreichtum, den man aus vergleichbaren Toho-Filmen kennt, sehen aber ganz passabel aus und erfüllen hinlänglich ihren traurigen Zweck. Flugzeuge, Panzer und Autos können ihre Herkunft dagegen zu keiner Zeit verbergen und sind erschreckend deutlich als Plastikspielzeug auszumachen. Auch die Weltraumsets riechen verdächtig nach einer Großbestellung bei Revell, wobei die AAB Gamma mitunter sogar etwas Rührendes hat, wenn sie mit ihren blassblauen Antriebsflämmchen gemächlich durchs Weltall eiert. Natürlich gibt es auch ein paar Ausrutscher der gröberen Art: Ein Schiff wird von Guilala an einem deutlich sichtbaren Seil in eine Fabrik geschwenkt, die mit blinkenden Glühlämpchen bestückte außerirdische Materie ist oberpeinlich und die UFOs hätte man wirklich nicht beim Bäcker um die Ecke kaufen sollen.
Auf schauspielerische Glanzleistungen muss man vollständig verzichten, aber genau genommen ist das keine große Überraschung. Die Mimen hatten inmitten dieses kunterbunten Schwachsinns ohnehin nicht die geringste Chance, sich ernsthaft zu profilieren. Interessanterweise hat man mit Peggy Neal, Franz Gruber und Mike Danning drei Ausländer für wichtige Rollen engagiert, vermutlich, um sich eine bessere Ausgangsposition für die Eroberung des internationalen Marktes zu sichern. Eine gute Idee war das freilich nicht: Alle drei wirken in dieser ansonsten so typisch japanischen Produktion völlig deplatziert und lassen überdies auch jegliches Talent schmerzlich vermissen.
Ein dickes Dankeschön geht zu guter Letzt an Anolis Entertainment, wo man diese in Europa wenig bekannte Kostbarkeit nicht nur ausgegraben, sondern im Dezember 2010 auch exzellent remastert und liebevoll ausgestattet auf DVD veröffentlicht hat. Die Scheibe ist in der edlen Kaiju-Classics-Reihe erschienen und auf 2000 Exemplare limitiert. Das hat natürlich seinen stolzen Preis, aber dem aufrechten Kaiju-Eiga-Fan dürfte für diese ganz besondere Anschaffung kein Euro zu schade sein.
FAZIT: Guila, Frankensteins Teufelsei muss mit Vorsicht genossen werden: Wer auch nur den geringsten Wert auf ernst zu nehmende Unterhaltung legt, ist hier buchstäblich im falschen Film. Kazui Nihonmatsu serviert seinem Publikum erstaunlich unbekümmert ein reichhaltiges Trash-Menü, dessen Zutaten von eher harmlosen Ungereimtheiten bis zu himmelschreienden inhaltlichen und tricktechnischen Entgleisungen reichen. Somit ist der Streifen vorrangig jenen Filmfreunden zu empfehlen, die den Kaiju Eiga auch oder gerade wegen seiner skurrilen Auswüchse schätzen. Obgleich er diesbezüglich nicht ganz an die großen Godzilla-Klassiker oder legendäre Hongkong-Heuler wie The Infra Superman heranreicht, hat er doch ein beträchtliches Kultpotenzial und sollte in keiner anständigen Sammlung ostasiatischer Monsterkuriositäten fehlen.
7.5 von 10 Punkten aus der Sicht des Trash-Fans. Über eine Bewertung nach objektiven Kriterien will ich lieber nicht nachdenken ...