Montevideo 1993: die Nacht ist stürmisch, im Kino "Cine Opera" läuft ein Horrorfilm. Ana, die Tochter des Filmvorführers, hat ausnahmsweise die Nachtschicht für ihren Vater übernommen. Eigentlich kein Job, der besonders aufregend ist, eher das Gegenteil. Doch in dieser Nacht kann von Ruhe und gediegener Langeweile nicht die Rede sein: Ein erbarmungsloser Killer hat für die Vorstellung ein Ticket gelöst! Im Schutz der Dunkelheit des Kinosaals lässt der blutrünstige Mörder seinem Drang freien Lauf und metzelt, was das Zeug hält. Schon bald muss Ana nicht nur um ihr Überleben kämpfen, sondern auch versuchen, möglichst vielen Besuchern einen grausamen Tod zu ersparen (Zitat: Presstext PIERROT LE FOU).
Eigentlich müsste „Red Screening“ einfach nur „Amarillo“ – was gelb auf spanisch bedeutet – heißen, denn „Red Screening“ ist eine tiefe Verbeugung vor den Giallo-Filmen der 1970/80erer-Jahre und in Uruguay, dem Herkunftsland dieser unverkennbar Dario Argento gewidmeten Hommage, spricht man nun mal spanisch. Sei es der schwarzbehandschuhte Mörder, das eine oder andere Plakat im Kino-Foyer, der eindringliche Soundtrack oder aber der Hang zu genüsslich ausgewalzten Brutalitäten: alles schreit nach dem alten italienischen Maestro des Thriller-Fachs und seinen (zumeist eher frühen) Filmen bis hin zu „Sleepless“. Und noch einem weithin beliebten Klassiker des Horrorfilms wird hier motivisch gehuldigt: Bigas Lunas „Im Augenblick der Angst“, denn Augen und eben auch ein Kino spielen ebenso in „Red Screening“ quasi gewisse Hauptrollen. Überhaupt verströmt dieses alte Lichtspielhaus in Montevideo eine ebenso glamourös-unheimliche Aura wie die Drehorte / Bauten längst vergangener Hammer-Films-Zeiten – was wiederum dadurch gespiegelt wird, dass als Film-im-Film-Ereignis das uruguayanische Mary-Shelley-Vehikel „Frankenstein - Day Of The Beast“ von Ricardo Islas läuft, der hier den Killer spielen darf. Was für eine gehaltvolle Verquickung von Inside-Jokes. Auch wenn die Handlung zu Maximiliano Contentis Retro-Lichtspielhaus-Splatter-Mär nicht gerade sehr ausgefeilt und überraschungsreich daherkommt, so funktioniert er doch sowohl wie bereits beschrieben auf der Meta-Ebene wie eben auch als oberflächlich-spannendes Slasher-Filmchen, das seine handwerklich gleichsam blutigen wie versierten Special-Make-Up-Effects lustvoll zur Schau stellt. Fazit: ein Fan-Fest ohne wenn und aber. Bildformat: 2,35:1. Des weitren mit Luciana Grasso, Franco Duran, Julieta Spinelli u. a.
Seit dem 23. April 2021 als limitiertes und serialisiertes Mediabook – die #23 der UNCUT-Reihe – sowie digital erhältlich.
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