Talib Ben Hassi, ein junger Araber, wird im dänischen Polizeigewahrsam misshandelt und stirbt kurze Zeit später. Der Streifenpolizist Jens Høyer, der als letzter zu diesem Vorfall aussagen muss und alle bisherigen Vertuschungsversuche seiner Kollegen ins Wanken bringen könnte, schiebt Dienst mit dem für seine Brutalität bekannten Mike Andersen und ahnt schon, dass das Ärger geben wird, denn die Lage in dem zumeist von Ausländern bewohnten labyrinthischen Stadtviertel Svalegarden ist sehr angespannt. Als Andersen den Jugendlichen Amos Al-Shami wegen einer Nichtigkeit auf der Straße erniedrigt und verhaftet, eskaliert die Situation und die beiden Polizisten werden zu Gejagten...
Die Polizei als eingeschworene Gemeinschaft, in der man Probleme unter den Tisch kehrt oder bestenfalls unter sich löst. Das Genre des reinen Polizeifilms, bei dem mal mehr bzw. mal weniger kritisch ein Blick hinter die Kulissen des staatlichen Machtapparats geworfen wird, hat eine lange Tradition und in Europa haben sich bislang besonders die Franzosen und Italiener bei ihrer Bewahrung hervorgetan. Nun stellen sich ihnen die Dänen Anders Ølholm und Frederik Louis Hviid mit ihrem realitätsnah inszenierten und geschriebenen „Shorta – Das Gesetz der Straße“ (Shorta ist ein arabischer Ausdruck für Polizei) zur Seite und beweisen einmal mehr, dass es möglich ist, einen Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung zu vollziehen. Während man aber beispielsweise hierzulande oder südlich der Alpen beim Polizeifilm eher gerne mal das Hauptaugenmerk auf Korruption legt, zeigt „Shorta – Das Gesetz der Straße“ jedoch auf, dass uniformierter Rassismus und deren Folgen eben nicht nur ein Problem der Amerikaner ist. Ob nun nächtelange Proteste in Folge der „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA, die heftigen Unruhen in den namenlosen Banlieues von Paris oder eben im (fiktionalen) Ghetto von Svalegarden im beschaulichen Dänemark – die Bilder sind auf frappierende Weise austauschbar aber weiterhin in ihrer Aussage erschreckend und unter die Haut gehend. Der Spießrutenlauf, den die beiden Polizisten hier überleben müssen, erinnert in Teilen an die Tour de Force aus „End Of Watch“, gibt sich aber, was die Machart angeht, weitaus zugänglicher weil budgetbedingt konventioneller erzählt. Überraschend an diesem düsteren, gut gespielten Polizeifilm ist aber, dass Anders Ølholm und Frederik Louis Hviid keine klare Stellung beziehen (wollen) und eher die Komplexität menschlichen Verhaltens herausstellen, ohne dabei klar zwischen Gut und Böse zu trennen. Sehenswert. Bildformat: 2,35:1. Mit Simon Sears, Jacob Lohmann, Tarek Zayat u. a.
Seit 27. Mai 2021 auf Blu-ray und DVD erhältlich.
© Selbstverlag Frank Trebbin