Franks Bewertung

starstarstar / 2

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

19.04.2021
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Review

von Frank Trebbin

Mit gerade mal 27 Jahren gründet der eigentlich diesbezüglich völlig unbeleckte Ross Ullbricht 2011 einen an eBay angelehnten Darknet-Marktplatz, bei dem Drogen jedweder Art und nach Kundenbewertungen verhökert werden. In Anlehnung an den berühmten Handelsweg nennt er seine schnell immer beliebter werdende Seite „Silk Road“. Obwohl er glaubt, sämtliche Tricks zu beherrschen, wie er seinen Spuren im Netz verwischt, kommt ihm ein eben erst aus dem Drogenentzug entlassener DEA-Agent mit quasi ganz alltäglichen Ermittlungsmethoden auf die Spur. Doch weil Agent Bowden, für den ein Computer eigentlich ein Buch mit sieben Siegeln ist, von seinen jungen Kollegen nur milde belächelt wird, heckt er einen ganz eigenen Plan aus…

Auch wenn sich der Kurzinhalt nach einem wie auch immer gearteten Cop-Thriller anhört, so will doch der auf einem True-Crime-Artikel aus dem Rolling Stone Magazin basierende „Silk Road“ mehr sein als nur die übliche Krimi-Unterhaltung. Nein, Tiller Russells Film, der die Jagd eines abgehalfterten FBI-Agenten auf einen Cyber-Mastermind kaum wirklich vordergründig spannend ausschlachtet, nutzt die letztlich in doppelter Hinsicht doch dann sehr biedere, weil eben moralisch korrekt endende crime-doesn’t-pay-Geschichte, um einen galligen Blick auf die amerikanische Ellenbogen-Gesellschafft zu werfen, bei der langjährige Berufserfahrungen mit einem Mausklick von wie aus dem Ei gepellt wirkenden Jüngeren hinweggefegt werden und Kollegialität ein Fremdwort ist. Und wenn sich dann Darknet-Pionier Ross Ullbricht aufschwingt, sich als den einzigen wirklichen Freigeist Amerikas im Sinne der alten Pioniere zu feiern, dann ahnt man schon, dass der abgehalfterte FBI-Agent Bowden nicht etwa nur als deutlicher Dinosaurier-erledigt-einen-letzten-Job-Gegenentwurf ins Spiel gekommen ist sondern als die eigentlich tragische Figur dieses Dramas, das natürlich nicht so ausgeht wie üblich. Jason Clarke nutzt dann auch die Tiefe dieser Figur aus, um mit seinen schauspielerischen Leistungen gegenüber seinem blassen Gegenspieler zu brillieren. Weil „Silk Road“ eindeutig eben nicht als handelsüblicher Thriller funktioniert, bei dem die Fäuste und Waffen sprechen, sollte man sich möglichst unvorbereitet auf den Film einlassen, der zwar ohne rechte Höhepunkte daherkommt aber nie langweilig ist. Bildformat: 2,39:1. Des weiteren mit Nick Robinson, Jennifer Yun, Jimmi Simpson, Darrell Britt-Gibson u. a.


Ab 23.04.2021 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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