Die Menschenrechtsanwältin Nancy Hollander erfährt eines Tages von dem Fall des Mauretaniers Mohamedou Ould Slahi, der seit Jahren auf dem Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba von der US-Regierung festgehalten wird, weil man ihn für einen der Drahtzieher der Terroranschläge vom 11.09.2001 in New York hält. Eine Anklage gab es bislang aber nicht, so dass Hollander aufgrund einer Supreme-Court-Entscheidung gute Chancen sieht, Slahi, von dessen Unschuld sie nicht unbedingt überzeugt ist, aus rein formalen Gründen freizubekommen. Derweil wird Oberstleutnant Stuart Couch damit beauftragt, Slahi vor Gericht und auf den elektrischen Stuhl zu bringen, denn in den Bergen von Unterlagen, die die CIA über Slahi vorhält, finden sich auch Geständnisse des Gefangenen...
Mohamedou Ould Slahi – dieser Name ist zur Zeit (fast) in aller Munde. Ob nun große Artikel der Journaille oder aber aufwendige Dokumenationen im öffentlich-rechtlichen TV – der Fall des am längsten in Guantanamo inhaftieren und am häufigsten gefolterten mauretanischen Staatsangehörigen Slahi wird quasi zur 20jährigen Wiederkehr des 9/11-Anschlags allerorten gerne aufgerollt. Und nun eben also auch auch auf der großen Leinwand. Doch Kevin MacDonalds „Der Mauretanier“ – mit Jodie Foster und Benedict Cumberbatch zugkräftig besetzt – will etwas mehr sein als nur eine dröge Lehrstunde über ein dunkles Kapitel der jüngeren US-Justiz-Geschichte. So bedient sich MacDonald z. B. ganz oft der legitimen Mittel des Thriller-Kinos und lässt sein Publikum über gewisse Strecken vage im Ungewissen, wem eigentlich die Sympathien zufliegen sollen. Ob Slahi, der nachweislich eine Al-Kaida-Ausbildung absolvierte und sich auffallend freundlich gegenüber seinen Peinigern benimmt, wirklich absolut unschuldig ist, bleibt dabei fast schon unbeantwortet und schwebt lediglich als diffuse Ahnung über der nach allen Regeln der Hollywoodschen Unterhaltungskunst hochwertigen Verfilmung der als „Die Guantanamo Tagebücher“ bekannt gewordenen literarischen Vorlage. Doch das ist auch gar nicht die Frage in diesem dennoch sehr wichtigen und aufrüttelnden, stark gespieltem Film, denn in „Der Mauretanier“ soll nicht etwa Slahi als Unschuldsopfer glorifiziert sondern ein unmenschliches Folter- und Inhaftierungssystem, das gar keine oder bestenfalls nur ganz eigene Regeln kennt, angeklagt werden. Und das gelingt eben hier auf ziemlich eindringliche Weise - ohne dass man dazu allzu viele schockierende Bilder über Folter und Gewalt zu bemühen braucht. Bildformat: 2,35:1 und in den mitunter beklemmenden, mit Handkamera gefilmten, an harsche Home-Videos erinnernden Rückblenden 1,33:1. Des weiteren mit Tahar Rahim, Shailene Woodley, Corey Johnson u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin