Meine Reviews:
Vorab, wie mit einem Mod per PN besprochen: Die Urheberrechte dieses Textes bleiben einzig bei mir. Sollten Änderungen vorgenommen werden (müssen), bitte eine Info an mich.
Spoiler, Vergleiche zum Vorgänger und Anspielungen, die man ggf. nur versteht, wenn man den Film bereits gesehen hat.
Seit Jahr und Tag liebe ich "harte" Horrorfilme. Wobei ich diese Aussage doch lieber einschränken / ergänzen möchte: Das Drumherum muss auch passen. Amateur-, Trash- & Billig-Produktionen sind und waren nie meins. Dies sieht man auch gut an meinem oben verlinkten Review zu Savage Vengeance (1993).
Zu den Top-"Brutalo"-Werken, die mir ad hoc einfallen, gehören die Beiträge zur neuen französischen Horrorfilmwelle a la High Tension (2003) & Inside (2007) oder etwa I Spit on Your Grave 1+2 (2010 + 2013) & Evil Dead (ebenfalls 2013). Aber auch Brutalotitel, wie Grotesque, A Serbian Film (beide 2009) + The Human Centipede II (2011), kann ich etwas abgewinnen; diese können jedoch mit den zuvor genannten Beispielen keinesfalls mithalten.
(2022) habe ich im Dezember 2022 mit zwei Freunden im Kino gesehen. Da haben wir ihn also - den aus meiner Sicht brutalsten Film, den ich je geschaut habe. Im Kino gabs vorab sogar einen Warnhinweis :D Aber wo landet dieser qualitativ / insgesamt? Nun denn...
Der Regisseur Damien Leone hat bereits den direkten Vorgänger Terrifier (2016) inszeniert. Hierin mordet sich der fiese und stets schweigsame Clown Art (David Howard Thornton) munter durch die Halloween-Nacht - mein Review ist hierzu ebenfalls oben verlinkt :) Die Fortsetzung schließt ans Ende des Erstlings an, beginnt mit einem saftigen Mord und geht eigene Wege im nächsten Jahr. Es werden immer wieder Bezügen zu Teil 1 eingestreut. Sienna (Lauren LaVera), ihr Bruder (Elliott Fullam), ihre beiden Freundinnen (Jenna Kanell + Catherine Corcoran) und weitere Personen sind die neuen Ziele des Mörderclowns.
„Heute Nacht wird was Schlimmes passieren...“
Terrifier 2 geht aber völlig anders vor als sein Vorgänger. War der 85 Minuten lange Teil 1 noch ein harter Horrorfilm mit wenigen amüsanten Einlagen und optisch im Stile eines 80er-Jahre-Slashers, paart Teil 2 eben diese Machart mit sehr viel verrückten, völlig überdreht auf lustig getrimmten Szenen. Dadurch erklärt sich auch die Laufzweit von 138 Minuten. Es werden dabei auch mehr Menschen ihr Leben lassen - und die Kamera hält voll drauf. Konsequent ist das Ganze allemal.
Zur Einordnung, falls jemand den Film nicht kennt - bildlich vorgestellt: Damien Leone schaute The Rocky Horror Picture Show (1975) und dachte sich, dies hoch 10" + Terrifier = Terrifier 2. Wenn beispielsweise in Scarface-Manier (1983) in einem Traum rumgeballert, während eine brennende Sängerin und erschossene Personen trällern, ist das eine Freakshow. Solche Szenen ziehen sich durch den gesamten Film. Was anfangs noch irgendwie anders wirkt, war bei der Erstsichtung auf Dauer eher störend. Denn leider, geht dadurch die Atmo & Spannung flöten. Ich haben mir den Film auf Blu-ray gegönnt und nach mehreren Sichtungen kann ich klar sagen, dass Terrifier 2 nun besser rüberkommt als seinerzeit im Kino. Man weiß einfach, worauf man sich einlässt und erwartet nicht mehr den Stil des Erstlings. Wenn sich eine Filmreihe entwickelt, ist dies nicht verkehrt. Bei der Erstsichtung hatte ich ehrlich gesagt nur 6/10 Punkten gegeben. Man sollte hier wissen, was einen erwartet, um nicht enttäuscht zu werden.
„Willkommen: Art, der Clown.“
Die Charaktere schwanken ein wenig zwischen sympathisch und Kanonenfutter. Der Star hier ist und bleibt aber Art. Der fiese Clown hat für mich das Zeug zur Genreikone. Da zeigt der "gelernte" Pantomime wieder einmal sehr überzeugend, was Grimassenschneiden und Mimikspiele bedeuten. Gerade in dieser Fortsetzung scheint die Nightmare-Reihe (1984 bis 1994) bzw. Freddy Krueger ein Vorbild gewesen zu sein. Nicht nur der massig eingestreute Humor, der oftmals auch ironisch-böse ist, auch die mystischen Anwandlungen, Unsterblichkeit, Feuer- sowie die "Geburt-"Szenen (extra nur angedeutet) usw. erinnerten mich stets an diese Horrorikone. Mal sehen, wie Arts Status in ein paar Dekaden sein wird.
Aber der Humor ist unterm Strich Nebensache. Terrifier 2 hält zig sadistisch-harte und sehr brutale Szenen parat. Hier wird nicht "normal" in Slashermanier gemordet, sondern Opfern Arme abgerissen, auf diese eingestochen, Haut vom Leib gerissen, Menschen ausgepeitscht und vieles mehr. In Filmen fallen Menschen bekanntlich nicht in Ohnmacht, wenn Sie zu starke Schmerzen erleiden, eigl. tödliche Wunden zugefügt bekommen oder massig Blut verlieren - wir kennen das / sehe wir also drüber hinweg, ok?! In Punkto Gewalt ist dies wirklich so krass, da muss ich an den Werbeslogan von o. g. Grotesque denken - abgewandelt: Im Vergleich hierzu wirken Saw (2004) & Hostel (2005) wie Kinderfilme (das "Saw-Dreirad" kommt natürlich auch wieder kurz vor). Mal ganz ehrlich, da dieser Film so mit FSK-Freigabe im Kino gezeigt werden kann, gibts abseits von thematisch bedingten Genres (etwa R&R) aus meiner Sicht keinen Grund jemals wieder einem Film die (Kino-)Freigabe wegen (selbstzweckhafter) Gewaltdarstellung / -verherrlichung zu versagen. Der Begriff Gewaltporno oder auch auch Voyeurismus treffen hier 100%ig zu.
„Bitte sagen Sie mir, dass das Kürbisgewürz ist.“
Optisch gibts dabei sowieso gar nichts zu meckern. Ob nun alles handgemacht ist, sei mal dahingestellt, aber die Effekte, Wunden, das Blut und all das drum herum sieht wirklich überzeugend echt (genug) aus. Spiel mit Licht und Schatten, Kamera hält drauf oder "Erschreckszenen" uns Co. machen das Gezeigt noch abwechslungsreicher, sodass keine Eintönigkeit oder Langeweile aufkommen. Harter Tobak und die dazu passende, musikalische Untermalung & die Geräuschkulisse wirken in den nicht albernen Szenen definitiv sehr bedrohlich. Hier blüht das / mein Horrorfilmherz auf... sofern einem das nicht zu sadistisch / übertrieben hart ist.
Zusätzliche Verweise auf andere Werke sind neben den bereits gelisteten natürlich vorhanden. Sowas mag ich als Filmfan immer sehr gerne und versüßt mir den Filmgenuss noch weiter. Nicht nur, dass die Handlung an Halloween spielt, ein totes Tier von einem (vermeintlich) gestörten Jungen gabs auch in Halloween (2007). Das Mädel hatte zeitweise etwas von der Roten Königin aus Resident Evil (2002), wie bei Scream (1996) kommt man durch die Terassentür und das Opfer läuft vor dem Killer die Treppe herauf & es waren mehrere S/W-Filme im TV zu bewundern. Wenn Wonder Woman im Prestige-Wassertank (2006) landet, gibt es auch was fürs Auge.
Fazit:
Terrifier 2 ist anders als der Vorgänger. Viel verrückt-freakige "Handlung", aber für sich genommen ebenfalls gelungen. In Punkto Gewalt geht man hier aufs Ganze. Cooler Killer, überzeugende(r) Optik sowie Sound und ein film / Erlebnis, das man so auch nicht alle Tage erlebt.
Qualität -> 08 von 10 Punkten
Unterhaltungsfaktor -> 08 von 10 Punkten
Kult(-potential) des Killers -> 10 von 10 Punkten
Gesamtwertung -> 08 von 10 Punkten
PS - Zwei Anmerkungen: