Nicht nur als Mann fürs Grobe, sondern auch für heikle Missionen empfiehlt sich der französische Spezialagent Adam Franco (Alban Lenoir), und so ist er dann auch die erste Wahl, als es gilt, das streng abgeschirmte Netzwerk eines afrikanischen Terroristen zu infiltrieren. Der Al Kaida nahestehende Islamist plant einen größeren Anschlag in Frankreich, zumindest legt dies ein abgehörtes konspiratives Telefonat nahe, weswegen Adam dringend weitere Informationen dazu beschaffen muß. Die erhält er am ehesten in unmittelbarer Umgebung von Gangsterboss Victor Pastore (Eric Cantona), der als Vertrauter des Terroristen gilt.
Ausgestattet mit einer belastungsfähigen Vita, die zum Großteil seinem bisherigen Lebenslauf entspricht, verdingt sich Alban, von einem Helfershelfer empfohlen, bei den schweren Jungs rund um Pastore. Zunächst jedoch darf er nur Kindermädchen für den ca. 8-jährigen Sohn spielen, dessen unter Druck stehender Vater weder Zeit noch Interesse für den Filius (und auch nicht für dessen Teenager-Schwester) hat. Nolens volens gerät der zurückhaltende Adam mittels einiger aufmunternder Sätze an den jungen Burschen dabei in die Rolle eines "großen Bruders", was Pastores Familie eher irritiert zur Kenntnis nimmt.
Daneben muß sich der stets beherrschte Neuling, der Konfrontationen vermeidet und eher vermittelnd auftritt, aber auch profilieren, wozu ein Banküberfall, bei dem er als Fahrer eingeteilt ist, Gelegenheit bietet: nach geglücktem Coup wird der Fluchtwagen von rivalisierenden Gangstern von der Straße gerammt, und es liegt plötzlich allein an Adam, die Sache im Sinne seines neuen Boss´ über die Bühne zu bringen...
Auch in der französischen Netflix-Produktion AKA wirbelt Hauptdarsteller Lenoir wieder einmal erwartungsgemäß seine Gegner durcheinander, nachdem er sich vorsichtig herangetastet hat - eine unbezwingbare Kampfmaschine, die selbst mit einer Kugel im Leib noch weitermacht. So kennt man ihn u.a. aus den beiden Verirrte Kugel-Streifen (2020 und 2022) und es war nur eine Frage der Zeit, wann der Action-Star wieder zuschlagen würde - diesmal hat er selbst am Drehbuch mitgeschrieben. Herausgekommen ist dabei ein trotz 2 Stunden Lauflänge durchaus kurzweiliger Undercover-Thriller, der zwar kaum neue Ideen einbringt, während er sich bei bewährten Vorbildern wie Jason Bourne oder auch John Wick bedient, dafür aber auch nicht viel falsch macht.
Während die meisten Kampfszenen sauber choreographiert sind, mag man sich höchstens etwas wundern, daß Adams Gegner allzu leicht zu Boden gehen, worüber man aber gerne hinwegsieht, da Lenoirs betont unprätentiöses Auftreten ihn schnell zu einem Sympathieträger werden lassen. Stirnrunzeln verursucht jedoch der Umstand, daß seine beiden, sich stets getarnt in seiner Nähe befindlichen Kollegen an den Abhörbändern dann ganz unvermittelt selbst bewaffnet eingreifen und den (ohnehin schon hohen) Bodycount weiter befeuern: ist man von den US-Vorbildern in dieser Form gar nicht gewohnt.
Damit sich die Handlung dann nicht zu eindimensional anfühlt, während Adam wie ein Bulldozer durch die Reihen der Gangster pflügt, hat das Drehbuch zum Schluß noch einen kleinen Plot Twist eingefügt, der dank einiger Politiker-Dialoge zuvor nicht ganz unerwartet kommt und dem Ganzen dann noch einen leicht kitschigen, aber politisch korrekten Touch verleiht.
Sei's drum, AKA bietet solide Kloppereien auf leicht überdurchschnittlichem Niveau mit einem gewohnt schlagkräftigen Alban Lenoir und macht Laune auf weitere Action-Abenteur mit dem auch diesmal unverbraucht und frisch wirkenden Franzosen: 7 Punkte.