Gut 2 Jahre sind vergangen, seit sich Privatdetektiv Sadik (Nejat Isler) mit Mama und junger Geliebter aufs Land zurückgezogen hatte. Nun jedoch fährt er alleine in seinem schwarzen Geländewagen auf einer geraden Straße, wo er sich allerdings plötzlich überschlägt. Von zwei anderen Fahrern aus dem Wrack gerettet wird der Verletzte zu einem lokalen Gangsterboss gebracht, mit dem er schon im ersten Teil (10 Tage eines guten Mannes) zu tun hatte: dieser benötigt wieder einmal die Dienste des Schnüfflers, der damit seine Schulden bei ihm abbauen soll. Gesucht wird ein gewisser Ferhat, und viel Zeit bleibt Sadik nicht, diesen aufzutreiben. Damit er nicht auf dumme Gedanken kommt, werden ihm zwei nicht sonderlich intelligente Handlanger beigestellt, die auf ihn aufpassen sollen.
Zur gleichen Zeit schneit bei Sadik die minderjährige Prostituierte Pinar (Ilayda Akdogan) herein, die den wortkargen Endvierziger erneut (siehe Teil 1) anhimmelt und sogleich ihre Dienste anbietet. Während der Detektiv ihre körperlichen Reize dezent zurückweist, macht er sich allerdings Pinars Wissen und Skills um diverse Social Media-Kanäle zunutze und setzt sie auf jenen Ferhat an, zu dem sie schon bald eine heiße Spur hat. Ausgestattet mit diversen Infos zum Gesuchten hat Sadik schnell konkrete Infos für den narbengesichtigen Gangsterboss und kann diesem sogar ein Zugeständnis abringen, indem er für seinen in Ungnade gefallenen Aufpasser fürspricht - fortan sind Zeynel und sein Kumpel Hüso auf Sadiks Seite, sprechen ihn mit Commander an und dienen ihm als logistische Unterstützer.
Gleichzeitig muß Sadik, der ständig Schmerztabletten braucht, diese aber nicht in ausreichender Anzahl erhält, noch einen weiteren Fall annehmen: eine Ärztin berichtet ihm von der Ermordung ihres Onkels, an der ein flüchtiges moldawisches Ehepaar schuld sein soll. Die Mutter der Ärztin, die Sadik ebenfalls konsultiert, glaubt jedoch an eine andere Version des Vorfalls und setzt große Hoffnungen in die Untersuchungen des Privatschnüfflers, den sie Columbo nennt. Dessen zwischenzeitliche Honorare bestehen übrigens aus Rezepten für zusätzliche Schmerztabletten...
Mit 10 Tage eines schlechten Mannes liefert Regisseur Uluç Bayraktar einen weiteren Teil der Roman-Trilogie um den ungewöhnlichen türkischen Privatdetektiv ab. Als Fortsetzung von 10 Tage eines guten Mannes wird nun ein weiterer kurzer Lebensabschnitt des eigenbrötlerischen Schnüfflers präsentiert, der sich allerdings weitgehend an Figuren und Handlungen des ersten Teils anlehnt. Geändert hat sich nur die familiäre Situation, denn Sadiks knapp 30 Jahre jüngere Geliebte war zwischenzeitlich noch vor der Geburt ihres gemeinsamen Kindes verstorben, was den Detektiv schwer getroffen hatte. Kurz nach der Beerdigung setzt die Handlung dieses zweiten Teils ein, doch schlechter ist Sadik durch den Schicksalschlag nicht geworden - er verhält sich genauso wie im ersten Teil.
Neben einigen Figuren kehrt auch eines der Grundmotive des ersten Teil wieder: eine minderjährige Prostituierte, die den grau melierten Vollbart ohne jeden ersichtlichen Grund anbetet und am liebsten vernaschen will, gleichwohl sie angeblich einen Freund hat und sich ihrer Wirkung auf andere Männer durchaus bewußt ist. Dieses vollkommen irrationale Verhalten darf, nachdem es schon im ersten Teil fixer Bestandteil des Plots war, als eine Art running gag bezeichnet werden, der im Film immer wieder auftaucht und von Sadik mit gönnerhaftem Blick und altväterlichen Worten ("Du mußt morgen in die Schule", "Bedecke Deine Beine") zurückgewiesen wird. Erst ganz zum Schluß, wenn beide parallele Fälle gelöst sind, gibt sich Sadik freimütig seiner Lolita hin, mit der er dann - analog zum Finale des ersten Teils - ein neues Leben beginnen will. Auf diesen Seifenopern-Schmonzes, zu dem auch wiederkehrende Visionen der verstorbenen Geliebten im weißen Kleid im Wald gehören, kann der geneigte Krimifreund freilich gerne verzichten.
Was den bzw. die eigentlichen Kriminalfälle betrifft, so sind diese diesmal etwas klarer strukturiert, gleichwohl Sadik zwei Drittel des Films ausschließlich von Pinar recherchierte Ergebnisse sammelt, dazu schweigt und erst am Ende in einem monologartigen Fazit im Stile eines Hercule Poirot gewissen Beteiligten ihre Lügen und Verstrickungen in die Morde auf den Kopf zusagt. Auf diese Zusammenhänge wäre auch der aufmerksamste Zuschauer nicht alleine gekommen, was vermutlich beabsichtigt ist und die herausragende Kombinationsfähigkeit des Hauptdarstellers unterstreichen soll.
Ansonsten fällt erneut das splendide Setting auf, in dem der Detektiv ermittelt: reich ausgestattete Villen, schwarze Luxuslimousinen, attraktive Frauen, einflußreiche Personen des öffentlichen Lebens wie auch der Unterwelt, sehr westlich gekleidete und sich verhaltende Jugendliche entwerfen erneut ein ungewohntes Bild einer ideologie- und kopftuchfreien Türkei.
Fazit: Wer sich vom ersten Teil angesprochen gefühlt hat, wird auch dem vorliegenden zweiten Teil dieser Netflix-Produktion um den eigenwilligen Privatdetektiv (deren dritter Teil übrigens bereits angekündigt ist) etwas abgewinnen können: 5 Punkte.