Franks Bewertung

starstarstarstarstar / 3

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

Diese Kritik stammt aus der Buchreihe "Die Angst sitzt neben Dir"


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Review

von Frank Trebbin

Nach dem mysteriösen Unfalltod ihrer kleinen Tochter nimmt das Architektenehepaar John und Laura Baxter einen Auftrag in Venedig an und restauriert dort eine alte Kapelle. In der Lagunenstadt lernen die beiden zwei Schwestern aus Schottland kennen. Eine von ihnen, die blinde Heather, behauptet, mit der toten Tochter in Kontakt zu stehen und warnt John davor, noch länger in Venedig zu bleiben. Weitere merkwürdige Dinge ereignen sich, so daß der trauernde Vater bald glaubt, seine Tochter wiederentdeckt zu haben. Er verfolgt diese Gestalt und findet auch den Tod.
Regisseur Nicholas Roeg ist mit der Verfilmung der zugrundeliegenden Kurzgeschichte von Daphne du Mauriers ein sehr, sehr unheimlicher Thriller im wahrsten Sinne des Wortes gelungen. Geschickt balancierend zwischen Phantastie, Horror und Psychodrama erzählt Roeg auf spannende Weise von einem Vater, der das „zweite Gesicht“ hat und durch diese Gabe umkommt. Hilfreich zur Seite stehen die subtile Fotografie, die soliden Darsteller und die eindringliche Musik von Pino Donaggio. Die alptraumhaft umgesetzte Unfallsequenz am Anfang der Geschichte sowie das unterschwellige Vorhandensein einer nicht definierbaren Bedrohung während des Aufenthalts in Venedig lassen „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ zu einem der großen Klassiker des Genres werden. Erst Jahre später in „Nosferatu in Venedig“ ist es wieder annähernd gelungen, die morbide Atmosphäre in der langsam zerfallenden italienischen Lagunenstadt einzufangen. Mit Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Clelia Matania u.a.

Anmerkungen aus 2019:

Klar, nach mehr als 45 Jahren der Entstehung ist Nicholas Roegs „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ für die Horrorfilm-Generation 3.0 kaum mehr der Rede wert, denn die zwar wohlfeile, aber doch recht bedächtig-traumwandlerische Inszenierung, die gänzlich ohne Spezialeffekte auskommt, ist in den schnelllebigen Zeiten von heute offenbar nicht mehr wirklich konkurrenzfähig. Und dennoch bleibt der Film – zumindest für die wirklichen Kenner des Genres – auch jetzt noch einer der unheimlichsten seiner Art, denn ohne mit dem Holzhammer überhaupt winken zu müssen, konnte Nicholas Roeg mit den Schauplätzen eines deutlich winterlichen, kalt-abweisenden Venedigs und mit vielen kleinen, teilweise versteckten Details (man achte nur auf die Farbe Rot und wie sie über einzelne Szenen verteilt wurde) eine subtile Atmosphäre des unterschwelligen Horrors kreieren, die immer noch ihresgleichen sucht. So passt es dann auch, dass man sich angesichts der neuesten, auf einer von Kameramann Anthony B. Richmond überwachten 4K-Abtastung beruhenden STUDIOCANAL-HD-Veröffentlichung auf Blu-ray noch einmal ganz den morbiden Bildern hingeben kann – und zwar unter den bestmöglichen Voraussetzungen: Das Bild ist trotz eines merklichen Filmkorns ohne Beanstandungen und voller farbaufgefrischter Details, die bislang eher als verwaschen wahrgenommen wurden. Genialer Film, genialer Transfer. Bildformat: 1,85:1.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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