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Belgien, Winter 1944: inmitten der Ardennenoffensive reist ein namhaftes US-Symphonieorchester unter Leitung des berühmten Dirigenten Lionel Evans (Charlton Heston) an die Front, um die amerikanischen Truppen zu unterhalten.
Bei einem dieser Konzerte erfolgt ein deutscher Angriff aus das kleine belgische Dorf samt Opernhaus und das Orchester muss fliehen. Schon nachkurzer Zeit gerät es in die Hände der Wehrmacht und des eitlen, kunstbeflissenen Generals Schiller (Maximilian Schell). Er kennt Evans und ist begeistert von seinen Gästen (er weigert sich, sie Gefangene zu nennen). Er will ein Konzert von Evans für seine Soldaten, doch der fiese Oberst Arndt (Anton Diffring) will das verhindern und untergräbt heimlich Schillers Pläne…

„Der Befehl“ von 1968 unter der Regie von Routinier Ralph Nelson ist ein klassisches Stück Hollywood aus einer Zeit, in der Filme wie „Bonnie und Clyde“ oder „Easy Rider“ entweder schon gedreht waren oder zumindest unmittelbar bevorstanden. Heutzutage wirkt der Film etwas altbacken, aber immerhin hat er mich durch 100 Minuten gut unterhalten, was aber besonders an der interessanten Konfrontation der beiden Hauptfiguren lag. Schiller und Evans sind sich in ihrer Selbstgefälligkeit, Eitelkeit und Strenge bei gleichzeitigem Kunstsinn sehr ähnlich – alte und neue Welt treffen hier aufeinander, Demokratie gegen Diktatur, Fortschritt gegen Bewahrung. Und doch ist Evans bei weitem keine Lichtgestalt, im Gegenteil: er ist jähzornig, unberechenbar und despotisch. Etwas, unter dem die Musiker leiden. Und nur seine Exfrau, die nun mit dem 1. Geiger Victor (Leslie „Drebin“ Nielsen!!) verheiratet ist, gibt ihm wirklich Contra. Schiller ahnt, dass Arndt an seinem Stuhl sägt und heult immer wieder mit den Wölfen, wohl und resignierend wissend, dass der Untergang Nazi-Deutschlands unvermeidlich ist.

Schauspielerisch ist auch die Begegnung Schell-Heston interessant: Ersterer wirkt viel geschmeidiger, leichter, raffinierter als der polternde, schwerfällig Evans. Und so hölzern Heston bisweilen ist (und sein bizarres Toupet tut ein Übriges!), es passt hier! Schell hat aber definitiv die dankbarere Rolle, auch wenn es erst auf den zweiten Blick so ist.

Die übrigen Darsteller liefern solide Kost, die Kamera von Russell Metty ist toll und fängt die klaustrophobische Enge des Schlosses, in dem das Orchester gefangen gehalten wird, perfekt ein. Ansonsten gutes, altes Hollywood-Konfektionkino, was ich durchaus manchmal mag. 6,5/10.

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