Meine Reviews:
Vorab, wie mit einem Mod per PN besprochen: Die Urheberrechte dieses Textes bleiben einzig bei mir. Sollten Änderungen vorgenommen werden (müssen), bitte eine Info an mich. Zudem kommen im Text zwar viele Spoiler vor, ich schreibe diesen aber eher für Leute, die den Film kennen, sodass einige Erläuterungen / Einordnungen eher grob geraten sind. Wer den Film länger nicht gesehen hat, kann hoffentlich trotzdem alles verstehen.
-> Hier gehts zum Review zu Kill Bill - Volume 1
... die Braut (Uma Thurman) hat die ersten beide Mitglieder des Killerkommandos Tödliche Viper - Copperhead (Vivica A. Fox) & Cottonmounth (Lucy Liu) - brutal liquidiert, letztere mitsamt deren Leibgarde, den Verrückten 88. Somit stehen noch drei, weitere Namen auf Ihrer Todesliste: Side Winder (Michael Madsen), Carlifornia Mountain Snake (Daryl Hannah) und David Carradine (Bill). Weitere Einblicke bietet der nachfolgende, deutsche Trailer.
Blicken wir zurück, während wir voranschreiten - um mal eine kurze, stilistische und handlungstechnisch Zusammenfassung zu geben. Denn wie im ersten Review erwähnt, geht
etwas andere Wege als Volume 1, der aus chronologischer Sicht eher Rührei gleicht. Zudem liegt weder ein Actionfeuerwerk sondern ein Werk mit viel Handlung und Hintergrundgeschichte vor.
Es fehlt (dadurch) ein bisschen das Außergewöhnliche, neu wirkende Erlebnis des vorigen, bunt-blutigen Genremixes, aber dieser zunehmend ernster werdende Film(-part) mit klaren Dramaelenenten hat seinen ganz eigenen Charme. Die Qualität wird hier mehr und mehr durch die beiden Darsteller, der Braut und Bill, getragen.
In Volume 2 sehen wir - die Nummerierung bezieht sich weiterhin auf die chronologische Reihenfolge:
- 11. Vorspann
- 02. Kapitel 6: Das Massaker von Two Pines
- 09. Kapitel 7: Das einsame Grab der Paula Schultz
- 01. Kapitel 8: Die grausame Lehre des Pai Mei
- 10. Kapitel 9: Elle und ich
- 12. Letztes Kapitel: Von Angesicht zu Angesicht
Gerade diese Beleuchtung der Vergangenheit macht den Film so interessant und gibt der folgenden Rache mehr Tiefe.
So wirkt Pai Meis (Gordon Liu) Kampf, wenn er auf ein Samuraischwert springt (& kurzeitig darauf steht) zwar erstmal surreal, das Training unterstreicht dafür eindrucksvoll, wo die Braut ihre Fähigkeiten erworben / erlernt hat, was wir bereits gesehen haben und auf dessen Fortsetzung wir uns weiter freuen. Ich muss bei dieser Ausbildung auch immer an Karate Tiger 3 - Der Kickboxer (1989) denken.
Das gezeigt Training mitsamt Treppensteigen a la Die 36 Kammern der Shaolin (1978 - ohne Dolche unter den Achseln)...
„Allein der Anblick dieser Stufen bereitet mir Schmerzen.“
... sowie des Erlernens des Bretterdurchschlagens + Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik ist, wie die Pai Mai-Rückblende, im Easternstil gehalten & wirkt teils fast schon comichaft. Da wundert Bills spätere Superman-Anekdote auch nicht mehr („Clark Kent ist Supermans Kritik an der Menschheit“). Der Braut wird damit aber komplett das Geheimnisvolle genommen.
Okay als Wehrmutstropfen muss man leider sagen, dass genauso, wie bei den Hatory Hanso-Szenen, hier leider erneut nur OmU spendiert wird, was ich absolut hasse. Mir bringt die weder mehr Authentizität, noch fühle ich mich dann irgend-wie besser unterhalten; mich nervt es schlicht (persönliches Manko).
Zurück zum Film.
Vor Carlifornia Mountain Snake (Daryl Hannah) ist Bills Bruder Budd (Michael Madsen) an der Reihe. Nicht mit Buck (Michael Bowen - „Ich bin hier fürn Fuck“ / Zitat aus Tobe Hoopers Blutrausch (1976/1977)) als Volume 1 - zu verwechseln. Er ist ein abgehalfterter Versager, der pleite in seinem Wohnwagen haust und somit ein anderes Kaliber als die Hausfrau / Mutter bzw. Mafiapatin mit eigener Leibgarde. Aber ähnlich, nur anders, wie bei letzteren wäre es doch zu einfach, wenn das einfach so funktionieren würde. Und Kill Bill ist kein Film, der gradlinig voran schreitet. (Ausgerechnet) Mit Budd trifft die Braut tatsächlich erstmals auf einen Gegner, den Sie nicht direkt ausschlachten kann. Hieran kann man recht gut manifestieren, dass die Handlung zunehmend ernster gehalten wird. Das Töten im gewaltpornografischen Metzelstil (nenne ich mal so) ist vorbei, es wird ein wenig realistischer und da klappt nicht alles klischeemäßig, nur weil man die Protagonistin / (Anti-)Heldin ist.
„Du willst mit erzählen, Sie hat 88 Bodyguards niedergemetzelt bevor O-Ren dran war?“
„Nein, die nennen sich nur die 'Crazy 88', die dachten wohl, es klingt cool.“
Die mexikanische Beerdigung (Paula Schultz) ist nun auch wirklich nicht nett und mit dem späteren Auge-Herausreißen wieder eine Einlage gen Horrorgenre. Wenn die Braut im Anschluss (an ihre Beerdigung) komplett dreckig in einem Laden ein Glas Wasser bestellt, kommt dies so absurd-amüsant rüber, dass dieser komödiantische Part als direkter Kontrast (zu den Horrorelementen) noch einprägsamer rüberkommt ohne überflüssig oder aufgesetzt zu wirken. Kleiner Einwurf: Ein Rasiermesser im Stiefel hatte Michael Madsen bereits in Tarantinos Reservoir Dogs (1992).
Es fällt auch auf, dass Volume 2 im Vergleich zu Volume 1 weniger optische Gewalt und Actionszenen zeigt. Die deutsche Altersfreigabe ist - bezogen auf die internationale Kinofassung - mit FSK 16 auch niedriger als die des ersten Parts (Keine Jugendfreigabe). Die internationalen Ratings schwanken dafür hier stärker, denn die Spanne reicht(e) ursprünglich von ab 12 (Japan & Taiwan) bis verboten (banned - Malaysia).
Der recht kurze, aber wirklich gut inszenierte Kampf mitsamt coolen Sprüchen („Ich habe deinen Meister getötet und jetzt werde ich dich töten, mit dem Schwert, das dir gehört und in baldiger Zukunft für immer mein Schwert sein wird.“) zwischen der Braut und Elle Driver hätte etwas länger sein können, bildet den Abschluss der „normalen“ Rache vor dem Weg zum Endgegner.
„Frauen nennen das Bestrafung durch Schweigen und wir lassen sie in dem Glauben, es würde wehtun.“
Apropos Gewalt, in der Asiafassung, Zusatzszenen oder irgendwelchen Bastelversionen kommt auch ein schwarzer Samurai in einer Rückblende vor. Diese Szene ist, neben dem Kampf gegen die Braut, der einzige, tödliche Kampf, den Bill ausfechten muss (abgesehen vom Wiedersehenskampf gegen Pai Mai) und der Kampf, indem er zeigt, dass er sowohl mit dem Samuraischwert sowie den Fäusten sehr gut umgehen kann. Im Kampf gegen die Braut zeigt er dann noch klar, dass er ein Meisterschütze ist. Ohne besagte Szene liegt der Body Count in Volumen 2 nur bei drei.
Somit, zu guter Letzt, kommen wir zu dem titelgebenden Endgegner: Bill
Es wirkt, ähnlich, wie bei Elli Driver oder der zuvor erwähnten Szene, fast so, als hätte Tarantino auf Teufel komm raus das chronologische / handlungstechnische Ende verkürzten müssen / wollen. Dies führt de facto zu einem der größten Kritikpunkte meinerseits. Die so ruhig und ernst erzählte, zweite Hälfte des Werkes bietet so kurze Kämpfe, dass es irgendwie verschenkt wirkt.
Klar, ein Endkampf, wie gegen O-Ren und Ihre Leibgarde, muss nicht dermaßen ausgeprägt sein, aber der gefühlt 10 Sekunden lange Endkampf - im Sitzen - sieht zwar schick aus und stellt klar die Pointe der gezeigten Vorgeschichte dar, wirkt aber dürftig / irgendwo unbefriedigend - schade.
Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik
Dennoch finde ich das Ende auch gelungen, denn es ist wirklich süß inszeniert und bietet vom familiären Zusammensein über das witzig-ironische Gespräch bis zum Kurzkampf doch beste Unterhaltung. Bei einem Gespräch fällt die Bezeichnung natürlich geborene Mörderin; eine nette Anspielung an Natural Born Killers (1994), dessen Drehbuch Tarantino verfasste.
Zum Abschluss noch eine Anekdoten: Der Name der Tochter, B.B. (Perla Haney-Jardine), entspricht den Anfangsbuchstaben der Vornamen Ihrer Eltern.
Zwischenfazit - Nummer 2:
Definitiv anders als Volume 1; anders, aber nicht schlechter, abgesehen vom überhasteten Ende. Mit ernsterem Ton und vielen, handlungstechnischen Einblicken setzt die Braut Ihren Rachefeldzug fort, ohne dabei unrealistisch-übermenschlich einfach durch zu marschieren. Das konsequente Finale rundet das Ganze dann gelungen ab.
Fazit:
Viele Leute denken bei filmischen Meisterwerken an Kultwerke längst vergangener Tage, wie Vom Winde verweht (1939), Cleopatra(1963) oder vllt Terminator 2: Tag der Abrechnung (1991), um mal drei mehr oder weniger willkürlich gewähltes Beispiel zu nennen. Für mich als Filmfan ist solch ein Actioner, wie Kill Bill - The Whole Bloody Affair, ebenfalls ein Meisterstück, wenn auch nicht fehlerfrei, das weit mehr bietet, als eine plumpe Rachegeschichte. Egal, ob Inszenierung, Darsteller, Stil, Gewalt, Action und viele, weitere Genreeinflüsse - hier passt es einfach zusammen.
Insgesamt bekommt der Actionkracher Kill Bill
- Qualität -> 10 von 10 Punkten
- Unterhaltungsfaktor -> 9 von 10 Punkten
- Gesamtwertung -> 9 von 10 Punkten