Wir alle sind verdammt tut gut daran, auf optischen Schnickschnack vollkommen zu verzichten und die Geschichte mit einfachsten Mitteln zu kennzeichnen. Viel ist dafür auch nicht nötig; alles was man braucht ist ein guter Text und stimmige Darsteller, die die Aussagen auch entsprechend herüberbringen können. Dabei fungieren die Meisten als feste Typen; auch der Inhalt besteht nicht so sehr auf eine Tiefgründigkeit, die jeder Prüfung standhält, weiss sich aber auch ohne analytische Schärfe gut zu bewähren.
Capt. Buzz Rickson [ Steve McQueen ] und 1st Lt. Ed Bolland [ Robert Wagner ] teilen sich ein Quartier auf einem englischen Stützpunkt im Jahre 1943. Beide kommen nicht nur privat gut miteinander aus, sondern funktionieren auch als Team blendend: Als amerikanische Bomber-Einheit der 8ten Luftflotte, die auf deutsche Städte angesetzt wird. Ihre unterschiedliche Mentalität und die auseinander weichenden Ziele im Leben und im Krieg bringen sie aber unweigerlich auseinander. Nicht unerheblichen Anteil daran hat auch eine Frau: Daphne Caldwell [ Shirley Anne Field ].
Der Film nach dem gleichnamigen Roman von John Richard Hersey versimpliziert seine Geschichte publikumsgerecht und lässt sich auch auf anziehende Kennworte im Telegrammstil reduzieren. Vermeidet aber durch die Besetzung eine eindeutige Sympathielenkung und bemüht sich um eine Aufschlüsselung der Problematik sowie eine symmetrisch ausgewogene Choreographie der Personenführung. Es geht nicht um eine verhängnisvolle Dreierbeziehung oder eine fatale Einmischung der Frau in ein Männerbündnis. Die Streitfrage war schon vorher da. Seit langem bereits am Schwelen.
Das Marketing konzentriert sich in den taglines anders als das umfassende Skript auf einzeln abstrahierte Abschnitte; die zwar alle ebenfalls vorkommen mögen, aber lange nicht im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.
Es geht nicht um "What can a girl expect of a war lover?" Auch nicht um "The men of the flying forts whose bravery became a legend" und erst recht nicht um "... came with their BIG bombers, BIG talk, BIG money - and went over BIG with the women!".
Diese Sichtweise ist viel zu sehr bagatellisierend. Zeigt aber gut die Schwierigkeit auf, ein im Grunde brisantes Thema auch kommerziell verkaufen zu können. Allgemein wird die literarische Vorlage weitaus höher geschätzt als die eben doch letzte Konsequenzen scheuende Umsetzung. Autor, Kriegskorrespondent und Pulitzerpreisträger Hersey hat bereits mit der Artikelfolge "Hiroshima. 6. August 1945, 8 Uhr 15" unbequeme und entsprechend verheimlichte Wahrheiten über das Ausmass des Atombombenabwurfs an die breite Öffentlichkeit gebracht und dasselbe mit den Dokumentarromanen "Eine Glocke für Adano" [ Schilderung des Lebens italienischer Bauern im II. Weltkrieg, verfilmt von Henry King ] und "Der Wall" [ Aufstand im Warschauer Ghetto, verfilmt von Robert Markowitz ] vorangetrieben. Eine derartige Härte, vor allem in Bezug auf schmerzenden Realismus, ist hierbei auf keinen Fall anzutreffen, so dass die Urteile der Leser zumeist negativ ausfallen. Dem Film geht es wenig um den Krieg als äusserliches Übel. Er hat nur seine umrahmende Handlung und die Figuren darin angesiedelt, die einen Kampf um und zwischen sich austragen.
Anfangs fühlt sich Rickson sehr wohl mit dem nunmehrigen Zustand. Er mag es zu Fliegen und er mag Frauen, beides hat er genug. Vorher hatte er nichts und danach wird er auch nichts haben. Für ihn gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern nur ein Jetzt; was ihm umso mehr gefällt. Er ist der War Lover. Er liebt nicht den Krieg an sich, aber die Möglichkeiten, die er ihm bietet. Das tiefe Empfinden seiner eigenen Existenz. Das kostet er eskatisch aus. Das Schlimmste am Krieg für ihn ist, dass er morgens so früh anfängt.
Bolland ist da anders. Das Gegenteil sowohl in äusserer Wirklichkeit als auch innerer Natur.
"What's the matter Bolland, afraid to die?" - "Damn right I am. But you're scared to live."
Er hat keine tiefe Verachtung für alles Militärische und er ist auch kein Pazifist. Er tut seine Pflicht, nicht gern, aber er tut sie. Weil man es von ihm verlangt. Er kommt gut mit der Mannschaft aus, ohne sich ständig in den Vordergrund drängen zu müssen. Das liegt ihm auch gar nicht und er könnte sich auch nicht aufspielen, selbst wenn er es wollte. Er muss nicht von jedem bewundert werden und er muss auch nicht jede Frau haben. Es reicht ihm, eine glückliche Zeit mit Daphne zu verbringen.
Daran stört sich Rickson. Er merkt, dass ihm etwas fehlt. Ausserdem muss er überall das Kommando haben. Nun hat er es nicht mehr und das ärgert ihn. Als ihm das Gedankenspiel nicht reicht, taucht er bei dem Objekt der Begierde selber auf.
TV Regisseur Philip Leacock schafft es dabei, dieses Spannungsverhältnis in einer souveränen Beherrschung der Kunstmittel aufzuzeichnen, ohne sich in exzessives Theoretisieren oder in ebenfalls möglichem Bombast zu ergehen. Er tappt auch nicht in jede Klischeefalle; die Konventionen sind deutlich da, aber werden nachvollziehbar und vor allem auch glaubhaft benutzt, um die Veränderungen und die Reaktionen darauf einleuchtend zu graphieren. Die Erzählung verfügt über keine neuen Erkenntnisse, ist nicht intellektuell herausfordernd, schärft nur den Blick für Zusammenhänge, deren Prämissen ohne weiteres offensichtlich sind. Man geht auch in der kontrastreichen schwarzweiss - Inszenierung keinerlei Überraschungen ein. Die Umsetzung der drei Millionen Dollar Produktion wirft keine besondere Ästhetik an, sondern beschränkt sich in vielen einfachen, aber dadurch auch intimen Einstellungen, die das Triangel auf unangestrengte Art stützen und in diesem kleinen Rahmen neben den melodramatischen Momenten auch den Thrill anheizen können. Der Film lässt sich als altmodisch - nostalgisches Kino mit einem Quentchen moralischer Mehrdeutigkeit geniessen. Die Sehnsucht nach Vergangenem trifft auf die Sehnsucht nach einer Heimkehr. Alles Gefühle und Gedanken, die Rickson nicht in sich birgt und deswegen nicht verstehen kann. Seine eingeschränkte Perspektive geht über eine kurzweilige Bestätigung seiner Männlichkeit nicht hinaus, was ihm dann nicht einmal der Film selber gönnen mag.
Das aktive Kriegsgeschehen wird bis auf zwei umschliessende Einsätze in der Luft ausgeblendet. Man startet mit einer ausführlich vollzogenen Bombardierungsmission eines Unterseeboothafens in Kiel und beendet mit einem der Luftangriffe auf Leipzig. Den Flugaktionen kommt die semi - Dokumentarik plus der Einsatz von Originalmaterial zugute. Waghalsiges wie eine Bauchlandung einer Boeing B-17 wird ohne extra Betonung direkt vor der ruhenden Kamera abgefilmt und erlangt dadurch noch mehr Wirkung. In der Luft drängt man sich nicht nur ins Cockpit zu den Hauptdarstellern, sondern auch die Kabine des Heckenschützen, den Bombenschacht und vor allem den gefängnisgleichen Sperry-Browning-Kugelturm. Die Fliegende Festung wird in einer eigentümlich entrückten Bildlichkeit des Grauens zum Fliegenden Grab.
Mittig bleibt man auf den Boden beschränkt und stellt sogar die militärische Örtlichkeiten des Hangars hinter zivilen Schauplätzen zurück. Bolland besucht seine Freundin in Cambridge. Später erfolgt noch ein zweitägiger Kurzurlaub der ganzen Einheit in London, in der der vage angesiedelten Handlung klassiches Lokalkolorit verliehen wird. Nach und nach wird Rickson zurückgedrängt, isoliert, kaltgestellt. Nicht einmal mehr Bomben darf er abwerfen, sondern muss sich mit Flugblättern begnügen. Damit kann man nicht prahlen. Der anschliessende Konflikt zwischen Individuum, staatlicher Ordnung und militärischer Hirarchie führt zu einer Diskrepanz zwischen öffentlicher Rolle und privater Natur: Er holt sich seinen Stammplatz mit zunehmender Gewalt zurück. Gefrustet und verärgert verweigert er Befehle und Dienstvorschriften und vollzieht aus Trotz riskante Luftmanöver vor den Oberen. Die wissen um die Gefahr, müssen aber abwägen, ob sich eine Entlassung mehr lohnt als der Verzicht auf ihren besten Mann. Der Soldat wird in einer fatalen Selbstzerstörung zum [milden] Terrorsystem, in der die Tragödie eines paradox ehrgeizigen Menschen, das abgeschwächte Drama über Natur und Auswirkungen des Bösen und die historische Kriegssituation schnell zum Abschluss gebracht werden. Die Liebeshandlung läuft weiter. Thematisch, handlungszeitlich und auch von der Zielgruppe liegt man dabei zwischen Verdammt in alle Ewigkeit und Verdammt sind sie alle, auf deren Gunst und Güteklasse der deutsche Titel entsprechend erpicht ist.