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Zu den wohl am schwierigsten zugänglichen Horrorsequels berühmterer Bauart in deutschen Landen zählt auf jeden Fall Tobe Hoopers eigene Fortsetzung seines Erfolgsfilms "The Texas Chainsaw Massacre", der bei uns unter "Blutgericht in Texas" eine lange Zensurgeschichte mit sich herumschleppt, obwohl die Gewalt in diesem Film eigentlich eher psychischen als graphischer Natur ist.
Gut zwölf Jahre nach dem Klassiker nahm sich Hooper seines eigenen Stoffes selbst wieder an und brachte so die inzwischen so berüchtigten wie gefeierten Mitglieder der kannibalistischen Sawyer-Familie auf die Leinwand zurück. Die ausschließlich männliche Sippe, bestehend aus ehemaligen Schlachthausbesitzern und Arbeitern, die ihre Profession not- und spaßbedingt auf menschliches Vieh ausgeweitet hat, sorgte schon im Original für leicht überzogenen Schrecken, präsentierte einen seltsam bizarr-abartigen, aber irgendwie funktionierenden Familienverband und terrorisierte ihre Opfer nach Kräften, bevor sie sie zu Mahlzeiten und die Überreste zu Mobiliar verarbeitete.

In der von L.M. Kit Carson geskripteten Fortsetzung ist die Sippe trotz polizeilicher Verfolgung inzwischen zu einer scheinbar urbanen Legende geworden, über die man besser nicht zu laut spricht, die aber vermutlich noch irgendwo existiert, da in Texas immer noch von Zeit zu Zeit Menschen verschwinden. Statt aber die Erzählstruktur des Originals zu kopieren, ging Hooper im Sequel von einer anderen Grundkonstellation aus und präsentierte stattdessen weniger zwei Opfer als vielmehr zwei Verfolger als Protagonisten: den Ex-Polizisten Lefty Engright, der selbst kettensägenbewehrt und höchst psychotisch Rache für die Opfer des ersten Teils sucht (familiär bedingt) und die Landradiomoderation Stretch, die durch eine Tonbandaufnahme ins Visier der Kannibalen gerät.

Für die Fortsetzung wählte Hooper einen bewußt parodistischeren und deutlicher ausgearbeiteteren Ansatz, wobei der Gewalt- und damit der Splatterlevel leicht angehoben wurde, ohne daß es jetzt zu einer endlosen Reihe von Verstümmelungen oder Opfern kommen würde. Damit gibt es jetzt endlich den nötigen Gore, aber auch wieder nicht in den selbstzweckhaften Mengen, die man erwarten könnte.
Übertreibungen sind eher in der Erzählweise und der Figurenzeichnung zu erwarten, denn ernst nehmen kann man das Treiben in diesem eher verrückten Film schon gar nicht mehr. Die gängige Fluchtrolle des "final girls" nimmt dabei "Stretch" ein, die in ihrer Radiostation attackiert wird und sich fortan ständig in Gefangenschaft oder auf der Flucht befindet, wobei ihre Erlebnisse auch teilweise auf ihrer eigenen Unlogik begründen. Zwar überlebt sie die erste Attacke, folgt dann aber den Tätern in ihr Versteck, wo sie wieder in Bedrängnis gerät.
Der typische Gesetzeshüter Lefty wiederum wird von Dennis Hopper erst verbissen-ernsthaft angelegt, um sich dann in eine absurde Psycho-Version seiner selbst zu verwandeln, die Selbstgespräche führend wie wild mit den Kettensägen herumfuchtelt und zunehmend unkontrollierbar wird. Dagegen nehmen sich die Kannibalen geradezu "normal" aus, das Familienoberhaupt Drayton (der Koch) nimmt sogar an einem lokalen Chili-Wettbewerb teil, der mit seinem Soßengeheimnis sogar auf Jahre in Folge gewinnt (lecker!). Dem Star der Show, dem mit einer Menschenhautmaske auftretenden "Leatherface" gönnt Hooper sogar ein paar amouröse Tendenzen, als er sich spontan in Stretch verliebt, die er ja eigentlich nur zersägen sollte.

Falls das wiederum ironisch gemeint ist, wirkt es jedoch eher zusammenhangslos und verstörend und basiert eigentlich nur auf ihrem gespielt dominanten Auftreten in Todesangst - der einzige Geniestreich dabei ist die Szene, in der sich Leatherfaces Kettensäge in sexueller Verwirrung Stretch Schambereich nähert, dort dann aber trotz allem Bemühen nicht anspringen will, was wohl als Zeichen degenerativer Impotenz in dieser frauenfreien Sippe verstanden werden muß.
Leider führt diese "Romanze" im Verlauf des Films zu nichts Besonderen, weil man eine neue Figur eingeführt hat, die als Ersatz für den im Original überfahrenen "Anhalter" herhalten muß: den im Vorfilm in Vietnam befindlichen "Chop-Top", der mit einer Metallplatte im Schädel dem Begriff "verrückt" ganz neue Dimensionen verleiht, während er durchgeknallt vor sich hinsalbadert und kichert.
Diese nervötende und alles an sich reißende Figur (Bill Moseley hatte wohl leider carte blanche in der Rollenanlage) strapaziert die Szenen leider nicht in Richtung Terror (wie im Original in der finalen Dinnerszene, die hier übrigens auch noch komplett dupliziert wurde, ohne deren ursprüngliche Wirkung zu erreichen), sondern treibt den Frustrationsfaktor in neue Höhen, denn sein minutenlanges Gelaber über den halben Film hat nur bedingt unterhaltsame Wirkung.

Zwischen all diesen und anderen überzogenen Texanerfiguren kann nur Hoopers Geschick in Sachen Ausstattung den Film halbwegs retten, denn die Sets der zweiten Filmhälfte, die komplett in einem halb zerfallenen Freizeitpark über den Bürgerkrieg und andere amerikanische Auseinandersetzungen militärischer Natur spielt, sind wirklich ausgezeichnet gelungen, verstörend, abartig und ausreichend bizarr. Es ist eine Schande, daß der Plot so albern überzogen und gedehnt daherkommt und ein Charaktermime wie Hopper nur zum exaltierten Chargieren da zu sein scheint.

Erst im psychopathischen Finale, das mit einem Kettensägenduell beginnt und mit einer infernalischen Verfolgungsjagd endet, kommt etwas Innovation auf, wenn man endlich auch ein paar Hinweise über die mütterlichen Hintergründe der Sawyer-Familie erfährt. Tatsächlich kann sich Hooper aber nicht für eine erzählerische Auflösung der Geschichte entscheiden, stattdessen läßt er praktisch das Schicksal aller Familienmitglieder ungeklärt, da man zwar Ursache, aber leider nicht definitive Wirkung des Widerstands von Stretch und Lefty zu sehen bekommt.

Da der Film in Deutschland überhaupt erst per Bootleg zugänglich wurde, ist er lange Zeit relativ unbekannt geblieben, was die Mythenschöpfung natürlich sehr angeregt hat. Nach einem furiosen Start verzichtet Hooper aber auch wieder auf übermäßigen Splattereinsatz und geht sehr zielgerichtet und punktuell in Sachen Gewalt vor (die schlimmste graphische Szene ist ein fies in die Länge gezogener Hammermord).
Leider sind der transportierte Humor, die latente Gesellschaftskritik und die Weiterentwicklung degenerativer Familienverhältnisse und sozialer Umstände nicht mehr zeitgenössisch unterbaut und so wirkt der Film wie auf halbem Weg in eine absurd-alberne Splattercomedy eingefroren, die heute nicht mehr zweifelsfrei genossen werden kann.
Es mangelt an der nötigen Grimmigkeit, der Kontrast zwischen unschuldigem Opfer und groteskem Gegner besteht nicht mehr, alle Teilnehmer sind Monster oder zumindest sozial geschädigt.
Das Ergebnis ist kein mißlungener Film, aber eine Chimäre, gerade in den unterhaltungssüchtigen und eher oberflächenreizenverhafteten 80er-Jahren. Als Übergangsfilm in eine Zeit des neuen Realismus im harten Horror taugt Hoopers Film jedoch nur noch bedingt, so daß er fortan die Finger von seiner eigenen Schöpfung ließ, die noch zwei weitere Fortsetzungen und Jahrzehnte später Remakes erfuhr. Aber vielleicht hat der Regisseur auch schon geahnt, daß ein politisch-sozialer Subtext abseits der 70er im Horrorfilm nur noch Staffage war und hat gleich Nägel mit Köpfen gemacht.
Den Horror kann man so nicht mehr ernst nehmen, mag er noch so hart daher kommen - ein guter Kommentar, aber auch einer der von der Zeit und der Mode inzwischen überholt wurde. (6/10)

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