Kriegsfilme zu besprechen ist immer eine heikle Sache, denn wenn diese auf pure fiktionale Action-Unterhaltung setzen und dazu noch gut gemacht sind, schleicht sich bei entsprechender positiver Rezension schon mal ein schlechtes Gewissen ein. Da ist man dann froh, wenn man so einen Streifen wie „The Great Raid – Tag der Befreiung“ besprechen darf, der – wie solche Klassiker à la „Die Brücke von Arnheim“ – auf tatsächlichen Begebenheiten beruht und damit zumindest inhaltlich kaum angreifbar ist. Und anders als in den Hurra-ich-spiele-Krieg-Streifen eines John Wayne steht hier auch nicht unbedingt ein Mann im Fokus des Geschehens, der das Schicksal das freien Welt bestimmt, sondern wird das Ganze als Zusammenspiel verschiedenster Kräfte und Ereignisse wiedergegeben.
So handelt der auch weitestgehend realistisch anmutende „The Great Raid – Tag der Befreiung“ von der größten militärisch begleiteten Rettungsmission in der US-Geschichte, bei der am 31. Januar 1945 über 500 amerikanische Kriegsgefangene aus einem Lager der Japaner auf den Philippinen befreit wurden. In diesem Kontext ist es nur logisch, dass bis auf zwei, drei Ausnahmen keine Soldaten weiter in den Vordergrund gelangen und die Ranger-Truppe, die die Aktion durchführt, fast schon anonymisiert daherkommt. Im Gegenzug gibt es aber eine melodramatisch aufgeheizte Love-Interest-Nebenhandlung, die als Fernbeziehung zwischen einem gefangenen Offizier und einer in Manila agierenden Widerstandskämpferin dargeboten und den weiblichen Zuschauern das Herz erweichen wird – natürlich bitter endend!
Regisseur John Dahl händelt das Ganze eher wie ein langgezogenes Drama. Wirkliche Glanzpunkte in der Inszenierung gibt es nicht, dafür aber mündet sein „The Great Raid – Tag der Befreiung“ folgerichtig in einer letzten halben Stunde, die das übliche Einerlei aus Explosionen, Blut und Tränen aufbietet. Darstellungen von überzogenen Kriegsgreuel gibt es kaum (wenn dann natürlich auch nur von japanischer Seite ausgehend), so dass sich der ernsthafte Rezensent schon fragt, wie die FSK-Freigabe (ab 18) zustande gekommen ist. Alles in allem betrachtet ist somit John Dahls Film ein Werk, welches trotz aller handwerklicher Finessen mächtig zwischen den Stühlen sitzt und eigentlich an fast jeder Zielgruppe vorbei produziert wurde. Irgendwie schade. Auf DVD (16:9) letterboxed (2,35:1). Mit Benjamin Bratt, James Franco, Connie Nielsen, Marton Csokas u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin