Im Italien des 15.Jh. begehrt die junge Flavia gegen ihren patriarchalischen Vater auf, der sie daraufhin in ein Kloster steckt. Dort lernt sie einen Geheimbund kennen, dessen Mitglieder sich durch Folter und Mord Lustgewinn verschaffen. Als die Muselmanen das Kloster und die Stadt überfallen, schlägt sich Flavia auf deren Seite, um so Rache an der italienischen, dem Machoismus verschriebenen Gesellschaft zu nehmen.
Die deutsche Titelschmiede möchte das Publikum auf einen (S)Exploiter im Stile der sattsam bekannten „Hexen…“-Filme einstimmen und vergißt dabei völlig, daß der Film trotz seiner breit ausgewalzten Sex- und Folterszenen auch eine Geschichte zu erzählen hat. So verbirgt sich hinter dem recht grausamen Vordergrund die Erzählung um die ersten feministischen Befreiungsversuche von der Machtherrschaft des Klerus und Patriarchats. Daß das Ganze jedoch nicht in platte Gesellschaftskunde übergeht, dafür sorgen die italienischen Produzenten und der männliche Regisseur, der für einige sadistisch-voyeuristische Seitenblicke auf das wilde Leben hinter den Klostermauern gut ist. Hierbei wird dann gerne und oft in typisch mediterraner Weise Gewalt und Sex verquickt. Einige besonders blutig ausgefallene Orgien-Sequenzen fehlen daher in der deutschen Fassung, die aber trotzdem noch sehr hart anzusehen ist. Obwohl der Film mit brutalen Bildern nicht gerade geizt, stellt er doch eine interessante und gelungene Mischung aus Gesellschaftskritik und historischem Sittengemälde dar. Alternativtitel: „Die Nonne und der Freibeuter“ und „Castigata– Die Gezüchtigte“. Mit Maria Casares, Claudio Cassinelli, Anthony Corlan, Florinda Bolkan u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin