1963 war Herschell Gordon Lewis mit „Blood Feast“ der Wegbereiter für Gorefilme. Er gehörte zu den ersten Regisseuren, die mit der Kamera ausgiebig draufhielten, wenn Sex und Gewalt im Spiel waren, so dass der eigentlich schnarchige Streifen rasch zum Kultfilm avancierte.
Offenbar auch bei Jackie Kong, die mit „Blood Diner“ nicht nur inhaltliche Reminiszenzen liefert, sondern überdies einen flockigen, manchmal etwas albernen Fun-Splatter-Beitrag.
War es in „Blood Feast“ noch ein durchgeknallter Ägypter, der zur Wiederauferstehung seiner Göttin Frauen mordete, sind es hier aus demselben Grund zwei durchgeknallte Brüder.
Vor 20 Jahren wurde ihr Onkel von den Cops erschossen, jetzt wollen die beiden sein Werk vollenden. Dazu buddelt man natürlich die Leiche aus, entwendet Augen und Gehirn, um es in ein Einmachglas zu stopfen und lässt sich so vom Onkel beraten, der auch ohne Mund und Stimmbänder sprechen kann.
Das ist so eine typisch trashige Begebenheit, von denen im Verlauf weitere auftauchen und durchaus zum Schmunzeln auf Pille-Palle-Niveau einladen.
Inhaltlich ist das Ganze natürlich recht dünn. Zur Tarnung arbeiten die beiden in einem vegetarischem Diner, bringen für die Auferstehung der Göttin Sheetar reihenweise Jungfrauen um und mischen Körperteile der Opfer unter ihre Snacks (fällt natürlich keinem Vegetarier auf). Zudem mischt noch ein Copduo mit, eine toughe Schwarze und ein trotteliger Schönling, das den beiden Unholden zum Finale auf die Spur kommt, bei dem eine Jungfrau während einer Feier geopfert werden soll, während Partygäste zu Zombies mutieren.
Besonders während der letzten Viertelstunde ist ordentlich Wumms drin, da verzeiht man auch einen unnötigen Ringkampf und ein paar musikalische Laufzeitstrecker.
Spannend gestaltet sich das jedoch selten, da der komödiantische Grundton auch während der Mordszenen deutlich im Vordergrund steht.
Da rollt man mit dem Auto eben gleich fünfmal über einen Biker, wenn der immer wieder aufsteht. Es reicht auch ein Besen aus, um einem Opfer den Kopf abzuschlagen und bei einem Hieb mit einer Schaufel kullern auch schon mal beide Augen raus.
Ja, das Blut fließt ordentlich, ständig liegen irgendwo Körperteile herum, doch innerhalb der überdrehten Darstellung von Gewalt wirken auch drastische Szenen nie abstoßend, zumal die Effekte an sich häufiger Gummirequisiten zum Vorschein kommen lassen.
Hier steht der Spaß im Mittelpunkt, tiefschwarzer Humor, vermengt mit etwas Slapstick und natürlich auch etwas nackter Haut. Denn es erscheint völlig sinnfrei, dass die beiden Brüder eine probende Nackt-Aerobic-Tanzgruppe überfallen (einer trägt eine Ronald Reagan Maske), um nach dem Massaker zu sehen, wer denn Vegetarierin war.
Besser durchdacht sind eher so Elemente wie der dicke Burgerkenner, der ständig Kloppe bezieht, sich aber nie beschwert und immer wieder ins Lokal kommt. Oder der Typ, der mit frisch abgetrennten Händen sein Auto zu lenken versucht.
In lichteren Momenten erinnert die Form des Humors schon fast an „Nackte Kanone“, nur ist hier die Gagdichte vergleichsweise niedrig und auch nicht alle Witzchen zünden.
Der Film ist eben etwas für Trashfans, vielleicht für solche, denen typische Troma Beiträge zu schräg sind. Tauglich aber sicherlich als Anheizer für einen Partyabend: Für gute Laune beim angemessenen Overacting der Darsteller, Grölen bei den übertriebenen Gewaltdarstellungen und einem zwischenzeitlichen sich vor die Stirn hauen und „ohh nöö“ ausstoßen, weil alles in so herrlich poppiges 80er verpackt wurde.
Schön anspruchslos, aber durchweg unterhaltsam.
Doch ja, das hat meinen Trash-Nerv getroffen,
7 von 10