Franks Bewertung

starstarstarstar / 6

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

Diese Kritik stammt aus der Buchreihe "Die Angst sitzt neben Dir"


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Review

von Frank Trebbin

Claire Ward beauftragt einen Privatdetektiv, ihren Mann Charles Dexter zu überwachen, denn offensichtlich ist der Gute etwas übergeschnappt. Seit er eine Kiste mit alten Familienerbstücken bekommen hat, benimmt sich Charles nämlich sehr merkwürdig: Erst hockt er stundenlang in seinem Labor, und dann läßt er sich Leichenteile kommen, um damit zu experimentieren. Der Detektiv findet heraus, daß Charles Dexter Ward besessen ist von dem Geist des alten Hexenmeisters Joseph Curvin…


Dan O’Bannon, der Macher von „Verdammt, die Zombies kommen“, ist zurück! Klar, daß man da ganz besonders gespannt ist. Abgesehen von dem überflüssigen Versuch des deutschen Videoanbieters, den Streifen als spätes Cash-In zu „Tanz der Teufel“ zu gestalten, ist „Evil Dead– Die Saat des Bösen“ ein rundum erfrischendes Lüftchen in den stickigen Niederungen des B-Films. Glanz- und Höhepunkte dabei sind die wahrhaft grausigen Monster-Kreationen von Todd Masters, der damit fast das Level von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ erreicht. Leider sind einige der blutigsten Einfälle in der deutschen Fassung gekürzt worden (z.B. beim Schlußkampf).* Doch hat Dan O’Bannons Film nicht nur auf dem Gebiet der Special Effects etwas zu bieten, sondern kann er auch durch einige schaurig-schöne Gruselpassagen perfekt unterhalten. So gehören die stimmigen Szenen in den unterirdischen Gängen des Labors zu den Höhepunkten der 92er Videosaison. Vom Inhalt her muß man sagen, daß es –wie schon bei „Re-Animator“– gelungen ist, eine H. P. Lovecraft-Vorlage für die Leinwand einigermaßen werkgetreu zu adaptieren. Schwarzer Humor und Hardcore-Horroreinlagen halten sich auch hier die Waage und bilden das solide Grundgerüst für einen Film, den man uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Mit John Terry, Jane Sibbitt, Chris Sarandon, Robert Romanus u.a.

* Dies ist eine Fehlinformation. Die deutsche Fassung ist ungekürzt.

Anmerkung aus 2015:

Als erstes möchte ich gerne an diese Stelle sagen, dass es völlig richtig war, meine oben stehende, viele viele Jahre alte Kritik zu korrigieren, denn damals machten Bilder aus Fangoria etc. die Runde, die es offenbar - so dachte ich zumindest - szenenmäßig nicht nach Deutschland geschafft hatten. Dass es an dem Disput Dan O'Bannons mit den Produzenten lag, konnte ich erst jetzt im Booklet zur der sehr schönen Neuveröffentlichung des Films (unter seinem viel wohler klingenden OT) nachlesen und erfahren. Dank dieses Release ist es nun möglich, den Film in bestmöglicher Weise zu sehen (Bildformat 1,78:1) und endlich die schäbige deutsche Synchronisation, die mir damals auch gar nicht sooooo aufgefallen war, wegzuzappenn. Die Farben sind wieder korrekt und so darf man sich getrost auf das Neu-Erleben der wohl besten Lovecraft-Verfilmung außerhalb des Stuart-Gordon-Universums freuen. Klar, "The Resurrected" kann man nicht mit heutigen Hochglanzproduktionen vergleichen (dazu fehlt es an allen Ecken und auch an der Art der Inszenierung hat der Zahn der Zeit genagt), doch Spaß macht der Film in seinen besten Szenen - und davon gibt es einige - auf jeden Fall auch heute noch: nie perfekt, immer ambitioniert und voller Charme und handgemachter Effekte.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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