Franks Bewertung

starstarstarstarstar / 6

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

Diese Kritik stammt aus der Buchreihe "Die Angst sitzt neben Dir"


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Review

von Frank Trebbin

Buffalora ist eine Provinzstadt in der Lombardei, die von dem üblichen kleinbürgerlichen Spießtum, der Bürokratie und der Armut der Bevölkerung gezeichnet ist. Francesco Dellamorte ist der junge Friedhofswächter, der zusammen mit seinem geistig zurückgebliebenen Assistenten Gnaghi für Ruhe auf dem Gelände sorgt. Und Ruhe hat dieser Friedhof bitter nötig, denn er gehört zu jenen geheimnisvollen Stätten, auf denen die Toten innerhalb von sieben Tagen nach der Beerdigung aus ihren Gräbern kriechen. Als Francesco eine von ihm geliebte Frau beerdigen und kurze Zeit später wieder als Zombie erschießen muß, verwischen sich für den Mann die Grenzen seines Daseins, und er gleitet in einen fürchterlichen Alptraum hinein…

Wer von Michele Soavis neuestem Genrestreich eine ähnlich groteske Zombie-Komödie wie Peter Jacksons „Braindead“ erwartet, der liegt völlig falsch, denn diese deutsch-italienisch-französische Coproduktion gehört trotz vieler Wort- und Bildwitze zu den poesievollsten ernsten Horrorfilmen der letzten Jahre. Schon alleine das intelligente Spiel mit dem doppeldeutigen Titel (übersetzt bedeutet er soviel wie „Von den Toten, von der Liebe“) gibt einen ersten Hinweis darauf, daß „Dellamorte Dellamore“ mehr als nur ein blutrünstiger Streifen um lebende Tote ist. Liebe, Schmerz, Einsamkeit, Freundschaft und die Bewältigung eines in vorgegebenen Bahnen verlaufenden Lebens sind die Triebfedern einer Handlung, die vom Zuschauer mehr verlangt als nur das bloße Aneinanderreihen der Bilder im Kopf. Viel mehr muß hier zwischen „den Zeilen gelesen“ bzw. müssen die versteckten Details und Hinweise richtig zugeordnet werden. Daß Michele Soavi aber nicht nur an einer Message gearbeitet hat, läßt sich schon daran erkennen, daß Sergio Stivaletti für die grotesken Masken- und Make-Up-Effekte angeheuert wurde. Doch im Gegensatz zu den Zombiefilmen von Fulci oder Romero geht das Töten in „Dellamorte Dellamore“ ganz beiläufig im Hintergrund ab, was natürlich viel intensiver wirkt, denn so wird die Gewalt zu etwas Alltäglichem. Fazit: Mit Sicherheit das Beste, was zur Zeit in Europa an Horror aufzubieten ist. Mit Rupert Everett, Francois Hadji Lazaro, Stefano Masciarelli, Barbara Cupisti und Anna Falchi, die zu den wahrhaft schönsten weiblichen Geschöpfen gehört, die seit Mathilda May in Tobe Hoopers „Lifeforce“ quasi nackten Horror verbreiteten.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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