Franks Bewertung

starstarstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

23.07.2025
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Review

von Frank Trebbin

aktualisiertes Review HD-VÖ

Horrorfilmstar Byron Orlok (Boris Karloff) will aus dem Filmgeschäft aussteigen, weil er glaubt, dass seine Verkörperung des Bösen im Stile des Gothic-Horrors nicht mehr gefragt und in der heutigen, so gewalttätigen Zeit längst zu harmlos ist. Der Abschiedsabend soll die Uraufführung seines letzten Streifens sein. Die Filmvorstellung wird jäh unterbrochen, als ein unbekannter Scharfschütze, ein Vietnamveteran, das Feuer auf das Publikum eröffnet. So wird Orlok mit dem von ihm kritisierten „neuen“ Horror direkt konfrontiert.

Abgesehen davon, dass Regisseur und Roger-Corman-Schüler Peter Bogdanovich hier eine unzweifelhafte Hommage an das filmische Wirken Boris Karloffs geschaffen hat, ist es ihm auch gelungen, den althergebrachten, traditionsreichen Gothic-Horror (vertreten durch die Figur Orloks/Karloffs) auf den modernen Horror/Terror prallen zu lassen, der hier sinnbildlich durch den Amokschützen verkörpert wird. Obwohl „Bewegliche Ziele“ innerhalb kürzester Zeit abgedreht wurde und ein Budget von nur $ 130.000 hatte, ist er technisch weit über vergleichbaren Produktionen angesiedelt. Lediglich die unbekannten Nebendarsteller haben es sehr schwer, aus dem Schatten des allzeit präsenten Boris Karloff zu treten, der hier seine letzte, große Rolle hat. Sein Auftritt in „Bewegliche Ziele“ kam übrigens nur zustande, weil er Roger Corman noch zwei Drehtage schuldete, die dieser an Peter Bogdanovich weitergab. Interessant an dem nicht nur vordergründigen Actionplot ist auch, dass schon klar die Formeln späterer Horrorfilme diktiert werden, welche die dem inneren Konflikt des klassischen Monsters innewohnende Gewalt herauslösen und nur noch auf der Beziehungsebene Täter-Opfer abspielen lassen. So gesehen ist die Figur des Amokschützen ein Vorfahre von Jason Voorhees und Konsorten. Anzumerken ist noch, sie Gewaltdarstellungen in „Bewegliche Ziele“ sachlich kühl ablaufen und somit recht befremdlich wirken. Des weiteren mit Tim O’Kelly, Nancy Hsueh, James Brown u. a.

Dieser (jetzt nur schreibfehlerkorrigierte) Text ist in Band I von „Die Angst sitzt neben Dir“ 1990 veröffentlicht worden.

Anmerkung aus 2025:

Gab es eigentlich je einen US-amerikanischen Film, der die Waffengeilheit des Landes und seine lockeren Gesetze dazu deutlicher angeprangert hat als "Bewegliche Ziele"? Wohl kaum. Umso aktueller und im politischen Sinne wichtiger erscheint einem heute dieser kleine, aber feine Streifen aus der frühen Hand Peter Bogdanovichs, der sich damit ganz im Zeichen des damals aufblühenden New-Hollywood-Kinos als mehr oder minder unabhängiger Filmemacher und Auteur etablieren konnte. Unterstützt von Weggefährten wie Roger Corman (Geldgeber) und Samuel Fuller (Drehbuchüberarbeitung), die ungenannt bleiben wollten, lieferte Bogdanovich, der ebenfalls eine Nebenrolle verkörperte, in den Abteilungen Regie, Schnitt und Story ganze Arbeit ab und ließ mit "Bewegliche Ziele" ein Spielfilmdebüt auftrumpfen, welches bis heute in Teilen stark verstörend wirkt, denn die Taten des Amokschützen werden gleichsam kaltschnäuzig wie nüchtern-beiläufig hergereicht und dass auch noch ohne jegliches psychologisches Beiwerk. Und weil Peter Bogdanovich wohl sicherlich auch aus Kostengründen aber wohl mehr aus künstlerischer Sicht besehen gänzlich auf eine typische Filmmusikuntermalung verzichtete, verstärkt sich beim Zuschauer das unwohle Gefühl, hier ohne schützende Distanziertheit einer erkennbaren "unterhaltenen" Inszenierung ein Stück brutale Realität bzw. ungeschönten Realismus zu erleben. Das musste man 1969 erst einmal verdauen. Für Filmliebhaber sind natürlich das doppeldeitige Vexierspiel um Karloffs / Orloks Überholtheit sowie die kaum verhohlenen Verweise auf den Untergang des alten Star-und-Studio-Systems Hollywoods aber auch der ureigenen Auto-Kino-Kultur die eigentlichen Triebfedern eines kleinen Juwels, das rein filmtechnisch betrachtet viele, viele Jahre später natürlich leicht angestaubt daherkommt, dafür aber inhaltlich weiterhin glänzt.

Wer also "Bewegliche Ziele" noch einmal in voller Pracht erleben möchte, der hat mit der jüngst erschienen HD-Veröffentlichung, die auf 4k-restauriertem und farbkorrigiertem Bildmaterial beruht, die beste Möglichkeit dazu. Wohl kaum sah "Bewegliche Ziele" je besser und auch der Mono-Ton wird sauber wiedergegeben. Abgerundet wird die vorbildliche HD-VÖ von interessanten Extras und einem lesenswerten Booklet. Bildformat: 1,85:1. 



© Selbstverlag Frank Trebbin

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