Directors Cut
Da ist die Terrorbande wohl an den Falschen geraten. Um John Matrix (Arnold Schwarzenegger), ehemals Kommandant der geheimen Eliteeinheit "Silver Stars", unter Druck zu setzen, entführt sie seine Tochter. Er soll die Putschpläne seines Erzfeinds, eines südamerikanischen Ex-Diktators unterstützen. Doch wer sich mit Matrix anlegt, kriegt es mit einer Ein-Mann-Armee zu tun, die nicht mehr zu stoppen ist, wenn sie sich einmal in Marsch gesetzt hat (Zitat 20th Century Fox).
Wer kennt ihn nicht? Jenen Film, der neben „Terminator“ Arnold Schwarzeneggers Rolle als „die“ Action-Ikone der 1980er Jahre etablierte: Mark L. Lesters „Phantom Kommando“, ein sich locker gebender B-Film der so gerne A-Film wäre. Und genau auch der Film, der solche unvergesslichen Kabinettsstückchen wie ein Sprung aus einem startenden Flugzeug, das Herausreißen eines Autositzes zu Beginn einer Verfolgungsfahrt oder das Herumschmeißen einer Telefonzelle so abgeklärt „ernst“ inszeniert, dass einfach kein Platz mehr ist für unfreiwilligen Humor. Das hohe Maß an abgeklärt-brutaler Action (gerade im Finale) und an treffsicheren Onelinern in Verbindung mit einer schnörkellosen, unter Zeitdruck stehenden Ich-rette-meine-Liebste-Story hat „Phantom Kommando“ zudem zu einer Art Blaupause für ein ganzes Rudel gleichartiger Streifen gemacht, die im aufblühenden Videozeitalter die VHS-Recorder stürmten.
So erreichte „Phantom Kommando“ schnell einen gewissen Kultstatus, zumal der Film teilweise – zumindest für damalige Verhältnisse – gar nicht so zimperlich war. Dass die alte deutsche Kinofassung 1986 trotz 18er-Freigabe noch geschnitten war und Arnies Fans demzufolge nach einer Uncut-Fassung lechzten, heizte die Nachfrage nach „Phantom-Kommando“ über die Jahre immer wieder an. Natürlich folgten dann im Zeitalter der DVD eine unangetastete Veröffentlichung und sogar später noch ein sogenannter Directors Cut. Dieser ist jetzt zusammen mit der Uncut-Kinofassung in HD-Qualität auf BD erschienen und gibt jedem, der entweder aus nostalgischen Gründen oder aber weil man einfach nur 90 Minuten lang knallig-bunt unterhalten werden möchte, die Chance, das Ganze in bestmöglicher Bild- und Tonqualität zu sichten. Altersbedingte Abstriche sollte man allerdings schon mit berücksichtigen, z. B. ist englische Tonspur deutlich knackiger, wenn auch nicht so vital wie heutiges Action-Kino.
Der Directors Cut selbst ist nicht unbedingt das, was man im Allgemeinen dahinter vermutet. In nur zwei, insgesamt gerade mal anderthalb minütigen Szenen erhält die Figur John Matrix etwas mehr persönlichen Hintergrund. Im Gegenzug gibt es insgesamt sechs, im Sekundenbereich liegende Gewaltschnipsel, die aber nicht unbedingt dazu angetan sind, nun eventuell sogar von einer Unrated-Fassung zu sprechen. Es liegt die Vermutung nahe, dass man hier Reste aus dem Schnittraum gefunden und zwecks besserer Vermarktung eines alten Titels wieder eingefügt hat. Dabei hätte „Phantom Kommando“, der heute immer noch rockt, so eine Art von Unterstützung gar nicht nötig gehabt.
© Selbstverlag Frank Trebbin