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Wenn man in Attack of the Crab Monsters nur einen Buchstaben horizontal spiegelt, erwarten uns hier Crap Monsters. Wie viel besser könnte ein Titel auf einen Monsterfilm passen, den Schundkönig Roger Corman 1957 als Double Bill mit Not of This Earth auf die Grindhäuser und Drive-Ins losließ? Sein Stammschreiber Charles B. Griffith beschränkte sich dabei nicht etwa nur darauf, eine dem Atomic Age entsprechende Angstparabel zu verfassen, wie sie seit Dinosaurier in New York und den endgültigen Creature-Feature-Impulsen Formicula und Godzilla reihenweise auf die Leinwände gerieten. Nein, er schafft es tatsächlich, die in Bezug auf den Kalten Krieg in der Science-Fiction verarbeiteten Ängste auf die titelgebenden Krabben umzumünzen.

Bevor es jedoch zu den wild zusammengewürfelten, pseudowissenschaftlichen Theorien kommt, bietet uns Attack of the Crab Monsters ein Szenario, welches nicht nur heute einen schnellen Einstieg in eine beliebige Videospielmission bieten könnte, sondern sich auch perfekt dazu eignet, schnell mit einem ohnehin nur über knapp bemessene Spielzeit verfügenden Billigfilmabenteuer zu beginnen. Wie in Bert I. Gordons The Amazing Colossal Man selben Erscheinungsjahres bilden auch die amerikanischen Atomtests die Grundlage für eine Story, jedoch ist es hier ein Team von Wissenschaftlern, welches die Auswirkungen auf eine Insel eines pazifischen Atolls zu untersuchen hatte und nun verschwunden ist. Eine neue Gruppe wird zur Aufklärung hintendrein geschickt und muß sich schon beim Landgang mit der erstaunlich steil abfallenden Küstenlinie bekannt machen, die nur wenige Meter vor dem Strand Unterwasseraufnahmen von einigen Metern Tiefe ermöglichen. Bereits hier geht ein Crew Mitglied verloren und wird als einleitender Schock nur noch zum Teil aus dem Meer gezogen.
Wie sich nun herausstellt, haben sich auf der Insel mutierte Riesenkrabben herausgebildet, die über erstaunliche Fähigkeiten verfügen. Zum einen leben sie in einem Höhlensystem und sind in der Lage, ihre Opfer durch das Verkleinern des Areals per Erdrutsch einzuengen. Ferner sind sie gegen Projektile immun, da ihre interne Struktur nicht fest ist, also die Kugel einfach hindurch zischt. Doch nicht nur die Insel selbst wird von ihnen unterwandert. Das Wissen ihrer gefressenen Opfer geht in sie über und so ist es ihnen dank telepathischer Fähigkeiten möglich, die ausstehenden Opfer mit den Stimmen ihrer Kameraden in die Falle zu locken.

Natürlich hält sich Attack of the Crab Monsters zunächst vornehm und vielleicht zu Gunsten streckender Dialoge etwas zu sehr zurück, die Biester zu zeigen. Da auch kaum an die krude Qualität des frühen Mordes angeschlossen wird, spielt sich fortan viel über die Psyche ab. Der Übergang, bei dem nach und nach deutlicher wird, wie so ein Monster eigentlich ausschaut, ist gar nicht mal so ungeschickt. So ein Vieh in Aktion mit dazu dämonisch verhallender Stimme ist dann schließlich ganz großes Entertainment, wie es sich der Freund gepflegten Kreaturen-Kinos wünscht, denn, mal ehrlich, auch wenn die Krustentierchen plastischer als Kollege Tarantula wirken, wegen des Gruselfaktors gucken wir uns sowas ja nicht an.
So ist es dann neben den witzigen Effekten und der haarsträubenden wissenschaftlichen Theorie hinter den wahlweise die McCarthy-Ära versinnbildlichenden, kommunistisch infiltrierenden und spaltenden oder als Rache der Natur auf den menschlichen Größenwahn auftretenden Krabben schließlich die kitschige Dramatik des Finales, die Attack of the Crab Monsters zu einem kurzen aber auch kurzweiligen Vergnügen macht.
Obwohl der Film sich neben militärischem Material im Gegensatz zum frecher stiebitzenden King Dinosaur nur mit einem kleinen Erdrutsch aus Tumak, der Herr des Urwalds behilft, kann der Look insgesamt nicht über das geringe Budget hinwegtäuschen. Das macht aber nichts, denn Corman scheint sich auch nicht dafür zu schämen. Selbstbewußt gestaltet er im Rahmen der Möglichkeiten ein kleines, aber feines Monsterabenteuer, welches sich zwar nur auf fragilem Fundament zu den besseren Filmen des Genres zählen darf, für Liebhaber aber unbedingt einen Blick wert ist.

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