Review

Meine Reviews:

Vorab, wie mit einem Mod per PN besprochen: Die Urheberrechte dieses Textes bleiben einzig bei mir. Sollten Änderungen vorgenommen werden (müssen), bitte eine Info an mich. Für mein Review setze ich eine SPOILERWARNUNG.

„Ihr Scheißkerle verhaltet euch wie ein Haufen bescheuerter Nigger.”

Quentin Tarantino verfasst seit Jahrzehnten Drehbücher (True Romance / Natural Born Killers), spielte in einigen Werken mit (From Dusk Till Dawn) und nahm selbst auf dem Regiestuhl Platz - zzgl. "Teil- & Gastregiearbeiten" (Sin City).

Sein (mehr oder weniger) Regiedebüt ist der mitunter als größter Independentfilm aller Zeiten bezeichnete Kultfilm. Diesen habe ich mir von Jahren in der Schweizer Tarantino Gold Collection (schicke Edition) auf DVD fürn Appel und 'n Ei zugelegt:

Reservoir Dogs - Wilde Hunde

(USA, 1992). Das ursprünglich als S/W-Lowbudgetfilm geplante Werk wurde dank Harvey Keitels Interesse und Engagement zu dem hiesigen, starbesetzten Hit, der 1,5 Mio. Dollar kostete. Hierin beraten sechs Gangster (Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Steve Buscemi, Edward Bunker & Quentin Tarantino) nach einem misslungenen Überfall, was schief gelaufen ist. In Rückblicken werden die Hintergründe und Vorgeschichte beleuchtet.

Dieses Kammerspiel ist ein bunter Genremix aus Gangster- / Copfilm und Thriller mit etwas Action, Drama sowie mit einigen amüsanten Einlage gepaart. Der Vermerk auf dem Frontcover der deutschen VHS 'Warnung: Die Gewalt in diesem Film ist nichts für schwache Nerven" ist aus meiner Sicht übertrieben - abgesehen vllt von der berühmt-berüchtigten Ohrszene. Der Film lebt aber nicht von Gewalt, sondern von der Inszenierung, den Darstellern & der Neugierde der Zuschauer. Der eigentliche Überfall bleibt ungezeigt.

Langeweile kommt nicht auf und / denn Reservoir Dogs gehört zu den Werken, die im positiven Sinne 'anders' sind. Es beginnt schon mit der berühmten Eingangsszene, in der u. a. über die wahre Bedeutung von Madonnas Lied Like a Virgin (1984) und der (Un)Sinn des Trinkgelds für Keller debattiert wurde. Tarantino etablierte bereits hier seine stilistischen Merkmale, die in Folgewerken zurückkehren - Beispiel: Blick aus einem geöffneten Kofferraum. Vor allem der Soundtrack ist die Wucht und beabsichtigt völlig passend-unpassend. Die 70er-Jahre Musik mit beispielsweise Harry Nilssons Coconut oder Stealers Wheels Stuck in the Middle with You (1973) erzeugen eine andere Stimmung als die Szenen auslösen zu denen die Musik abgespielt wird.

„Seit 15 Min. redest du was von Toby (...) Mit dem linken Ohr muss ich mir was über Madonnas Schwänzen anhören & von rechts brabbelst du die ganze Zeit was von deiner Japanerbraut vor!”

Auch wenn der Überfall nicht gezeigt wird (und somit der Zuschauer absichtlich etwas im Dunkeln bleibt), erfahren wir recht schnell, dass dieser völlig schief gegangen ist. Die Fortführung der Handlung und Rückblenden über Geschehenes wechseln sich ab, sodass sich langsam aber sicher ein klare(re)s Bild des Ablaufs ergibt.

Die Starriege spielt hier sehr gut und wirkt die Figuren wirken cool. Der Streit der Überlebenden kommt dank der überzeugenden Charaktere plausible rüber. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Ansichten um den Wert eines Leben, Gewalt, Loyalität, Professionalität usw. prallen hier aufeinander. Man wird als Zuschauer in dieser verwirrenden Lage mitgerissen und ist gespannt, was & wie es sich weiterentwickeln wird. Die Unvorhersehbarkeit zeigt sich in der Gegenwart & durch die Rückblenden. Dabei lockern lustige Sprüche immer wieder das Ganze auf.

„Hier sind eure Namen: Mr. White, Mr. Blue, Mr. Blonde, Mr. Brown und Mr. Pink.”
„Warum bin ich Mr. Pink?”
„Weil du ne Schwuchtel bist, darum!”

Der 100 Minuten lange R-Rated-Film erhielt oftmals die Erwachsenenfreigaben - etwa in Deutschland, Großbritannien & Russland. Hingegen war das Werk in einigen Ländern verboten / banned (Südkorea & Malaysia) bzw. schaffte es zeitweise nur geschnitten ins (Heim-)Kino (z. B. in Finnland Stichwort: Ohrszene).

Verweise auf andere Werke gibt es viele, ich greife ein paar heraus. Die kultig-coole „Let’s go to work“-Zeitlupenszene könnte eine Anspielung auf John Woos City Wolf II / A Better Tomorrow 2 (1987) sein. Die Serie Get Christie Love! (1974 bis 1975) wird genauso wie Charles Bronson erwähnt. Farben als Codenamen für Gangster gab es bereits in Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (1974). Verletzungen an Ohren kennen wir bereits aus dem Kultwestern Django (1966). Wobei neben Roland Emmerichs UniSol ist Reservoir Dogs der zweite Film mit abgeschnittenen Ohren anno 1992. Man musste seinerzeit wohl gut auf die Lauscher aufpassen, was Verarschung in Robin Hood: Helden in Strumpfhosen (1993) erklärt bzw. verdeutlicht. Ich mag solche Anspielungen. Diese Liebe zum Detail / Film zeigt, wie viel Mühe sich bereits beim Drehbuch gegeben wurde.

„Willst Du noch weiterbellen, kleines Hündchen, oder willst du beißen?”



Fazit:

Eine Besetzung, ein Regiedebüt, ein Kultfilm. Reservoir Dogs ist auch nach drei Dekaden immer noch unterhaltsam-cool, spannend und spitze inszeniert. Das Kopfkino dank nicht gezeigtem Überfall bleibt noch lange im Gedächtnis. 


Qualität -> 10 von 10 Punkten
Unterhaltungsfaktor -> 08 von 10 Punkten
Kultfaktor -> 10 von 10 Punkten
Gesamtwertung -> 08 bis 09 von 10 Punkten

PS: Ich finde es immer wieder amüsant, dass einige Bilder, Cover oder Wallpaper Chris Penn bei der „Let’s go to work“-Zeitlupenszene im Anzug zeigen. Im Film selbst, trägt er als einziger einen Jogginganzug.

„... und weiter gehts mit K-Billys Super Hitparade der 70er Jahre.”

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